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Von Martin Henkel

Nagelsmann wechselt den Sieg ein Forsberg und Hwang schießen RB in der Nachspielzeit ins Pokalfinale

Matchwinner Emil Forsberg

Matchwinner Emil Forsberg

Auf der letzten Rille, sagte man so, hat RB Leipzig Freitagabend in Bremen zum zweiten Mal nach 2019 das Finale im DFB-Pokal erreicht. Die Sachsen bezwangen Werder in der Nachspielzeit durch Tore von Hee-chan Hwang  (93.) und Emil Fosberg (120.) 2:1 (0:0, 0:0). Leonardo Bittencourt hatte zwischenzeitlich ausgeglichen (105.).

Nach dem verlorenen Endspiel vor zwei Jahren haben die Sachsen damit erneut die Möglichkeit, ihren ersten Titel in der Vereinsgeschichte zu gewinnen. Der Gegner heißt entweder Borussia Dortmund oder Holstein Kiel, beide Teams spielen am Samstag gegeneinander.

Sörloth hat die erste Chance

Die Partie im Weserstadion begann, so wie beide Teams in der Tabelle stehen. RB, Zweiter, dominierte den 14. der Meisterschaft. Die Dreierkette mit Dayot Upamecano, Ibrahima Konaté und Willi Orban postierte sich am Mittelkreis, die restlichen Offensiven davor, darunter Blessur-Rückkehrer Marcel Sabitzer, vorn im Sturm mal wieder der norwegische Turm Alexander Sörloth.

Der Stürmer hatte die erste ernsthafte Chance des Spiels. Angeliño bediente seine Stirn, vorn dort flog der Ball auf Werder-Keeper Jiri Pavlenka, der Tscheche tauchte ab und fischte den Kopfball mit langen Armen weg (4.).

RB trat ohne Nagelsmann-Effekt auf, keine Spur von Verunsicherung, weil der Coach Tage zuvor seinen Abschied zum FC Bayern bekanntgegeben hatte. Doch Pokalspiele sind kein Alltag, es braucht vor allem Mentalität. Werder-Trainer Florian Kohfedt hatte deshalb entschieden, nicht wie der Hase vor der Schlange zu agieren, sondern selbst auf Angriff zu gehen. Drei Stürmer, Joshua Sargent, Niclas Füllkrug und Davie Selke, begannen gegen den Favoriten aus der Messestadt, um die Leipziger Kette zu attackieren. Vor allem RB-Ex Selke gewann zunehmend alle Kopfbälle und begann die Leipziger Defensive zu nerven.

Die ließ sich foppen, begann zu stolpern, zu rutschen, zu zittern. Sargent hatte schon nach zehn Minuten eine erste Chance. In der hatte er aber noch die Hosen voll, sein Schuss war leichte Beute für RB-Torhüter Peter Gulacsi. Seine zweite Möglichkeit hatte hingegen in sich. Hohes Holz auf Selke, der baumlange Stürmer legte auf Sargent ab, Upamecano rutschte aus, der US-Amerikaner stand plötzlich allein vor Gulacsi – und legte den Ball nur knapp neben den Pfosten (30.).

Gräfe zeigt auf den Punkt

Stöhnen und Kopfschütteln auf der Werder-Bank, während Nagelsmann immer öfter seine Mitarbeiter mit Flüchen überzog. Plötzlich war die Dynamik der Partie auf Werder-Seite. Ein Tor lag in der Bremer Luft – und fast hätte es eingeschlagen. Bei einem Bremer Angriff stibitzte Kampl den Ball an der Torauslinie, wollte sich mit einem Sprint befreien, Selke rauschte heran, Nordi Mukiele hinterher. Plötzlich stürzte Selke im Strafraum, Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte sofort auf den Punkt.

Pokalglück für RB: Zum Strafstoß kam es nicht. Gräfe bekam Widerspruch von Bibiana Steinhaus aus Köln. Er begutachte die Szene am TV und nahm sein Urteil zurück. Selke hatte bei Mukiele absichtsvoll eingefädelt (44.).

Die zweite Hälfte begann mit Raketen und Böllerwurf von außerhalb des Stadions. Und ordentlich Feuerwerk drinnen. Mukiele prüfte in der 52. Minute den langen Pfosten. Sechs Minuten später schlenzte Angeliño einen Freistoß an der Strafraumkante knapp übers Toreck.

RB blieb am Drücker. Ecke Angeliño in der 64. Minute, Orban köpfte an die Querstange. Die gesamte RB-Bank sprang von ihren Sitzen. Langsam musste der Treffer doch fallen. Werder wirkte zu diesem Zeitpunkt angeschlagen, war aber noch im Spiel. Zwei Minuten später köpfte Yuya Osaka einen Freistoß knapp am RB-Kasten vorbei. Der Werder-Block hinter der eigenen Bank brüllte und tobte, wo auch immer all die „Mitarbeiter“ herkamen. Selbst Tröten und Rasseln hatten sie dabei.

Und wieder machte das Aluminium „klonk“. In der 78. Minute bediente Angeliño Christopher Nkunku mit einem Steckpass in den Fünfmeterraum, von dort schoss der Franzose an den Pfosten.

Hwang gibt den Gamechanger

Tick, tack machte die Uhr. Immer näher rückte die Verlängerung. Werder bekam noch mal Oberwasser: Eine Ecke segelte am langen Pfosten vorbei, (89.), eine musste Gulacis aus dem Nachthimmel fausten (90.), dann pfiff Gräfe ab.

RB brauchte einen Gamechanger, und Nagelsmann hatte ihn zuvor mit Hee-chan Hwang eingewechselt (90.). In der 93. Minute schnappte sich der Südkoreaner eine Ablage von Yussuf Poulsen und schob den Pass an Pavlenka vorbei ins lange Eck. Die Entscheidung?

Mitnichten! Upamecano vermasselte einen Rückpass auf Gulacsi, Leonardo Bittencourt sprintete dazwischen und schob in der 105. Minute zum 1:1 ins leere Tor ein.

Ass im Ärmel

Es war zum Haareraufen für den Leipziger Tross. Mit Beginn der zweiten Hälfte der Nachspielzeit schoss der zuvor in die Partie gekommene Benjamin Henrichs ans Außennetz (106.). Wenig später köpfte Poulsen aus fünf Metern übers Tor (109.).

Beide Teams verbissen sich ineinander, also musste Nagelsmann wieder einen aus dem Ärmel schütteln. Er hatte ja noch ein Ass im Ärmel: Emil Forsberg. Kurz zuvor ebenfalls eingewechselt, drosch der Schweder in der 120. Minute eine Vorlage von Hwang unters Tordach! (RBlive/hen)