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Von Ullrich Kroemer

Risse nach der Pleite Marsch setzt nur noch auf einen Teil des Teams

„Vielleicht mĂŒssen wir mehr in diejenigen investieren, die verstehen, was wir wollen”: Jesse Marsch sucht nach Lösungen bei RB Leipzig.

„Vielleicht mĂŒssen wir mehr in diejenigen investieren, die verstehen, was wir wollen”: Jesse Marsch sucht nach Lösungen bei RB Leipzig.

Der Frust war groß im Bauch der Red-Bull-Arena nach RB Leipzigs 1:2 gegen BrĂŒgge in der Champions League. Keeper Peter Gulacsi saß enttĂ€uscht neben Trainer Jesse Marsch und stĂŒtzte den Kopf in seine Torwart-Pranke und hörte mit an, wie der Coach erstmals den „Stark-bleiben-think-positive”-Modus ausstellte und das Team klar kritisierte. Ein Novum, weil sich Marsch sonst stets voll hinter seine Mannschaft gestellt hatte.

Marsch: „Ich war ĂŒberrascht, dass wir so schlecht gespielt haben”

„Es war eine sehr schlechte erste Halbzeit. Ich war ĂŒberrascht, dass wir so schlecht gespielt haben. Wir haben zu viele BĂ€lle verloren und unser Tor nicht mit allen Mitteln verteidigt. Diese erste Halbzeit tut uns weh“, sagte Marsch. Der Mannschaft warf er vor: „Wir haben uns nicht an den taktischen Plan gehalten, haben zu hektisch gespielt, weil wir jeden Ball nach Ballgewinnen oder im Spielaufbau verloren haben – sehr unruhig.” Marsch machte unmissverstĂ€ndlich klar, dass er mehr taktische Disziplin verlangt: „Das Problem ist: Wir sind nicht konstant. Wir spielen entweder sehr, sehr gut oder nicht gut. Wir mĂŒssen verstehen, wie wir jedes Spiel mit mehr Rhythmus und Konstanz bestreiten.” Und: „Wenn wir einen taktischen Plan aufstellen, erwarten wir bessere Leistungen in jedem Spiel.”

Es bleibt rĂ€tselhaft, weshalb Marsch nach dem einzigen guten Spiel seit Wochen, als er mit Dreierkette beim 6:0 gegen die Hertha im Nagelsmann-Stil gewann, gegen BrĂŒgge nun wieder auf Viererkette umstellte, womit die Mannschaft aktuell nicht zurechtkommt. Marsch erklĂ€rte das nur damit, dass Angeliño gesperrt fehlte. Doch es wĂ€ren auch andere Optionen wie Josko Gvardiol, Benjamin Henrichs oder Amadou Haidara fĂŒr die Angeliño-Position infragegekommen. So verunsicherte er das Team wieder.

Gulacsi: „So kann man kein Spiel gewinnen”

„Wenn man 1:0 fĂŒhrt, ist das eigentlich eine gute Situation, um das Spiel schnell zu entscheiden. Aber wir haben uns mit jedem Ballverlust runtergezogen und Selbstvertrauen verloren”, analysierte Gulacsi. „Unsere Freilaufbewegung war nicht aktiv und energetisch genug. Dadurch hatten wir nur wenige Optionen. Diese Fehler sind sehr untypisch fĂŒr uns, wir spielen eigentlich viel sauberer, konnten uns aber fast nicht aus unserer HĂ€lfte befreien. Jeder gewonnene Ball war in zwei Sekunden wieder weg. So kann man kein Spiel gewinnen.”

Spielmacher Kevin Kampl kĂŒndigte an: „Das wird ein großes GesprĂ€chsthema, das darf uns niemals passieren. Wir laden den Gegner ein. Wenn wir diese Hektik nicht haben, kann ein solches Spiel auch 3:0, 4:0 fĂŒr uns ausgehen.”

Marschs Lösung: Ein Team im Team?

Offen bleibt jedoch auch, weshalb Marsch nicht frĂŒher in der ersten HĂ€lfte umstellte. RB quĂ€lte sich 35 Minuten lang ohne Einfluss von außen. In der Halbzeit wies Marsch die Spieler dann an: „Bleibt ruhig, spielt simpel, bewegt den Ball, haltet Euch an den Matchplan. Dann haben wir besser gespielt, waren zwar nicht gefĂ€hrlich genug, hatten aber mehr Spielkontrolle”, so der Coach. Mit Gvardiol und Haidara brachte Marsch fĂŒr Konrad Laimer und Nordi Mukiele zwei frische Spieler, die seine Idee besser umsetzten.

Marsch will aus der sensationell schlechten ersten HĂ€lfte auch personelle Konsequenzen ziehen. Thema in der Trainerkabine direkt nach dem Spiel war: „Wir mĂŒssen ĂŒberlegen, was jetzt unsere beste Mannschaft ist. Vielleicht spielen wir mehr mit dieser Gruppe und mĂŒssen mehr in diejenigen investieren, die verstehen, was wir wollen.” Heißt: Der Trainer schart vor allem die Spieler enger um sich, die seinen Stil bedingungslos mitziehen wollen – auch weil er langsam selbst um seine Reputation fĂŒrchtet. Konkret: Mehr Adams, Gvardiol, Haidara und weniger Mukiele, Laimer, Szoboszlai.

Doch das wĂ€re eine Abkehr des vom US-Coach mantrahaft besungenen Gedankens einer starken Gruppe mit Spielern, zwischen die kein Blatt Papier passt. Stattdessen wĂ€ren einige Akteure ausgeschlossen, ein Team im Team. So entstehen eher Risse im Team. Das gab es ĂŒbrigens bei RB schon einmal, als 2015 Interimstrainer Achim Beierlorzer einen Teil der damaligen FĂŒhrungsspieler wie Daniel Frahn ausschloss, die enttĂ€uscht waren von der Trennung von Alexander Zorniger. Beierlorzer ist aktuell Marschs Assistent. (RBlive/ukr)