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Von Martin Henkel

Saracchi exklusiv nach seinem ersten Tor für RB: „Ärger in Energie umgewandelt”

Tordebütant bei RB Leipzig: Marcelo Saracchi.

Tordebütant bei RB Leipzig: Marcelo Saracchi.

Er war nicht DER Spieler des Spiels. Aber er hat die schönste Geschichte der Partie von RB Leipzig Samstagabend bei Werder Bremen geschrieben, als er in der 85. Minute das 3:0 und damit den Endstand erzielte. Die Rede ist von Marcelo Saracchi: Uruguayer, 21, Spieler von RB Leipzig seit dem vergangen Sommer. Aber bis gestern ein taruriger.

Leidenschaft und Weltschmerz

Der Linksverteidiger kam vom späteren Copa-Libertadores-Sieger, dem Äquivalent zur Champions League, River Plate, mit großen Hoffnungen in die Bundesliga. Spielte zu Beginn der Saison Stamm auf der linken Außenverteidiger-Position und verschwand dann aus den Überlegungen seines Trainers Ralf Rangnick, als Marcel Halstenberg seinen Kreuzbandriss überwunden hatte.

Pasión ist ein Zentralbegriff, der das Naturell aller Südamerikaner beschreibt. Mehr noch aber in Uruguay ist das der Fall. Ein Land des Tangos wie in Argentinien, dem Soundtrack vieler gestrandeter Immigranten aus Europa aus dem vorigen Jahrhundert, auf deren Leidenschaft sich ein großer Weltschmerz legte. Er wird bis heute vererbt. Kein Zuhause nirgendwo.

14 Partien saß Marcelo Saracchi vorige Saison auf der Bank ohne eine einzige Einsatzminute, fünf Spiele war er nicht einmal mehr im Kader. „Schlimm war die Zeit“, gestand Saracchi nach der Partie in Bremen, seiner ersten diese Saison in der Liga und der zweiten nach einem Kurzeinsatz im DFB-Pokal gegen Osnabrück. Aber: Ein Tor heilt viele Wunden. Zumal, wenn es das erste ist. RBlive sprach exklusiv mit Marcelo Saracchi nach der Partie.

Marcelo, Ihr erstes Tor für RB – wie fühlt es sich an?
Großartig! Es bedeutet mir sehr viel. Das Tor war in erster Linie für uns als Mannschaft wichtig. Es hat das Spiel beendet. Wir waren in Unterzahl und Werder hat gedrückt.

Und für Sie persönlich?
Ich fühle mich gerade extrem gut. Mein erstes Tor für RB ist eine wunderbare Sache. Das ist ein schöner Moment gerade nach den vielen Monaten, in denen ich nicht gespielt habe. Das hat mir gefehlt, diese Freude am Fußballspielen.

Saracchi: „Fußball ist für mich Leidenschaft, Liebe“

Wie sind die vergangenen Monate für Sie gewesen?
Ich habe mich gefühlt wie jeder Fußballer, der nicht spielt, aber spielen will. Für mich ist das alles ja in erster Linie keine Arbeit, sondern Leidenschaft, Liebe. Und wenn ich keine Minuten bekomme, das auszuleben, dann kommt irgendwann die Verzweiflung. Das war keine schöne Zeit.

Ihr Trainer Julian Nagelsmann hat erklärt, dass er sich enorm für Sie freue und begeistert davon ist, dass Sie in Unterzahl trotzdem bei dem Konter bis vor das gegnerische Tor durchgelaufen sind. Was hat Sie angetrieben?
Ich hatte ja noch eine Menge Energie und hab den Ärger der vergangenen Wochen ausgehalten und einfach in diese Energie umgewandelt. Ich wollte da vorne rein für alles, was in der Vergangenheit nicht so gut für mich gelaufen ist.

Sie hatten vorige Saison 19 Spiele am Stück keinen Einsatz. Auch bei der Copa America haben Sie keine Minute gespielt. Was ist Ihnen im Urlaub durch den Kopf gegangen?
Ich habe darüber nachgedacht, zu wechseln. Klar! Ich will Nationalmannschaft spielen. Wenn einer aber in seinem Klub nicht gebraucht wird, dann wird es schwierig, für sein Land zu spielen. Und ich habe ja auch persönliche Ambitionen und die kann ich auf der Bank nicht umsetzen. Deshalb habe ich mich mit einem Wechsel beschäftigt.

Wieso sind Sie geblieben?
Auch der Klub hat seine Ziele und Ideen. Wir spielen in drei Wettbewerben, dafür braucht es Spieler wie mich und einen breiten Kader. Das verstehe ich. Deshalb habe ich mich im Sommer auch ein bisschen beruhigt. Es gibt viele Spiele und ich bekomme meine Einsätze, deshalb wollte ich letztendlich auch bleiben. Aber ich brauche meine Minuten, um mich zu zeigen. Das ist mir heute gelungen.

Der Trainer hat Sie bereits in der Pause für Mordi Mukiele gebracht. Überraschend für Sie?
Auf jeden Fall! Außenverteidiger wechselt man normalerweise nicht in der Halbzeit. Aber ich habe natürlich auf diesem Moment gewartet.

Hatten Sie im Sommer ein Gespräch mit ihm?
Ja.

Was hat er Ihnen gesagt?
Jeder hat seinen Standpunkt dargelegt. Er hat mir gesagt, dass er mich braucht. Und ich habe ihm gesagt, dass ich Spielzeit brauche. Deshalb hat sich meine Situation ein wenig verändert im Vergleich zum Vorjahr. Wenn er mich nicht bräuchte, dann hätte ich auch keinen Grund, länger zu bleiben.

Nach Ihrem Tor sind Ihre Mitspieler vom Feld und von der Bank auf Sie zugelaufen. Was haben Sie in diesem Moment empfunden?
Das hat mir sehr viel bedeutet. Ich hatte im vergangenen Jahr keine gute Zeit. Es ist ein gutes Gefühl, wenn deine Mitspieler das mitempfinden. Und das haben sie getan, als sie zu mir gerannt kamen. (RBlive)