RB Leipzig

Amadou Haidara im Saisonporträt: Freestyle mit Goldblatt-Steak

Von Martin Henkel 21.04.2020, 15:47
RB Leipzigs Amadou Haidara.
RB Leipzigs Amadou Haidara. Imago/Camera 4

Mindestens bis 9. Mai muss die Bundesliga pausieren. Falls der Ball in dieser Spielzeit überhaupt noch einmal rollen sollte, wird das für die Profis wie ein Saisonneustart. Daher ziehen wir im spielfreien April ein erstes Saisonfazit der Leistungen jedes Akteurs von RB Leipzig. Im Zentrum stehen natürlich die Leistungen auf dem Platz, doch wir beurteilen auch soft skills wie besondere Qualitäten, Fannähe oder die Präsenz in den sozialen Medien. Dieses Mal im Fokus: Leipzigs Nummer 8 – Amadou Haidara.

Saisonanalyse: Bis zur Corona-Pause hat Amadou Haidara in 21 Spielen das Trikot von RB Leipzig getragen. Das ist bei insgesamt 25 Ligaspielen, acht Champions-League-Partien und drei im Pokal kein schlechter Wert. Allerdings liegt die Wahrheit über den bisherigen Saisonverlauf beim Malier im Detail. Nur sieben dieser Partien waren Einsätze von Beginn an – zwei im Europapokal, einer im DFB-Pokal und vier in der Liga, von denen drei verloren gingen. Mehr Niederlagen gab es für RB bis dato nicht. Zufall?

Freestyle im Weihnachtsurlaub

Unbedingt! An Niederlagen ist nie nur ein Spieler beteiligt, sondern zehn weitere. Aber es wirft trotzdem ein symbolisches Schlaglicht auf die zweite Saison für den 22-Jährigen. Haidara gehört zu den Verlieren der ersten Monate unter Trainer Julian Nagelsmann. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung, nach dem 0:2 gegen Lyon in der Champions League, bei dem Haidara in der 53. Minute eingewechselt wurde, grantelte der Bayer Nagelsmann: „Wir hatten zwei, drei Spieler auf dem Acker, die viel Freestyle unterwegs waren. Freestyle kann man im Weihnachtsurlaub auf dem Snowboard machen. Auf dem Fußballplatz ist es wichtig, dass wir Dinge, die wir gemeinsam besprechen auch umsetzen.“

Haidara versus Konrad Laimer: Kontrahenten auf der "6".
Haidara versus Konrad Laimer: Kontrahenten auf der "6".
Screenshot Sofascore.com

Es ist vor allem Haidaras mieses Positionsspiel auf der von ihm wenig geliebten Position zentral vor der Abwehr, das eine Entwicklung bremst, die Trainer-Vorgänger Ralf Rangnick Januar 2019 als Leistungssprung a la Naby Keita vorhersagte, der nach zwei Jahren bei RB zum FC Liverpool wechselte. Erst setzte „Dudu“ ein Kreuzbandriss außer Gefecht, den er aus Salzburg mitgebracht hatte, seinem Vorgängerklub. Dann verpasste er die Vorbereitung mit Nagelsmann wegen seiner Teilnahme am Africa-Cup. Als er zum Team stieß, waren die Positionen im Mittelfeld allesamt besetzt. Anstellen ist aber offenbar keine Stärke, weshalb Haidara seinem großen Talent genauso hinterherläuft wie einer Aussage vom vergangenen Jahr hinterher, als er meinte: „Ich werde in Leipzig groß rauskommen.“

Moment(e) der Saison: Sein Jahresendurlaub in Dubai 2019/2020. Bei dem ließ sich Haidara jenes Goldblatt-Steak servieren, das schon Bayerns Profi Franck Ribéry zum Verhängnis wurde und Ralf Rangnick nach der Friseuraffäre vor der Pleite in Frankfurt zu seinem mittlerweile berühmten Wutausbruch veranlasste: „Das ist dekadent, da ist der Weg zum Gold-Steak nicht mehr weit!“

Einschätzung des Trainers: Julian Nagelsmann war zu Saisonbeginn voll des Lobes: „Er ist ein wichtiger Spieler für uns, den ich immer sehr gerne habe spielen sehen.“ Nach der Pleite gegen Lyon spezifizierte er den Rundumschlag gegen die Ersatzspieler seines Teams: „Bei Amadou ist jetzt der nächste Schritt nötig.“

Spezialkraft: Anbeißen und nicht mehr loslassen: Haidara ist der Terrier im Team, vier Gelbe Karten in nur 902 Spielminuten sind der Beleg dafür.

Haidaras Stärken und Schwächen
Haidaras Stärken und Schwächen
Imago/Camera 4

Style: Haidara ist ein Fashion-Boy. Stretchjeans, gern zerrissen, dazu Gucci-Shirt und Sneaker. Was man mit 22 eben so trägt. Eine blondierte Rundhaubenfrisur vervollständigte das Bild in dieser Saison. Die Nähe zu Leipzigs Fans ist hingegen nicht so seins, genauso wenig wie Auftritte vor Kameras oder Aufnahmegeräten. Haidara war in dieser Saison nicht einmal in der Mixed Zone. Es gab dafür aber auch keine Anlässe.

Soziale Medien: Niemand hätte von der Völlerei mit dem vergoldeten Steak erfahren, hätte Haidara aus seinem Dubai-Urlaub nicht eine Instagram-Story gepostet. Es war allerdings auch seine letzte, seither ist es weitgehend still in seinen Social-Media-Accounts. (RBlive/mhe)