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  5. Arzt von RB-Topscorer Christoph Baumgartner im Interview: Risiken und Ausfallzeit nach der seltenen Verletzung

Baumgartners Arzt im Interview Ausfallzeit und Risiken: Diese Tücken hat die seltene Verletzung

Dr. Lasse Lempainen hat RB-Topscorer Christoph Baumgartner operiert. Der Finne erklärt im Interview mit RBlive, mit welcher Ausfallzeit nach der seltenen Verletzung zu rechnen ist und was bei Reha und Comeback besonders zu beachten ist.

Von Ullrich Kroemer 11.06.2026, 08:46

Christoph Baumgartner lebt von seiner Schnelligkeit, Explosivität und seinem bedingungslosen Einsatz. Doch nach seinem Sehnenriss muss sich der Offensivgarant von RB Leipzig einer langwierigen Reha unterziehen, die er zunächst bei der österreichischen Nationalmannschaft in den USA beginnt

Der finnische Spezialist Lasse Lempainen, international gefragter Facharzt mit besonderer Expertise für Muskel- und Sehnenverletzungen, der Baumgartner operiert hat, erklärt im Interview mit RBlive, wie die Verletzung einzuschätzen ist, welche Risiken bestehen und was beim Comeback-Prozess besonders zu beachten ist.

Herr Dr. Lempainen, Christoph Baumgartner hat beim Warmmachen laut Medienberichten einen Riss der Sehne des Oberschenkelmuskels rectus femoris erlitten. Weshalb kommt diese Verletzung im Profifußball recht selten vor und was können die Ursachen sein?
Lasse Lempainen: Vollständige Risse der Quadrizepssehne, speziell des Musculus rectus femoris, sind relativ selten, da die Sehne sehr widerstandsfähig ist und den beim Fußball auftretenden hohen Belastungen normalerweise standhält. Unter bestimmten Umständen – typischerweise bei explosiven Sprints, Schussbewegungen sowie plötzlichen Beschleunigungs- oder Abbremsmanövern – können die einwirkenden Kräfte jedoch die Belastbarkeit der Sehne übersteigen und zu einem Riss führen. Obwohl Verletzungen des Musculus rectus femoris im Fußball häufig vorkommen, sind komplette Sehnenrisse weitaus seltener.

„Rückkehr in den Wettkampf und die Wiedererlangung des Leistungsniveaus nicht zwangsläufig dasselbe”

Welche Ausfallzeit ist bei dieser Verletzung anzunehmen?
Die voraussichtliche Genesungszeit hängt von der Schwere und Lokalisation der Verletzung sowie von der Behandlungsstrategie ab. Bei Spitzensportlern mit einem vollständigen Riss der Rectus-femoris-Sehne, der eine chirurgische Versorgung erfordert, ist eine Rückkehr in den Spitzensport typischerweise etwa vier bis fünf Monate nach der Operation möglich. Die Zeitpläne variieren jedoch individuell und hängen vom biologischen Heilungsprozess, dem Fortschritt der Rehabilitation sowie den sportspezifischen Anforderungen ab. Dabei ist zu beachten, dass die Rückkehr in den Wettkampfbetrieb und die Wiedererlangung des früheren Leistungsniveaus nicht zwangsläufig dasselbe sind.

Lesen Sie hier: Comeback Ende August/Anfang September? – Baumgartner-Verletzung wird auch zum RB-Problem

Was machen die Behandlung und den Reha-Prozess bei dieser Verletzung speziell?
Der Musculus rectus femoris spielt eine Schlüsselrolle bei Sprints, Trittbewegungen, Beschleunigungsvorgängen und explosiven Bewegungsabläufen. Bei schwersten Verletzungen sowie bei Profisportlern ist eine chirurgische Behandlung häufig die beste Option. Die Rehabilitation muss sich nicht nur auf die Sehnenheilung konzentrieren, sondern auch auf die Wiederherstellung von Kraft, Flexibilität, neuromuskulärer Kontrolle sowie Sprint- und Schussleistung. Vor der Rückkehr des Athleten in den Wettkampfbetrieb sind objektive Tests von besonderer Bedeutung.

„Sportler können mit Risiken konfrontiert sein”

Welchen Risiken sind betroffene Athleten nach erfolgreicher Reha ausgesetzt?
Selbst nach erfolgreicher Behandlung und Rehabilitation können Sportler mit Risiken wie einer erneuten Verletzung, anhaltenden Kraftdefiziten, verminderter Sprintleistung oder veränderten Bewegungsmustern konfrontiert sein. Aus diesem Grund kommt der abschließenden Rehabilitationsphase eine besondere Bedeutung zu.

Inwiefern?
Vor der Rückkehr in den Wettkampf sollten Sportler einen umfassenden Beurteilungsprozess – „Return to Play“ und „Return to Perform” – durchlaufen, bei dem Kraft, Beweglichkeit, neuromuskuläre Kontrolle, Sprintvermögen, Richtungswechselleistung und sportspezifische Funktionen aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet werden. Das oberste Ziel ist nicht nur die Rückkehr in den Wettkampf, sondern die sichere Wiederherstellung des früheren Leistungsniveaus bei gleichzeitiger Minimierung des Risikos einer erneuten Verletzung.