Cleverer Sieg im „Paradise”Werner stellt den Celtic-Park ruhig

Von Martin Henkel Aktualisiert: 11.10.2022, 23:24
Torschütze und Vorbereiter: Timo Werner wird euphorisch bejubelt von Mo Simakan.
Torschütze und Vorbereiter: Timo Werner wird euphorisch bejubelt von Mo Simakan. (Jan Woitas/dpa)

RB Leipzig hat den Stresstest bei Celtic Glasgow bestanden, wenn man sich vor Augen führt, dass sie 90 Minuten in einem der lautesten Stadien des europäischen Fußballs spielen mussten. Sie gewannen gegen Celtic Glasgow 2:0 (0:0). Der erste Torschütze war Timo Werner (75.), der zweite Emil Forsberg (84.) nach Vorlage von Werner.

RB (sechs Punkte) ist damit Zweiter in der Gruppe, da Schachtar Donezk (fünf Punkte) 1:1 gegen Real Madrid spielte. Der Sieg war also nicht nur was fürs Prestige, sondern auch dringend nötig, um dem Achtelfinale der Königsklasse nah zu bleiben. Vor dem Hintergrund, wo RB sich diesen Dreier holte, ging der Wert des zweiten Europapokalsieges in dieser Saison schließlich noch einmal mehr in die Höhe.

Max Eberl schaut in Daunenjacke zu, Rod Stewart im weißen Mantel

Der Celtic-Park ist ja nicht irgendein Stadion. Ein Mythos, der allerdings eine Weile gebraucht hat, bis er erwachte. Standesgemäß entfaltete er sich vor dem Anpfiff, als die 60.000 Fans „You’ll never walk alone” sangen. Vor den Augen von 600 mitgereisten Leipziger Fans, vor denen des bald neuen RB-Sportchefs Max Eberl, der auf der Tribüne in Daunenjacke gehüllt zum ersten Mal ein Spiel seines Arbeitgebers verfolgte. Und natürlich vor Rod Steward, ein Dauergast mit Namensplättchen auf seinem Sessel.

Der schottische Barde von Weltruhm saß nah am Spielfeld, mittig, dort wo man den besten Blick auf den Rasen des „Parkhead“ hat. Er sah einen Blitzstart der Schotten, die durch einen Kopfball von Daizen Maeda dem 1:0 um Zentimeter nah waren. Danach aber kontrollierten die Gäste aus Sachsen das Spiel. Die Strategie war klar: Das Stadion zum Schweigen bringen.

Mythos auf dem Sprung

Es gelang eine Weile lang durch endlose Ballstafetten von hier nach da. Immer leiser wurde die Arena. Die Stille nutzte RB zu zwei Konterchancen durch Amadou Haidara und Timo Werner, die allerdings beide in den Beinen der Celtic-Abwehr verendeten (15., 21.).

Doch das Parkhead ist ein Mythos auf dem Sprung. Immer. Eine Szene, und er wird wach. Diese Szene hatte Sead Haksabanovic, der in der 25. Minute den Fußreflex von RB-Torhüter Janis Blaswich testete. Jetzt flippten die Ränge aus. Aufgeputscht vom Lärm drückten die Schotten den Bundesligisten in dessen Strafraum – und kamen binnen Sekunden zu zwei Großmöglichkeiten, von denen eine durch einen Schuss von Matthew O’Reily am Pfosten landete und von dort über die Stirn Greg Taylors ans Gestänge prallte (27.).

Hart pariert gegen Nkunku und Orban

RB hätte sich über den Rückstand nicht beschweren können. Kaum wurde es mal laut, flatterten spürbar die Nerven. Es dauerte bis zur 45. Minute, ehe die Reisegruppe aus Germany sich wieder gefangen hatte. Kurz vor dem Pausenpfiff produzierte sie die erste Chance von Qualität. Mit dem Fuß vereitelte Celtics Keeper Joe Hart den Rückstand durch einen Schuss von Christopher Nkunku.

Die Sachsen nahmen den Schwung in die zweite Hälfte mit. Einen Schuss von Willi Orban in der 50. Minute klärte Hart gerade noch so mit dem Schritt. So war das Stadion aber nicht mehr zum Schweigen zu bringen. Es blieb laut, erfüllt von Gesang und Geschrei, Pfiffen und Erregung. In dieser Atmosphäre zu bestehen, ist eine Nummer für sich.

RB schlug sich wacker, blieb aber unsicher und hatte kein Glück bei seinen Abschlüssen. Dominik Szoboszlai nicht, der im Strafraum ausrutschte (59.), Werner nicht, der anstatt das Tor ein Verteidigerbein traf (64.).

Silva bereitet genial vor

Das Spiel wurde jetzt wild, denn Celtic wollten den Sieg, setzte alles auf eine Karte. So ergaben sich Stress und Freiräume für die RB-Elf, die als Erster Werner 15 Minuten vor dem Ende nutzte und einen Chip-Ball von André Silva ins lange Eck köpfte. Als dann Forsberg nach Werner-Vorlage auch noch nachlegte, war es um die Stimmung im Celtic Park geschehen. Keinen Ton hörte man mehr bis zum Abpfiff.