RB Leipzig

Doppelpack Messi - RB Leipzig schenkt möglichen Sieg in Paris her

Von Ullrich Kroemer 19.10.2021, 23:01
Leitet die Niederlage mit seinem Foul gegen Mbappé ein: Mohamed Simakan (M.)
Leitet die Niederlage mit seinem Foul gegen Mbappé ein: Mohamed Simakan (M.) imago images/PanoramiC

RB Leipzig hat gegen Paris St. Germain lange ein atemberaubendes Champions-League-Spiel abgeliefert – und dennoch verloren. Die Gäste gaben eine 2:1-Führung unnötig aus der Hand. Sie unterlagen Lionel Messi & Co. mit 2:3 (1:1) und stehen mit weiter null Punkten vor dem Aus in der „Königsklasse”.

Nur zwei Offensivkräfte

Trainer Jesse Marsch hatte personell die vermeintlich defensivste aller möglichen Aufstellungen gewählt. Vor einer Fünferkette postierte er die drei galligsten Akteure des Kaders: Konrad Laimer, Tyler Adams und Amadou Haidara. Der Ex-Pariser Christopher Nkunku und Stürmer André Silva waren die einzigen beiden Offensivspezialisten in der Startelf.

Und diese neue Formation war gegen das Pariser Starensemble genau die richtige Wahl. Denn Rasenballsport interpretierte das 5-3-2 keineswegs defensiv, sondern presste hoch, unterband den Spielaufbau der Pariser, klaute Bälle und schaltete selbst kombinationssicher um. Das waren wieder bereits verloren geglaubte Leipziger Qualitäten, als hätte RBL in all den passiven und fehlerhaften Auftritten dieser Saison Kräfte gespart für diesen glanzvollen Abend vor 48.000 Fans im Parc des Princes.

Laimer (3., 7.) und Silva prüften PSG-Keeper Keylor Navas früh. Doch durch die hoch aufgerückte Leipziger Hintermannschaft ergaben sich natürlich auch gewaltige Räume. Der starke Draxler überspielte das RB-Pressing mit einer Diagonalflanke vom eigenen Strafraum auf Mbappé, der nur noch Abwehrchef Willi Orban vor sich hatte. Der Superstar schloss eiskalt und platziert durch die Beine des Ungarn ins linke untere Eck ab (10.). Die Leipziger beschwerten sich zu Recht, weil Lionel Messi zuvor Silva an der Fußspitze berührt hatte. Eine strittige Szene, bei der Schiedsrichter Marco Guida auch hätte abpfeifen können. Doch der Treffer zählte.

Verdienter Ausgleich durch Silva

RB verlor aber anders als in vielen Spielen zuvor nicht den Faden, sondern spielte weiter aggressiv nach vorn. Nach Silvas Pfostenschuss (27.) kam RB über die linke Seite, wo Messi sich gerade eine seiner Auszeiten nahm. Wie ein Spaziergänger trabte der er zurück und sah interessiert mit an, wie Angeliño von Nkunku freigespielt wurde und mit einem chirurgisch präzisen diagonalen Flachpass Silva im Strafraum bediente. Der zog aus kurzer Distanz ab und erzielte seinen ersten Champions-League-Treffer für RB zum höchst verdienten Ausgleich (28.).

Paris zog nun an. Messi wurde präsenter, ließ sich bisweilen fallen und rochierte. Doch die aufmerksame Hintermannschaft der Gäste hatte den Ballzauberer genau wie Mbappé lange so gut im Griff, wie es gegen diese Ausnahmekönner eben geht. Nkunku hatte sogar noch zwei Topgelegenheiten bei Umschaltsituationen (42., 43.).

RB hielt dem Druck auch in der zweiten Hälfte nicht nur stand, sondern übte auch selbst welchen aus. Erneut genügte eine Diagonalflanke von Angeliño, um die Pariser Abwehr zu überwinden; Nordi Mukiele vollstreckte volley zur Führung (57.).

Simakan plump gegen Mbappé

Doch mit zwei Patzern brachten sich die Leipziger um den greifbaren Überraschungssieg: Zuerst löffelte Adams den Ball ungeschickt in die Füße von Mbappé, der auf Messi querlegte. „Leo” ließ sich dieses Geschenk nicht entgehen und traf erst den Innenpfosten und dann ins Tor (67.). Dann stieß RB-Verteidiger Mohamed Simakan Mbappé viel zu plump und ungestüm um und verursachte einen Strafstoß. Messi verwandelte den Elfmeter mit der frechsten aller Arten zum Sieg der Pariser: mit einem Panenka-Lupfer (74.) in die Mitte des Tores – der K.o. Mbappé vergab einen höheren Pariser Sieg, als er den zweiten Strafstoß für PSG über den Querbalken setzte (90.+4). (RBlive/ukr)