Experte erklärt Real Sociedad„Plötzlich schrie der Trainer wie verrückt herum wie ein Fan”

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 17.02.2022, 12:12
Da fliegt der Trainer: Nach dem Viertelfinaleinzug in der Copa de Rey gegen Atletico Madrid ließen die Spieler Imanol Alguacil hochleben.
Da fliegt der Trainer: Nach dem Viertelfinaleinzug in der Copa de Rey gegen Atletico Madrid ließen die Spieler Imanol Alguacil hochleben. (imago/Pressinfoto)

Wie tickt eigentlich RB Leipzigs Europa-League-Gegner Real Sociedad? Was zeichnet den Trainer und den Star aus? Und wo klemmt's eigentlich bei Alexander Sörloth? Der Real-Experte Roberto Ramajo Marcos (40), der für die Sportzeitung AS schreibt und den Radiosender Cadena SER berichtet, hat RBlive diese Fragen beantwortet und erzählt auch von seiner schönsten Anekdote mit dem Klub in der jüngeren Vergangenheit, die zum Youtube-Hit wurde.

Real-Sociedad-Experte Roberto Ramajos Marcos.
Real-Sociedad-Experte Roberto Ramajos Marcos.
(Foto: privat)

Roberto, erzählen Sie uns bitte etwas über den Charakter von Real Sociedad und die Fans. Welche Rolle spielt der Verein im baskischen/spanischen Fußball?
Roberto Ramajo Marcos: Real Sociedad ist ein hundertjähriger Verein mit tiefen Wurzeln in der baskischen Provinz Gipuzkoa, sodass alle kleineren Vereine in der Provinz mit ihm verbunden sind und eine große Breitenfußball-Gemeinschaft bilden. Es ist ein Familienverein, sehr nah an seinen Menschen, mit 37.000 Mitgliedern, die nahezu immer dabei sind. Real ist in der ewigen Tabelle der spanischen Liga Achter, einer der wichtigsten Vereine in der Geschichte unseres Landes. Und es ist der letzte baskische Verein, der einen Titel gewonnen hat.

Wer sind die Besitzer des Klubs und was ist das Geschäftsmodell von Sociedad?
Real Sociedad ist eine Sociedad Deportiva Anónima (SAD). Der Klub gehört seinen Aktionären, die seinen Präsidenten und seine Direktoren wählen und jedes Jahr das Budget genehmigen. Das Geschäftsmodell basiert auf dem Beitrag seiner Mitglieder, öffentlichem und privatem Sponsoring und einem großen Marketingaufwand.

Trainer Imanol Alguacil: „Charakter und Mut”

San Sebastian spielt eine gute Saison. Wofür ist das Team bekannt? Was zeichnet die Mannschaft und den Trainer aus?
Real spielt einen anerkannten Angriffsspielstil mit mehr Ballbesitz als der Gegner. Der Trainer, Imanol Alguacil, ist bekannt für seinen Charakter, sein Teammanagement und seinen Mut bei der Herangehensweise an die Spiele. Aber in diesem Jahr hat die Mannschaft auch in der Defensivarbeit einen Schritt nach vorne gemacht.

Mikel Oyarzabal ist der Star des Teams? Was macht ihn speziell? Seine Verbindung zu den Fans. Er ist ein Spieler, der immer für die Mannschaft arbeitet, ein Anführer auf dem Feld. Er hat viel Spielverständnis, Qualität und einen guten Schuss mit dem linken Fuß. Er kann auf dem linken oder rechten Flügel und in der Mitte spielen. Und er kann sogar ein Stürmer sein. Er ist Spezialist für Elfmeter. Weitere interessante Spieler sind Mikel Merino, Alexander Isak, Alex Remiro, David Silva, Rafinha und Aritz Elustondo.

Über Alexander Sörloth: „Hat sich nicht an das Real-Spiel angepasst”

Leipzigs Leihspieler Alexander Sörloth sitzt nur auf der Bank. Was macht ihm zu schaffen?
Er ist ein Stürmer mit viel Potenzial, aber er hat sich bislang nicht an das Real-Spiel angepasst. Sein Problem ist, dass er nicht all seine Qualitäten ausschöpft. Der Trainer arbeitet viel an diesem Aspekt. Er wird grundsätzlich eingewechselt und gegen RB auf der Bank sitzen. Aber er ist sehr motiviert und will seine ganze Qualität zeigen.

Sie begleiten den Klub intensiv. Was ist Ihre Lieblingsanekdote mit Real Sociedad?
Um Ihnen das Neueste zu erzählen, erzähle ich Ihnen von der Copa del Rey, die letztes Jahr gewonnen wurde. 34 Jahre war es her, dass Real den Pokal zum letzten Mal gewonnen hat. Es war sehr emotional, ich habe viel geweint. Schade, dass keine Fans auf den Tribünen dabei sein konnten. Kurios war dann, dass sich der Trainer bei der Pressekonferenz nach dem Spiel Trikot und Schal geben ließ und plötzlich wie verrückt herumschrie, als wäre er ein Fan.