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Geisterspiele in Bundesliga: Mintzlaff fordert Kompromissbereitschaft von skeptischen Fans

Von (RBlive/msc) 22.04.2020, 08:35
Oliver Mintzlaff ist zuversichtlich, dass der Plan der DFL aufgeht.
Oliver Mintzlaff ist zuversichtlich, dass der Plan der DFL aufgeht. imago/Christian Schroedter

Der Plan der DFL, die Bundesliga mit Geisterspielen fortzusetzen, wird von verschiedenen Seiten mit Skepsis betrachtet. Oliver Mintzlaff äußert sich im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung am Mittwoch zu den Kritikern der Pläne.

Wirtschaftlichen Totalschaden verhindern

"Populistische Aussagen bringen uns nicht weiter", sagt er mt Blick auf die Aussagen von SPD-Politiker Karl Lauterbach, der den Profifußball als verzichtbar darstellte. Für die Bundesligisten forderte er daher Gleichbehandlung mit allen anderen Unternehmen. "Wir wollen unserer Arbeit nachgehen, das ist nun mal Fußball spielen." Mit Nachdruck betonte Mintzlaff, dass nur so wirtschaftliche Totalschäden verhindert und durchschnittliche 400 Arbeitsplätze bei den Bundesligisten gesichert werden können.

Vereine sollen Netzwerke zur Krisenbewältigung nutzen

Dem DFL-Konzept zur Ausgestaltung der Spieltage vertraue er voll und ganz. "Ich gehe davon, dass das Konzept viele Eventualitäten abdeckt. "Wir setzen alles daran, es mit Leben zu füllen", so Mintzlaff bezogen auf den Umgang mit weiteren Infizierungen im Falle der Fortsetzung. Auch die Frage nach Testkapazitäten biete keine Angriffsfläche. Die Klubs verfügten generell über große Netzwerke, die zur Krisenbewältigung genutzt würden, so Mintzlaff über das Angebot von Schalke-Boss Clemens Tönnies, die Labore seines Unternehmens zur Verfügung zu stellen.

Mintzlaff über Fan-Skepsis: "Prinzipien beiseite legen"

In Bezug auf Skepsis gegenüber Geisterspielen, die bei einigen Fans vorherrscht, zeigt Mintzlaff zwar Verständnis, aber erwartet Zusammenarbeit. "Keiner will Spiele ohne Fans. Aber wenn sieben, acht Vereine diese Krise nicht überstehen, ist auch keinem geholfen. Jetzt ist in allen Bereichen Kompromissbereitschaft gefragt, sollten Prinzipien beiseite gelegt werden", so der RB-Geschäftsführer.

Fanverteter Sig Zelt: "In fünf Jahren nichts besser geworden"

Aus Lagern der Fans war zuvor Kritik laut geworden, sich in Anbetracht der Krise auch mit Fehlentwicklung des Fußballs in den vergangenen Jahren zu befassen und einen Wertewandel herbeizuführen, wie die Interessengemeinschaft "Unsere Kurve" zuletzt anmahnte. Sig Zelt, Fanvertreter von ProFans, sieht darin jedoch keine Merhheitsmeinung.

"Es klingt absurd, nun neun Spieltage in leeren Stadien durchzuziehen, aber viele Anhänger sind trotzdem bereit, diese Kröte zu schlucken", sagte der Sprecher des Bündnisses. Zelt ist skeptisch, dass sich durch die Corona-Krise dauerhaft etwas im bezahlten Fußball ändert. "Für eine Weile werden die gehandelten Geldbeträge runtergeschraubt, aber ich befürchte, dass in fünf Jahren nichts besser geworden ist", sagte er.

Umfrage zeigt hohe Akzeptanz von Geisterspielen in Fußball-Bundesliga

Ein Großteil der Bundesligafans befürwortet unterdessen Geisterspiele, um die Saison im Oberhaus zu Ende spielen zu können. Laut einer Umfrage der Voting-App FanQ in Zusammenarbeit mit Intelligent Research in Sponsoring (IRIS) glauben 74 Prozent der 1350 befragten Fußballfans daran, dass die Spielzeit trotz der Pandemie beendet werden kann. Um dies zu verwirklichen, befürworten 74 Prozent die Austragung der Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In Zeiten von COVID-19 erachten 72 Prozent der Fans Geisterspiele zur Ablenkung vom Alltag als "sehr wichtig" oder "wichtig". Dennoch sehen die Befragten hinter den Motiven für die möglichst baldige Wiederaufnahme der Bundesliga-Saison vor allem finanzielle Gründe. 89,9 Prozent denken, es ginge dabei primär um die Sicherstellung von TV- und Sponsoringeinnahmen. Der sportliche Wettbewerb (40 Prozent) oder die Unterhaltung der Fans (20,1 Prozent) seien dabei weniger wichtig.