RB Leipzig

Historischer Triumph von RB Leipzig: Höchster Auswärtssieg, Assist-Rekord von Nkunku

Von Ullrich Kroemer 23.02.2020, 11:05
Hat nach seinem Assistrekord in Hälfte zwei zu den besten Vorbereitern der Liga aufgeschlossen: Christopher Nkunku.
Hat nach seinem Assistrekord in Hälfte zwei zu den besten Vorbereitern der Liga aufgeschlossen: Christopher Nkunku. imago/Pakusch

Julian Nagelsmann hatte gleich das passende Wort für den 5:0-(1:0)-Erfolg auf Schalke parat: „außergewöhnlich”. Und in der Tat war die Leistung der Leipziger gegen die „Königsblauen” in vielerlei Hinsicht denkwürdig.

Erstens: Noch nie hat RB in den bisher 134 Bundesligaspielen auswärts so hoch gewonnen. Nur im Sachsenpokal 2013 beim 11:0 bei Gelenau gewann RB in der Fremde höher. Im DFB-Pokal beim VfL Wolfsburg (6:1) und 2017/18 in Aalen gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen (5:0) triumphierte Rasenballsport genauso deutlich auf fremden Plätzen. In der Bundesliga jedoch, noch dazu in einer englischen Woche, ist ein Sieg mit fünf Toren Unterschied ein Novum. „Der Sieg geht auch in der Höhe in Ordnung”, sagte Kapitän Marcel Sabitzer bei Sky. Für die Schalke war die Niederlage die zweithöchste Heimpleite der langen Bundesligahistorie. Nur 1981 gegen den VfL Bochum (0:6) verloren die „Knappen” noch höher.

Nagelsmann: „Die Jungs haben gut geschlafen”

Zweitens: Dass dieser Rekord nach einer anstrengenden Champions-League-Auswärtsreise gelang, macht ihn umso bemerkenswerter. „Ich muss den Jungs ein Lob aussprechen. Nach einer so harten Woche, haben wir es sehr gut gemacht”, lobte Sabitzer – ganz Führungsspieler. Zwar hatten die Leipziger ein hoch intensives Spiel in der „Königsklasse” hinter sich und wenig geschlafen. Doch Trainer Julian Nagelsmann rotierte nur auf einer Position – Dayot Upamecano kam für Ethan Ampadu – und wurde von seinem Stammkräften mit Engagement von der ersten Minute an belohnt. „Was Mentalität und Gier angeht, war das sehr, sehr stark”, lobte der Cheftrainer. Und auch mit dem Schlafverhalten seiner Profis nach der späten Rückkehr aus London war er zufrieden: „Die Jungs haben gut regeneriert, noch gut geschlafen.” Nagelsmann hatte eigens das Training später anberaumt, sodass jeder ausschlafen kann.

Drittens: Einige wie Christopher Nkunku oder Sabitzer wuchsen über sich hinaus. Der französische Spielmacher bereitete die vier Tore in der zweiten Halbzeit allesamt selbst vor. Das hat seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 2004 noch kein Bundesliga-Spieler innerhalb von 45 Minuten geschafft. Zudem lieferte Nkunku die meisten Sprints und intensiven Läufe, gab gemeinsam mit Timo Werner und Marcel Sabitzer die meisten Torschüsse ab (ja vier) und hatte die beste Passquote (94 Prozent). Insgesamt hat Nkunku nun 14 Tore vorbereitet und ist damit hinter Jadon Sancho (BVB, 15) und gleichauf mit Thomas Müller Ligaspitze.

Viertens: Marcel Sabitzers 1:0 nach 27 Sekunden war das zweitschnellste der Sachsen in der Bundesliga überhaupt. Nur Jean-Kévin Augustin war beim 1:4 in Dortmund in der vergangenen Saison schneller. In der 3. Liga hatte Daniel Frahn mal nach 8,3 Sekunden getroffen. „Ich habe direkt gemerkt, dass der Schuss gefährlich werden könnte”, sagte Sabitzer. „Die frühe 1:0-Führung hat uns gutgetan. Nach der 20 Minute haben wir uns gut stabilisiert”, so Nagelsmann. Nach zahlreichen Spielen, in denen RB in Rückstände geraten war, war RB nun bei Tottenham ebenso schnell im Spiel wie auf Schalke. Das Startproblem scheint behoben.

Timo Werner: „Habe meinen Seelenfrieden wieder”

Fünftens: Timo Werner traf nach vier torlosen Spielen in der Bundesliga wieder, erzielte seinen 21. Saisontreffer in er Bundesliga und hat nun bereits seinen Torrekord aus der Spielzeit 2016/17 eingestelt. Über seinen wuchtigen Schuss sagte er bei Sky: „Das war der Frust von vier Bundesligaspielen zuvor, wo es nicht geklappt hat und ich gegen Bayern kläglich versagt habe. In vielen Spielen bin ich zuletzt nicht in Torsituationen gekommen. Da musste der Ball jetzt endlich mal rein, dass ich mal wieder meinen Seelenfrieden habe.”

Sechstens: Erstmals begann RB in einer 3-3-2-2- beziehungsweise 5-1-2-2-Grundordung, die Nagelsmann in Hoffenheim immer spielen ließ. Die offensivere Rolle tat Sabitzer sichtlich gut. Sabitzer und Nkunku halfen auch defensiv hervorragend mit, um das Gebilde im zentrum kompakt zu halten. „Wir sind davon ausgegangen, dass Schalke zwischen Dreierkette und Raute pendeln. Da wollten wir die beiden Sechser und Harit, der immer im Raum schwirrt, in Manndeckung nehmen”, erklärte Nagelsmann und lobt: „Wir haben gewusst, dass wir immer wieder Verlagerungsräume kriegen, wenn wir den Ball erobern. Die Räume für Christo und Sabi waren riesengroß. Das haben die Jungs sehr gut gemacht.” (RBlive/ukr)