RB Leipzig

In Unterzahl und mit großer Reife: RB gewinnt in Bremen 3:0

Von Martin Henkel 21.09.2019, 22:22
Auf dem Weg zum 2:0: Sabitzers Freistoß.
Auf dem Weg zum 2:0: Sabitzers Freistoß. Imago/foto2press

Nicht souverän, aber ansehnlich und mit großer Reife hat RB Leipzig Samstagabend am Osterdeich in Bremen den SV Werder 3:0 (2:0) besiegt. Macht den vierten Sieg im fünften Ligaspiel. Ergo: Mit nun 13 Punkten bleiben die Sachsen Tabellenführer. Soweit die Fakten zu diesem Auswärtsspiel der „Roten Bullen“, das Willi Orban mit der Stirn nach einer Ecke von Christopher Nkunku (13.), Marcel Sabitzer per Freistoß (35.) und Marcelo Saracchi mit einem Abstaubertor (84.) für ihre Kollegen gewannen.

Vier Neue in der Startelf

So klar das Ergebnis ausfiel, so wenig selbstverständlich war der Sieg zu Beginn der Partie allerdings gewesen. Vier Spieler musste RB-Coach Julian Nagelsmann für die Partie in die Startelf rotieren, obwohl er gerade nicht gern rotiert, wie er vor der Partie erklärt hatte. Weil vier andere eine Pause brauchten: Stürmer Yussuf Poulsen, der wurde am Morgen Vater. Marcel Halstenberg, weil die Hüfte schmerzte. Diego Demmo wurde aus taktischen Erwägungen aus der Startelf gestrichen. Und Emil Forsberg musste auf die Bank, weil das Schambein des Schweden chronisch sensibel ist. Eine Vorsichtsmaßnahme.

Es kamen also zu Startelfeinsätzen: Dayot Upamecano, es war das erste Von-Beginn-an-Spiel für den zuletzt lange verletzten Franzosen. Nkunku, er spielte für Forsberg. Lukas Klostermann übernahm Halstenbergs Rolle und Matheus Cunha die von Poulsen. In der Summe ergab das mit fünf etatmäßigen Defensivspezialisten eine Fünferkette, einen Sechser, drei Mann im Mittelfeld, darunter Fünf-Buden-Stürmer Timo Werner. Und Cunha in der Spitze.

Die größte Hürde auf dem Weg zum Sieg war natürlich der Gegner. Aber nicht seiner Klasse wegen. Sondern weil Werder-Coach Florian Kohfeldt sieben Stammspieler auf der Krankenstation hat. Seine Elf trat also mehr als ersatzgeschwächt auf den heimischen Rasen und trieb den Gegner damit in eine mentale Falle: Wie sich bis an die Haarspitzen motivieren, wenn der Kontrahent derart geschwächt wirkt?

RB hatte seine Probleme zu Beginn des Spiels, die Antwort darauf zu finden. Bei voller Hütte, milden 23 Grad und 2000 Leipziger Fans in ihrer Kemenate unterm Tribünendach geigelte RB die Anfangsminuten durchs Weserstadion und lud Werder zu zwei Chancen ein, die Leonardo Bittencourt und Joshua Sergent allerdings liegenließen (2., 8.). Vor allem Nordi Mukiele hatte Probleme, sich zu motivieren. Er vertändelte in den ersten zehn Minuten vier einfache Bälle.

Schlenzer ins kurze obere Eck

RB aber, das ist die neue Stärke der Sachsen, macht mittlerweile auch seine Tore aus dem Nichts. Orbans Kopfstoß war so ein Treffer, er übersprang den kleinen Gebre Selassie bei einer Ecke mit ungarischer Leichtigkeit. Und der zweite Treffer war abgezockt. Sabitzer war von Michael Lang bei einem Konter umgerissen worden. Der Österreicher trat selber an den ruhenden Ball und schlenzte ihn ins kurze obere Eck.

Werder fand zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Genauer: Die Norddeutschen verteidigten nur und kamen einfach nicht in Abschlusssituationen. Die einzige nennenswerte Möglichkeit ergab sich für Davy Klaassen, als der Niederländer im Strafraum den Ball vor die Füße bekam und Keeper Peter Gulacsi mit einem Schuss überwand. Auf der Linie aber stand noch Upamecano, der den Schuss an seiner Brust abtropfen ließ (39.).

Als es wenig später in die Kabine ging, war Werder eigentlich schon geschlagen. RB machte nämlich einfach in Tabellenführer-Manier weiter und drehte nach der Pause einen Gang hoch, um den Dreier schnell ins Trockene zu bringen. Nkunku und Werner hatten gleich zu Beginn der zweiten Hälfte zwei Chancen, der Franzose köpfte eine Flanke übers Tor, Werner schoss den Ball knapp daneben (47., 49.). Zehn Minuten später ergaben sich wieder zwei Chancen. Wieder aber ergab das kein Tor: Werner und Laimer scheiterten mit ihren Schüssen an Pavlenka und sich selbst (59.).

RB unter Druck

Wie groß die Verzweiflung auf Seiten von Werder war, zeigte die Einwechslung von Urgestein Claudio Pizarro in der 63. Minute. So früh kommt der bald 41-Jährige selten zum Einsatz. Sofort war wieder Stimmung im Stadion und mehr noch, als Konrad Laimer wenig später mit Gelb-Rot vom Platz flog. Nach seiner ersten Gelben Karte hatte der Österreicher bei einem Kopfball die Kugel an die Hand bekommen (65.). Der Platzverweis war eine höchst umstrittene Entscheidung, da Laimer der Ball mehr auf den Arm fiel, als dass eine aktive Bewegung zu sehen war.

Ging da noch was für Werder? „Nur der SVW“, sangen die 40.000 im Stadion und standen plötzlich wie eine Eins rund um den Rasen, auf dem RB jetzt alle Beine voll zu tun hatte, den Gegner vom Tor wegzuhalten. Wenn die Sachsen aber eines gut können, dann pressen und verteidigen. Werder fand kaum noch Wege und Gassen durch das Bollwerk, das die Leipziger jetzt errichteten.

Torgelegenheiten waren in der Folge Mangelwaren. Bittencourt hatte in der 79. Minute die Chance, zu verkürzen. Seinen Schuss aus sieben Meteren parierte Gulacsi. RB hatte auch noch eine – trotz einem Mann weniger. Und es passte zur Geschichte dieses abgeklärten Spitzenreiter-Sieges an der Weser, das es Marcelo Saracchi erzielte. Der Uruguayer war in der Pause für den indisponierten Mukiele gekommen. Es war sein erst zweiter Einsatz für RB und der erste in der Liga. Er drückte einen von Pavlenka vor seine Füße gelenkten Schuss von Amadou Haidara zum Endstand und Leipzigs erstem Sieg im vierten Spiel am Osterdeich über die Linie. Saracchis erstes Tor für Rasenballsport, das er euphorisch feierte. (RBlive)