Nach 1:1 GEGEN RB

Kirchenbesuch und Auswärtsfluch: Streich findet Leipzig auch ohne Sieg „wahnsinnig toll“

Breisgauer Kult-Trainer wuchs in einem gläubigen Elternhaus auf und besuchte vor der Partie gegen die Sachsen einige Gotteshäuser der Stadt. Betete er für den ersten Sieg in der Messestadt, so wurde er allerdings nicht erhört.

Von Martin Henkel Aktualisiert: 06.03.2022, 13:19
Ist bekennender Kirchgänger, wenn auch nicht "wahnsinnig gläubig": SC-Trainer Christian Streich
Ist bekennender Kirchgänger, wenn auch nicht "wahnsinnig gläubig": SC-Trainer Christian Streich (imago/sven simon)

Bis zur 90. Minute geführt, dann noch spät den Ausgleich kassiert - Christian Streich saß nach dem 1:1 bei RB Leipzig auf der Pressetribüne und kam ins Grübeln. Ob er eine neuerliche Begegnung mit den Sachsen im DFB-Pokal-Halbfinale anderen Konstellationen vorziehen würde, hier in Leipzig? Nein, antwortete der Coach des SC Freiburg, und wirkte dabei, als hätte man ihn gefragt, ob er gern in Ostfriesland leben möchte. "Das wäre kein so schönes Los."

"Ich komme wahnsinnig gern hierher"

Die Auslosung ist heute Abend (ab 19.15 Uhr, ARD-Sportschau). Streich ist einer dieser Menschen, die ihren Worten immer nochmal hinterherlauschen. Könnte ich vielleicht missverstanden werden, Menschen mit einer Aussage verletzen? Bloß nicht! Der 56-Jährige, bemerkte, dass sein Nachsatz auch falsch ausgelegt werden könnte, als er meinte, kein so schönes Los, "nach Leipzig zu kommen".

Also korrigierte er sich. Er habe sagen wollen, "gegen Leipzig hier auswärts zu spielen", fügte er hinzu, und ließ plötzlich durchblicken, dass er die Arena zwar für einen statistisch problematischen Ort hält, denn sowohl in dem einen gemeinsamen Jahr in der 2. Liga (2015/206) als auch danach konnte er nie bei RB gewinnen (vier Niederlagen, drei Unentschieden). Doch die Stadt selbst - ein Traum!

Streich kann sich "Kirchenaustritt nicht vorstellen"

"Was schön ist, ist, in diese Stadt zu kommen", beeilte er sich deshalb, einen möglicherweise falschen Eindruck von seiner Privatbeziehung zur alten Messestadt richtigzustellen, und hob erstaunlicherweise hervor, dass er besonders von den Kirchenhäusern in Leipzig angetan ist. "Ich habe es gestern wieder genossen, hier zu sein, und bin in die verschiedenen Kirchen gegangen. Ich finde diese Stadt außergwöhnlich toll und komme wahnsinnig gern hierher."

Herauszustellen, dass ihn vor allem die Gotteshäuser anziehen, verwunderte. Streich ist aufgewachsen im protestantischen Eimeldingen bei Lörrach auf Tuchfühlung mit der Schweiz und Frankreich. Ein Alemanne durch und durch. In einem Interview mit der "Zeit" hatte er mal durchblicken lassen, dass der Glaube bei den Frauen seiner Familie eine große Rolle gespielt hat. Er halte sich selbst zwar nicht für "wahnsinnig gläubig", schränkte er ein, ist aber Mitglied einer Kirchengemeinde. Austreten käme für ihn nie in Frage, weil er damit "meiner Oma und meiner Mutter wehtun würde".

Ob er ein paar der über 90 Kirchen in Leipzig als Gläubiger oder eher als Tourist aufgesucht hat, man weiß es nicht. Es blieb keine Zeit, um das Thema zu vertiefen. Am Ende aber versöhnte er sich auch mit dem neuerlichen Remis im Stadion des Gegners. Eigentlich komme er auch zum Fußballspielen gern in die Stadt, "nur eben zum Gewinnen bislang nicht".