"vogelwildes Flipperspiel" Ex-RB-Gegenpressing-Ikone Ilsanker wirbt für Geduld mit Demichelis
Stefan Ilsanker war Profi in Salzburg, Leipzig und Frankfurt. Vor dem Duell zwischen RB und der Eintracht erklärt der 37-Jährige, warum es Zeit dauert, eine Gegenpressingmaschine zu sein. Und warum RB-Coach Demichelis deshalb weiter Zeit bekommen sollte.

Leipzig/hen – Martin Demichelis bekommt Unterstützung für seine Arbeit von einem, der weiß, wie lange es dauern kann, bis die früher einmal berühmt-berüchtigte Leipziger Ballräuberei funktioniert. Ex-RB-Profi Stefan Ilsanker spricht sich dafür aus, dem neuen Leipziger Trainer Zeit zu geben. „Ja, muss man“, antwortete der frühere österreichische Nationalspieler im Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ auf die Frage, ob Demichelis Geduld verdiene.
Ilsankers Argument: Zeit
Der Argentinier soll bei RB das intensive Gegenpressing wiederbeleben, das den Klub über Jahre geprägt hat. Bislang gelingt das nur phasenweise. Nach vier Bundesliga-Spielen steht Leipzig auf Rang neun, auswärts setzte es herbe Pleiten in Bremen und Leverkusen, in der Champions League ging das Team beim 1:4 in Como unter.
RBlive-Talk: Wie geht es weiter mit Demichelis bei RB?
Ilsanker, der in Salzburg, Leipzig und beim nächsten Gegner Frankfurt gespielt hat, hält wenig davon, daraus bereits ein Urteil über Demichelis abzuleiten. Sein Argument: Gegenpressing lässt sich nicht auf Knopfdruck installieren.
"Es hat viele Wochen gedauert"
Der 37-Jährige erlebte selbst, wie früher Ex-RB-Baumeister Ralf Rangnick und der frühere Salzburg-Trainer und aktuelle Red-Bull-Gesamtfußballchef Roger Schmidt die aggressive Balljagd ab 2012 in Salzburg und später in Leipzig etablierten. Es habe „Wochen, viele davon“ gedauert, bis die Mannschaft verstanden habe, wann sie anlaufen, nachrücken und nach Ballgewinnen umschalten müsse.
Am Anfang sei das Ganze „vogelwild“ gewesen, so "Ilse". Und es habe viel von einem „Flipperspiel“ gehabt. Erst als die Abläufe saßen und die nötige Fitness vorhanden war, entstand daraus jenes Werkzeug, mit dem Salzburg und später auch RB Leipzig oft Gegner auseinanderspielten. Spieler wie Sadio Mané, Emil Forsberg oder Naby Keita hätten von frühen Ballgewinnen und der daraus entstehenden Unordnung beim Gegner besonders profitiert.
Samstag kommt die Eintracht
Ilsanker sieht zudem erschwerte Bedingungen für Demichelis. Mit Yan Diomande habe RB „unfassbare Qualität“ verloren, zudem fehlte zuletzt Christoph Baumgartner. Den Österreicher bezeichnet sein früherer Nationalmannschaftskollege als „Kopf unserer ÖFB-Truppe“ und einen der besten Umschaltspieler Europas.
Dass Demichelis seine Idee noch nicht vollständig auf den Platz bekommt, überrascht Ilsanker deshalb nicht. Transformation und Anpassung funktionierten nicht „über Nacht“.
Schon am Samstag gegen Eintracht Frankfurt bekommt der RB-Trainer die nächste Gelegenheit zu zeigen, wieviel Ballräuberei sein Kader inzwischen verinnerlicht hat. Danach warten PSV Eindhoven, Bayern München und Real Madrid – viel Zeit zum Einüben bleibt Demichelis trotz Ilsankers Plädoyer allerdings nicht.