RB Leipzig

Nach Last-Minute-Tor: Timo Werner den Tränen nah – Emil Forsberg sauer

Von (DPA) 24.06.2018, 16:30
Timo Werner tröstete nach dem Sieg gegen Schweden seinen RB-Teamkollegen Emil Forsberg.
Timo Werner tröstete nach dem Sieg gegen Schweden seinen RB-Teamkollegen Emil Forsberg. imago/ITAR-TASS

In Endlosschleife flimmerte das Kroos-artige Tor auf dem Nachtflug nach Moskau und dem anschließenden Familientag über die Smartphones der mit Glückshormonen gefluteten deutschen Spieler. Nach der größten Explosion der Gefühle seit Mario Götzes Siegtor im WM-Finale 2014 konnte die Dimension des erlösenden Geniestreiches zum 2:1 von Toni Kroos gegen Schweden niemand spontan abschätzen. „Ich werde mir das mindestens tausendmal anschauen“, sagte Mats Hummels.

Timo Werner will ab jetzt durch die WM reiten

Timo Werner sprach das Wort zum Sonntag: „Das muss der Wendepunkt gewesen sein. Wenn wir die Steilvorlage jetzt nicht annehmen und damit durchs Turnier reiten, dann hätte das ganze Spiel nichts gebracht.“ Der WM-Neuling aus Leipzig war neben 1:1-Schütze Marco Reus und natürlich Matchwinner Kroos eine der prägenden Figuren im Fischt-Stadion.

Auch Joachim Löw, der in seinem 100. Pflichtspiel als Bundestrainer (79 Siege) entscheidungsfreudig den Weltmeister-Bonus außer Kraft gesetzt hatte, indem er Mesut Özil und Sami Khedira durch Reus und den früh verletzten Sebastian Rudy (Nasenbeinbruch) ersetzte, war geschafft. Bis zur letzten Sekunde gab auch er in der Coaching Zone alles.

RB Spieler im WM-Check
RB Spieler im WM-Check
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Krimi voller Emotionen

Die Harakiri-Taktik ging auf. „Es war ein Krimi voller Emotionen. Die sind hochgekocht. Es war bis zum Schluss Dramatik pur“, sagte Löw: „Es ist das Schöne am Fußball, dass es solche Spiele gibt.“ Und das Drehbuch sah vor, dass Kroos seinem voller Hingabe anrennenden Team und den 27 Millionen TV-Zuschauern in Deutschland ein Happy End schenkte.

Kroos spielte den Ball kurz angetippt zu Reus und schlenzte ihn dann aus spitzem Winkel ins Tor. Selbst der herausragend haltende Robin Olsen war machtlos. Beim Champions-League-Sieger Real Madrid sind Freistöße das unantastbare Hoheitsgebiet von Cristiano Ronaldo. Im DFB-Team aber ist Kroos der Chef. „Mit seiner Schusstechnik hat er es nicht schlecht gemacht“, kommentierte Ballstopper Reus grinsend.

Pure Erleichterung für Deutschland

Ein Tor ändert alles. „Das war ein Signal, das hat die Mannschaft gebraucht“, meinte Löw. „Es war pure Erleichterung in der Kabine“, berichtete Werner. „Jeder, der reingekommen ist, hat geschrien. Mir sind auch auf dem Platz fast schon die Tränen gekommen beim 2:1, weil es einfach so geil war.“

Löw handelte nach dem Fehlstart gegen Mexiko konsequent. Auch im Spiel machte er viel richtig, wie die Hereinnahme von Mario Gomez und die Versetzung von Turbostürmer Werner auf den linken Flügel. Der Leipziger legte Reus das 1:1 auf. Und mit seinem Tempo und seinem Zug zum Tor erzwang der den finalen Freistoß.

Emil Forsberg sieht „ekelhaftes Verhalten“ auf deutscher Seite

Nicht so viel Glück empfand man derweil auf schwedischer Seite. Emil Forsberg schwankte kurzzeitig zwischen Wut und bitterer Enttäuschung. Die Erinnerung an die deutschen Glücksgefühle nach dem erlösenden Freistoßtor zum 2:1 von Toni Kroos schmerzte ihn.

Dass er sich dann auch noch provozierende Jubelgesten einiger DFB-Funktionäre anschauen musste, machte ihn sauer. „Ein ekelhaftes Verhalten“, schimpfte der Bundesliga-Profi von RB Leipzig. „Nach dem Schlusspfiff schüttelt man sich die Hände und benimmt sich nicht so“, motzte auch Schwedens Trainer Janne Andersson.

Schweden läuft 90 Minuten lang meist hinterher

Für Andersson war das 1:2 gegen Deutschland das „schwerste Resultat meiner Karriere“. Fast die komplette Spielzeit waren die Skandinavier in der Defensive gewesen. Lediglich 29 Prozent Ballbesitz verdeutlichen die Offensivbemühungen der DFB-Auswahl, der die Schweden über 90 Minuten lang ausgesetzt waren.

„Das ist auch schwer, wenn du wenig den Ball hast und immer nur laufen musst“, sagte Forsberg. „Weil du dann müde bist, wenn du den Ball bekommst.“ Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Mexiko am Mittwoch müsse seine Mannschaft daher auch offensiver agieren. Um sich sicher für das Achtelfinale der WM zu qualifizieren, braucht Schweden am kommenden Mittwoch gegen Mexiko genauso einen Sieg mit zwei Toren wie Deutschland gegen Südkorea.