RB Leipzig

"Wollen einen ganz starken Sportdirektor": RB Leipzig erzielt Einigkeit mit Wunschkandidat

Von Moritz Schefers 10.12.2021, 16:38
Die Führungsriege um RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sucht einen neuen Sportdirektor bei RB Leipzig.
Die Führungsriege um RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sucht einen neuen Sportdirektor bei RB Leipzig. imago images/Matthias Koch

Durch die erste Trainerentlassung mitten in der Saison seit Alexander Zorniger steht RB Leipzig vor schwierigen Wochen. Der Start von Domenico Tedesco und seinem neuen Trainerteam, beginnend mit dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag (11. Dezember, 15.30 Uhr), soll der Mannschaft verlorenes Selbstvertrauen zurückbringen. Zugleich arbeitet RB weiter an der Verpflichtung eines neuen Sportdirektors, der die sportliche Leitung um Oliver Mintzlaff, Christoper Vivell und Florian Scholz entlastet. Eine kommentierende Analyse von Moritz Schefers.

Führungstrio blieb ohne Sportdirektor

Nach dem Ausscheiden von Markus Krösche sollte zunächst schneller Ersatz her, dann einigte sich das Top-Trio vorerst auf eine Fortführung der Konstellation ohne Sportdirektor. Für die Neuzugänge des Sommers (inklusive der bereits vorab verpflichteten Josko Gvardiol und Mohamed Simakan) gab es völlig zu Recht Vorschusslorbeeren. So geriet die Frage zum Saisonstart medial in den Hintergrund. 

Rangnicksche RB-Lehre verfing nicht mehr 

Der neue Trainer Jesse Marsch sollte Leipzig explizit mit dem klassischem RB-Stil führen. Er scheiterte daran, dass die Mannschaft sich nicht mehr von dem Ansatz lösen konnte und wollte, den Julian Nagelsmann mit Ralf Rangnicks Segen etabliert hatte. Und schon dieser Schritt hatte eine Vorgeschichte: Bereits Ralph Hasenhüttl hatte das dogmenhafte Ballerobern und Kontern über Bord werfen wollen.

Warnungen wurden überhört

Für das Scheitern gab es Anzeichen. Markus Krösche hatte laut Sport Bild (Mittwoch) bereits im Vorfeld gewarnt, Jesse Marsch zu verpflichten. Der wiederum hatte schon nach wenigen Spieltagen intern Zweifel geäußert, ob seine Philosophie zum Team passt. Auch der Mannschaftsrat soll dem Bericht nach frühzeitig den Finger gehoben haben. Von außen betrachtet erscheint es nicht weit hergeholt, dass Mintzlaff in puncto Marsch das Kontra nicht hören wollte und das Nützliche mit dem Angenehmen verband. Nützlich: Der Draht nach Salzburg war kurz, Marsch kannte Leipzig bereits. Angenehm: RB spielt wieder passend zum Claim des Hauptsponsors. Hungrig, wild, risikoaffin.

Den Fehler gestand Mintzlaff bereits ein. Nun soll nach der deutlich vernehmbaren Kritik einerseits wieder mehr sportliche Kompetenz, Stringenz und Autorität bei RB einziehen. Und andererseits kann der Sportdirektor den Druck von außen nicht nur auf Team und Trainerstab, sondern auch auf die Führungsetage abfedern. Gesucht ist ein Gesicht für die sportliche Vision, die gemeinsam entwickelt werden soll.

Mintzlaff suchte nach Krösche nach einer starken Figur

In der Konstellation mit Markus Krösche offenbarten sich Probleme, die RB mit einer neuen Aufgabenverteilung löste. "Das hat hervorragend geklappt, besser als im ersten Jahr", sagte Mintzlaff auf einer nicht-öffentlichen Fankonferenz über die neue, modernere Struktur nach Vorbild von Manchester City. Zugleich habe man aber auch gemerkt, dass sich Krösche in dem Konstrukt nicht mehr wohlfühlte und sich daher getrennt. "Wir wollen einen ganz starken Sportdirektor holen, der ein Gesicht für unser Klub sein soll und sehr viel Erfahrung hat", rief Mintzlaff den Fans zu. 

Klappt die Vorstellung im Januar?

Stand im Anforderungsprofil zwischenzeitlich noch Medienkompetenz und Strahlkraft an erster Stelle, so liegt jetzt die Betonung auf Stärke. Mittlerweile ist Einigkeit mit dem Wunschkandidaten erzielt worden. "Wir sind fündig geworden", sagte Mintzlaff auf der Fankonferenz.

Über die Trainerentscheidung war der künftige Sportdirektor bereits laufend informiert. "Natürlich besprechen wir solche Personalien auch. Eingebunden war er nicht in der Tiefe, aber wir haben uns ausgetauscht und ich habe mehr als Zuspruch bekommen für die Entscheidung", sagte Mintzlaff bei der Vorstellung von Tedesco am Donnerstag. 

Doch der große Unbekannte steht offenbar noch anderswo unter Vertrag. Eine Verpflichtung noch im Januar, die sich RB erhofft hatte, scheint nicht realistisch. Es könne sich noch hinziehen, so Mintzlaff. Daher wolle er kein konkretes Datum mehr nennen. Spätestens zur neuen Saison soll der neue Sportchef jedoch beginnen.

(RBlive/msc)