"Wir haben ihm unsere Entscheidung mitgeteilt" Trotz Millionen-Angebot: Warum RB-Ikone Orban nicht in die Wüste durfte
Im Sommer hatte Leipzigs Abwehrchef ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien. Eigentlich schien der Abgang nach elf verdienstvollen Jahren Formsache. Doch RB verweigerte die Zustimmung. Jetzt erklärt der Sportchef warum.

Leipzig/hen – Willi Orban hätte RB in diesem Sommer trotz Vertrag bis 2027 verlassen können. Für den 33-Jährigen lag ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien vor: zwei Jahre Vertrag beim Al-Diriyah FC, 13 Millionen Euro Verdienst für beide Spielzeiten. Dem Vernehmen nach war der Klub-Arzt zum Medizincheck bereits in Leipzig gewesen.
Doch der Bundesligist lehnte einen Wechsel ab. Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer erklärte gestern nun erstmals, warum einer der Aufstiegshelden von 2016 nach elf Jahren im Klub bleiben musste.
Halstenberg durfte gehen
Grundsätzlich verschließe RB verdienten Spielern bei einem attraktiven Angebot nicht die Tür, so der Sportchef sinngemäß. „Dass ein verdienter Spieler nach so einer langen Historie bei einem Angebot mal nachdenken muss, ist klar. Dann hören wir uns das an“, sagte Schäfer auf Nachfrage von RBlive.
Ein Beispiel dafür ist Marcel Halstenberg: Nach acht Jahren in Leipzig durfte der Abwehrspieler 2023 trotz laufenden Vertrags aus persönlichen Gründen zu Hannover 96 wechseln. Bei Orban entschied RB anders.
„Ich habe ihn nicht gebeten zu bleiben, weil wir das ja gar nicht müssen. Der Verein hat Vertrag“, sagte Schäfer. Man habe offene Gespräche geführt und auch über die sportliche Situation gesprochen. Anschließend "haben wir ihm", so der Sportchef „unsere Entscheidung mitgeteilt“.
Lag es an Koné?
Der Grund ist vor allem sportlicher Natur. „Willi ist fest eingeplant als Stammspieler, wir haben eine Dreifachbelastung“, erklärte Schäfer. Orban habe zudem im Pokal mal wieder „ein Törchen gemacht und beinahe auch gegen Gladbach, was ich ihm, gegönnt hätte.“ Ergo: Der Routinier sei für den Moment unverzichtbar.
Dass RB den Abwehrchef nicht gehen ließ, hatte vielleicht auch Gründe, die seinen Stellvertreter Abdoul Koné betreffen, der seit Sommer neu bei Rasenballsport ist. Der Millionen-Neuzugang aus Reims wurde wegen der Uefa-Regularien nicht für die Ligaphase der Champions League gemeldet. Damit steht der 21-Jährige RB in den acht Spielen der Ligaphase nicht zur Verfügung.
RB kann wegen der Local-Player-Regel nur 22 statt der maximal möglichen 25 Spieler über eine A-Liste melden, weil im Profikader drei der vorgeschriebenen vier vereinsausgebildeten Spieler fehlen. Koné erfüllt zudem noch nicht die Voraussetzungen für die B-Liste, weil er dafür mindestens zwei Jahre ununterbrochen für RB spielberechtigt gewesen sein müsste.
Schäfer will Gespräche führen
Orban akzeptierte das Leipziger Nein. „Ich bin sehr froh, dass er seinen Mann steht. Wir sind, denke ich, alle happy“, sagte Schäfer. Über diese Saison hinaus ist Orbans Zukunft allerdings offen. Sein Vertrag läuft nächsten Sommer aus. Grundsätzlich wolle RB mit verdienten Spielern „so lange wie möglich zusammenarbeiten“, sagte Schäfer. Gleichzeitig müsse die Kaderplanung berücksichtigt werden.
Für die kommende Saison wären nach jetzigem Stand Orban, Koné und Dauerreservist Lukas Klostermann für die rechte Innenverteidiger-Rolle da. Zudem kehrt Lutsharel Geertruida nach seiner Leihe zurück. „Vier sind einen Tacken zu viel“, sagte Schäfer. Deshalb werde man sich mit Orban zusammensetzen.
Orban ist "tiefenentspannt und hört sich Optionen an"
Aktuell ist Orban als Stammspieler eingeplant. Über eine mögliche Verlängerung seines Vertrags soll zu einem späteren Zeitpunkt gesprochen werden.
„Wenn es ein Zweijahres-Vertrag mit Option ist, würde ich es nicht ablehnen”, sagte der Routinier. Doch aktuell gebe es noch keine Gespräche. Er sei diesbezüglich „tiefenentspannt. Ich fühle mich hier sehr wohl, aber natürlich höre ich mir auch alle Optionen an, die reinkommen.“ Ab kommenden Sommer dann ohne Schäfers Zustimmung oder Ablehnung.