Heikler Spagat Red Bull und Japans J-League: Die brisante Doppelrolle des Roger Schmidt
Roger Schmidt übernimmt Red Bulls Fußballnetzwerk und bleibt zugleich Top-Berater der J-League. Weil zum Konzern RB Omiya gehört, wird seine Doppelrolle herausfordernd.

Leipzig/hen - Berater einer gesamten Liga und zugleich Fußballchef eines Klubnetzwerks, zu dem ein Verein aus eben dieser Liga gehört: Roger Schmidt übernimmt bei Red Bull eine ungewöhnliche Doppelrolle, die nicht ohne Konfliktpotenzial ist. Der 59-Jährige wird seinen bisherigen Posten bei der japanischen J-League trotz seines neuen Engagements nämlich nicht aufgeben.
Schmidt und die J-League: mehr als nur Beratung
Zum 1. Oktober tritt Schmidt als „Head of Global Soccer“ die Nachfolge von Jürgen Klopp an. Der frühere Trainer von Red Bull Salzburg soll künftig die sportliche Ausrichtung des weltweiten Fußballportfolios des Unternehmens verantworten.
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Parallel dazu bleibt Schmidt jedoch „Global Football Advisor“ der J-League. Sein erst Anfang Juli um ein weiteres Jahr verlängerter Vertrag läuft bis Juni 2027. Damit wird er beide Aufgaben neun Monate lang gleichzeitig ausüben. Das zweite Jahr des Beraterprojekts werde ungeachtet seines Wechsels zu Red Bull wie geplant durchgeführt, teilte die japanische Profiliga mit.
Brisant ist die Konstellation vor allem deshalb, weil Red Bull mit RB Omiya Ardija selbst einen Klub innerhalb der J-League besitzt. Der Verein aus Saitama spielt derzeit in der zweiten japanischen Liga und ist fest in das internationale Netzwerk des Unternehmens eingebunden.
Interessenkonflikt?
Schmidts Tätigkeit für die J.League geht über die eines repräsentativen Beraterposten weit hinaus. Im Grunde genommen soll er den gesamten japanischen Fußball neu aufstellen bzw. reformieren. Das Projekt habe das Ziel, „das Wettbewerbsniveau des japanischen Fußballs zu verbessern und Talente zu entwickeln“, heißt es in der Mitteilung der Liga. Schmidts Fußballphilosophie sowie seine Methoden der Spieler- und Trainerausbildung sollen in der gesamten J-League vermittelt werden.
Im ersten Projektjahr arbeitete Schmidt unter anderem mit Trainern, Sportdirektoren und Nachwuchsspielern der Klubs. Nun sollen die Ausbildungsbedingungen vereinheitlicht, Trainer geschult und Auswahlmannschaften von der U16 bis zur U21 zu Vergleichsreisen nach Europa geschickt werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Nachwuchsprogramme der japanischen Klubs einfließen.
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Auf der anderen Seite soll Schmidt bei Red Bull genau jene Bereiche vorantreiben, in denen diese Informationen wertvoll sein können: die Entwicklung junger Spieler und die sportliche Zusammenarbeit innerhalb des weltweiten Klubverbunds. Die Verbindung nach Leipzig besteht bereits. RB verpflichtete zuletzt den Japaner Ota Yamamoto langfristig und verlieh ihn anschließend direkt an Omiya weiter.
Japanischer Verband begrüßt Doppelrolle
Ein konkreter Interessenkonflikt ist bislang allerdings nicht erkennbar. Die J-League begrüßt ausdrücklich, dass Schmidt seine Arbeit fortsetzt. Auch ist davon auszugehen, dass die Doppelrolle vor seiner Verpflichtung mit Red Bull abgestimmt wurde. Offen bleibt allerdings, wie beide Seiten künftig mit vertraulichen Einblicken, der Talentbeobachtung und möglichen gegensätzlichen Interessen umgehen wollen.
Schmidt selbst sieht offenbar keinen Widerspruch. „Gleichzeitig bleibt das J.League Global Football Advisor Project für mich von großer Bedeutung“, erklärte er. Er wolle die Zusammenarbeit mit Vereinen, Trainern und Spielern fortsetzen und den japanischen Fußball aus einer globalen Perspektive stärken.
Für Red Bull ist Schmidt zugleich ein alter Bekannter. Von 2012 bis 2014 trainierte er den Klub aus Salzburg und prägte dort gemeinsam mit Ralf Rangnick den intensiven Pressingfußball des Unternehmens. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff bezeichnete ihn nun als „die richtige Person“, um die sportliche Ausrichtung des globalen Portfolios zu verantworten.