„Unberechenbar, Flow und Freestyle” Nicht einmal seine Schwester glaubte dem WM-Spaßvogel
Assan Ouédraogo ersetzt den verletzten Lennart Karl im WM-Kader. Im DFB-Quartier in Winston-Salem legt der 20-jährige Leipziger einen tollen Einstand hin - und zwar auf dem Pressepodium.

Leipzig/Winston-Salem/dpa/ukr – So witzig, offen und sympathisch wie Youngster Assan Ouédraego hat sich schon lange kein Nationalspieler mehr eingeführt auf dem Pressepodium des Deutschen Fußball-Bundes. Der 20-Jährige sorgte immer wieder für Lacher bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Leipziger Vereinskollegen David Raum in Winston-Salem.
Etwa, als er vom Anruf von Bundestrainer Julian Nagelsmann berichtete, der ihn im Urlaub in Marbella ereilte. Die Sätze: „Ich lag auf der Liege – und war unfassbar am Chillen mit meinen Jungs. Dann kam der Anruf” und: „Dann hat er mich noch gefragt, ob ich betrunken bin?” sind schon jetzt Kult.
„Meine Schwester hat es mir nicht geglaubt”
Ouédraogo plauderte so unbeschwert und leichtfüßig daher wie er auch auf dem Platz agiert. „Das war eine Emotionsexplosion, ich wusste gar nicht, was ich machen sollte in dem Moment”, erzählte er. Er versuchte vergeblich seine Mutter und seinen Vater zu erreichen, schließlich war seine ältere Schwester die Erste, die erreichte. „Meine Schwester hat es mir am Anfang gar nicht geglaubt”, berichtete er feixend.
Oudraego war am vergangenen Freitag für Bayern-Youngster Lennart Karl nachgerückt, der sich in Chicago vor der WM-Generalprobe gegen die USA verletzt hatte. Einen Austausch mit dem 18-jährigen Karl habe es nicht gegeben. „Wir sind uns ehrlich gesagt noch nie über den Weg gelaufen. Wir kennen uns gar nicht richtig. Das eine Mal, als er bei der U21 war, da war ich nicht da. Und als ich da war, war er nicht da. Dann war er hier, da war ich nicht da. Da war ich hier dabei, da war er nicht da”, sagte der offensive Mittelfeldspieler, der im November 2025 im A-Team debütiert hatte.
„Ein turbulentes Jahr, aber das beste meines Lebens”
Beim 6:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei in Leipzig hatte er nach seiner späten Einwechslung prompt sein erstes Länderspieltor erzielt. Bei der WM will er nun auch seine Stärken nicht nur auf dem DFB-Podium einbringen, sondern möglichst auch auf dem Platz in den Spielen. Über seine Stärken sagte Ouedraogo: „Ich würde mich selbst als unberechenbar beschreiben – ein bisschen von allem.”
Es falle ihm selbst schwer, seinen Spielstil zu beschreiben, „weil er häufig Freestyle und im Flow” agiere. „Ich denke eigentlich wenig darüber nach, aber eine Stärke von mir sind Dribblings.” Auf welcher Position genau er eingesetzt werde, sei ihm egal. Hauptsache, er darf spielen. Ouédraogos Lieblingsposition ist im zentralen Mittelfeld auf der Acht, doch der schlaksige, beidfüßige Akteur kann auch auf der Zehn oder auf den Flügeln spielen.
Dass er überhaupt dabei sein darf, hat er sich bei RB Leipzig erarbeitet, wo er in dieser Saison seinen Durchbruch in der Bundesliga feierte. „Trotz der Verletzungen war es die beste Saison meines Lebens. Zwar mit Ups und Downs, aber es hat sehr gut angefangen, ich habe viel gespielt”, berichtete der Youngster. Nach der zweiten Verletzung sei er zwar „echt down” gewesen, arbeitete sich aber wieder zurück und befinde sich nun wieder im Rhythmus. „Ich bin voll im Saft”, betonte er. „Es war ein turbulentes Jahr, aber mit das beste Jahr meines Lebens.”
Assan allein im DFB-Camp: „Langweilig auf dem Riesengelände”
Ouedraego reiste nach dem Nagelsmann-Ruf schnell ab aus Spanien, holte daheim noch seine Fußballschuhe und flog dann nach North Carolina. Im DFB-Quartier traf er sogar einen Tag vor dem übrigen DFB-Tross ein. „Bis das Team kam, war es auf jeden Fall sehr langweilig auf dem Riesengelände”, verriet Ouedraogo. Er freut sich total auf die WM – und zwar auf alle Spiele.
Wenn er weiter im Urlaub geblieben wäre, hätte er wohl Tag und Nacht vor dem Fernseher gesessen. „Ich hätte fast alle mitgenommen”, sagte Ouedraogo zum XXL-Turnier mit 48 Mannschaften und insgesamt 104 Partien. Nun bleibt dafür weniger Zeit, dafür sehen seine Kumpels und Familie nun ihn auf dem Bildschirm.