Forbidden

You don't have permission to access this resource.

403 Forbidden

Forbidden

You don't have permission to access this resource.

  1. RB Leipzig News
  2. >
  3. News
  4. >
  5. RB-Topscorer Christoph Baumgartner exklusiv: So funktioniert die RB-Kabine

RB-Topscorer Baumgartner Exklusiv „Keine Gruppenbildung” mehr: So funktioniert die RB-Kabine

Christoph Baumgartner ist im Vergleich zu seinen ersten beiden Jahren bei RB kaum wiederzuerkennen und ein Anführer geworden. Im Interview spricht er über die Gründe.

Von Ullrich Kroemer 23.04.2026, 05:00
Kopf anschalten: Christoph Baumgartner geht bei RB als Leader voran.
Kopf anschalten: Christoph Baumgartner geht bei RB als Leader voran. (Foto: imago/nordphoto)

LeipzigChristoph Baumgartner kommt mit einem Kaffee in der Hand zum Interviewtermin. Der 26-Jährige nennt sich selbst einen „Hobby-Barista”, zu einem guten Start in den Tag gehört für ihn auch ein guter Kaffee. An diesem Morgen trinkt der Österreicher den Cappuccino gemeinsam mit MZ-Reporter Ullrich Kroemer und spricht vor dem Duell gegen Union Berlin (Fr. 20.20 Uhr) über seine Wandlung zum Topscorer, neuen Kabinengeist bei RB, Shootingstar Yan Diomande, Union Berlins Interimstrainerin Marie-Louise, WM-Vorfreude und sein Hilfsprojekt in Uganda.

Herr Baumgartner, vor fast genau einem Jahr haben Sie uns ein bemerkenswert offenes Interview gegeben, über ihre schwierige persönliche Situation und die des Klubs. Zwölf Monate später sind Sie Topscorer. Was ist passiert?
Christoph Baumgartner: Das fing schon in der Sommerpause an. Ich habe von Marcel Schäfer und Sebastian Schuppan (Sport-Geschäftsführer und Sportlicher Leiter, Anm.d.Red.) viel Vertrauen gespürt. Und auch als klar war, dass Ole Werner Trainer wird, wusste ich schnell, dass er etwas vorhat mit mir. Schon als ich nach dem Sommer wieder nach Leipzig kam, war das ein anderes Gefühl, die Art und Weise, wie die Leute mit mir geredet haben. Da wusste ich, jetzt muss ich nur noch ein bisschen Geduld mitbringen und dann liegt es nur noch an mir selbst.

„Auch Marco Rose hätte sich nichts dagegen gehabt”

Vorher nicht?
Auch Marco Rose hätte sicher nichts dagegen gehabt, wenn ich damals schon eine so gute Form und Zahlen hätte vorweisen können, aber es ist mir in den ersten beiden Jahren nicht so gelungen wie jetzt. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens und des Vertrauens der Mitspieler. Jetzt bekomme ich mehr Bälle, das hilft natürlich. Und wenn man dann mit den ersten Scorern in die Saison kommt, macht es einem das einfacher. Der Saisonstart war für mich extrem wichtig.

Der Glaube an sich selbst und der Glaube an Gott gehen bei mir einher.

Christoph Baumgarter

Sie sind gläubiger Christ, hat Ihnen auch Ihr Glaube geholfen, aus der Krise zu finden?
Das hat mir schon geholfen. Ich bin gläubig erzogen worden, war als Kind Ministrant in meiner Heimatgemeinde und kann daraus Kraft schöpfen – gerade in Phasen, in denen es schwieriger ist. Das ist für mich in gewisser Weise ein Wechselspiel: Der Glaube an sich selbst und der Glaube an Gott gehen bei mir einher.

„Was wir auf dem Platz aufgebaut haben, trägt sich in die Kabine hinein”

Nehmen Sie uns mal mit in die Kabine, was macht das deutlich bessere Teamgefüge in dieser Saison aus?
Wir haben eine sehr gute Mischung: einen guten Stamm, der sich sehr gut versteht, auch schon was erlebt und schwierige Situationen mitgemacht hat, gepaart mit den jungen, hungrigen Talenten. Wichtig ist, dass du als Mannschaftsrat, als Gruppe der Führungsspieler einen Rahmen vorgibst, in dem sich jeder bewegen kann. Wir haben es gemeinsam mit dem Trainer gut hinbekommen, dass alle ihre Freiheit auf dem Platz und Spaß am Kicken haben, aber jeder weiß, was er für die Mannschaft tun muss. Was wir auf dem Platz aufgebaut haben, trägt sich auch in die Kabine hinein. Es gibt keine Gruppenbildung, jeder kann mit jedem gut. Wir haben einfach eine gute Struktur etabliert.

Was halten Sie von gemeinsamen Teamabenden?
Das ist meiner Meinung nach gar nicht so wichtig, kann auch zu Aktionismus werden, wenn es nicht läuft. Wir vereinen hier ganz viele unterschiedliche Charaktere, es gibt Spieler, die haben Kinder, andere sind fast selbst noch Kinder. Wichtig ist, dass wir in der Zeit, in der wir hier im Trainingszentrum am Cottaweg sind, ein gutes Klima miteinander haben.

Neue Teamregeln: „Kein Din-A4-Zettel mit Verboten”

Hat sich die Mannschaft diese Regeln selbst erarbeitet oder hat Ole Werner diese neue Kultur etabliert?
Das ist kein Din-A4-Zettel mit Verboten, sondern es geht darum, dass wir Führungsspieler vorleben, was auf dem Platz unverzichtbar ist: die Arbeit gegen den Ball, Gegenpressing, das Zurücklaufen nach Ballverlusten – alles Dinge, die eine gute Mannschaft auszeichnen. Wenn du das verlässlich zeigst, wirst du über kurz oder lang mehr Spiele gewinnen. Und wenn das mal einer vergisst, dann wird er daran erinnert.

Zum Beispiel?
Jeder, auch wir Etablierten, hat im Training mal einen Tag, an dem man nicht am Limit ist. Dann ist es wichtig, dass man auch mal etwas sagt oder umgekehrt etwas gesagt bekommt, um wieder Energie reinzubringen. Dann lebt eine Mannschaft, und dann gewinnst du auch mehr enge Spiele, die wir vergangenes Jahr noch aus der Hand gegeben haben.

Wenn ich im Training den dritten Ball verliere, darf mich auch ein 16-Jähriger dafür kritisieren.

Christoph Baumgartner

Das klingt nach einer Fehlerkultur ohne Eitelkeiten und Animositäten.
Es ist wichtig, dass Kritik auch unter und gegenüber den Führungsspielern passiert und alle ehrlich miteinander sind. Wenn ich im Training den dritten Ball verliere, darf mich auch der 16-Jährige, der zum ersten Mal mittrainiert, dafür kritisieren. Wir alle wollen uns tagtäglich verbessern, das geht nur mit einer solchen Kultur.

Dann ist es sicher kein Zufall, dass Typen wie Sie und Ihr Landsmann Nicolas Seiwald gerade in dieser Saison den Durchbruch schaffen?
Nici und ich ticken grundsätzlich von der Denkweise und Arbeitsmoral her sehr ähnlich. Ich habe ihn in den letzten zwei Jahren beobachtet, wie er sich jeden Tag den Arsch aufgerissen hat. Wir waren oft am Sonntagmorgen gemeinsam beim Spiel-Ersatztraining auf dem Platz und ich kann mich an kein einziges erinnern, an dem wir nicht alles gegeben hätten. Wir haben das immer als die Einheit betrachtet, in der wir Kraft tanken können. Wir wussten beide aus der Nationalmannschaft, was wir draufhaben und dass unsere Chance kommen würde. Großen Respekt an Nici, es ist beeindruckend, wie auch er die Phase gemeistert hat.

Baumgartner über Diomande: „Feiner Kerl mit super Arbeitsmoral”

Wie erleben Sie einen Typen wie Yan Diomande, der gerade durch die Decke geht?
Extrem positiv. Über das Fußballerische brauchen wir nicht zu reden, aber er ist auch neben dem Platz ein wahnsinnig guter Junge, ein ganz feiner Kerl mit einer super Arbeitsmoral. Er arbeitet richtig hart, gibt Gas. Klar hat auch er mal Tage, an denen er nicht ganz auf dem höchsten Energielevel ist, etwa wenn der Rummel um seine Person vielleicht mal etwas viel wird, aber das ist normal, dass es solche Tage gibt. Er versteht es jedoch immer wieder, und das finde ich sehr beeindruckend, sich Richtung Wochenende richtig hochzufahren. Da merkt man schon, dass er ein absoluter Vollprofi ist, der immer 100 Prozent gibt. Er hat einfach eine Extraklasse, die es so sowohl in der Bundesliga als auch im europäischen Fußball nicht häufig gibt.

Wie tickt er privat?
Er ist extrem humorvoll, wenn er in seiner Runde ist, in der er sich wohlfühlt. Er ist ein witziger Typ, der immer gut gelaunt ist. Nach außen hin ist er eher ruhig und zurückhaltend – das finde ich eine super Mischung.

„Wir haben uns als Mannschaft und Klub gefangen”

Wie gehen Sie selbst mental mit dem Druck um, dass bei allem bislang in dieser Saison Aufgebauten letztlich bei RB nur die Champions-League-Qualifikation zählt?
Ich sehe das nicht so eindimensional. Ich habe neulich eine Tabelle vom 30. Spieltag der Vorsaison gesehen, da hatten wir zehn Punkte weniger. Das allein zeigt schon, dass wir uns als Mannschaft und Klub gefangen haben. Das vergangene Jahr hat uns allen schon die Gefahren aufgezeigt, wie schnell es gehen kann. Jetzt stehen wir gut da, das hätten wir vor der Saison so unterschrieben. Jetzt geht es darum, das Ganze zu vergolden.

Sie haben RB am Samstag in Frankfurt erstmals als Kapitän angeführt. Was bedeutet Ihnen das?
Mir wäre es natürlich am liebsten gewesen, wenn David als Kapitän und Xaver als Stellvertreter in Frankfurt mit auf dem Platz gestanden hätten. Jetzt hat es die Situation so hergegeben, dass ich die Kapitänsbinde getragen habe, das habe ich natürlich angenommen. Das steht ja komplett außer Frage. Aber ich habe nichts groß anders als sonst gemacht. Ich versuche auch sonst, voranzugehen, das ist mir in Frankfurt gut gelungen. Ich hatte zwar nicht ganz so viele Offensiv-Aktionen, habe aber eine gute Struktur mit ins Spiel bringen können und gut gegen den Ball gearbeitet. Insgesamt haben wir als Team eine wirklich gute Leistung in Frankfurt gezeigt.

In der Hinrunde hat RB gegen die nächsten Gegner Union, Leverkusen, St. Pauli nur einen Punkt geholt. Weshalb bleiben Sie diesmal stabil?
Das war eine Phase, in der es uns noch nicht gelungen ist, die engen Spiele regelmäßig auf unsere Seite zu ziehen. Da sind wir nicht konstant an unser Maximum gekommen. Wir wollen und dürfen jetzt einfach nichts mehr verschenken.

„Baumi” über Frauen im Fußball: „Das wird mehr werden”

Der Wirbel um Unions Interimstrainerin Marie-Louise Eta ist riesig. Haben Sie schonmal unter einer Frau trainiert?
Als Trainerin noch nicht. Aber ich habe schon mit vielen Frauen im Fußball zusammengearbeitet, wir haben auch bei uns im Staff einige Frauen. Das wird mehr werden, weil es überhaupt keinen Grund gibt, der dagegenspricht. Frauen absolvieren die gleiche Trainer-Pro-Lizenz wie Männer. Sie ist jetzt die Erste, da verstehe ich den Wirbel zwar ein Stück weit, aber das hat für uns als gegnerisches Team keinen Einfluss.

Im Sommer haben Sie mit der ersten WM-Teilnahme Österreichs seit 28 Jahren Großes vor. Wie oft denken Sie beim Aufstehen schon an Ihren Gruppengegner Argentinien und Lionel Messi?
Beim Lehrgang Ende März war das schon sehr präsent, weil wir viel drüber gesprochen haben. Gerade habe ich mit RB noch andere Aufgaben zu erledigen. Aber klar, ich freue mich schon extrem darauf.

Sie sind Österreichs Fußballer des Jahres, in absoluter Topform, was kann bei der WM für Sie und Österreich gehen?
Unsere Gruppe ist laut Fifa-Weltrangliste die schwerste, aber wir sind von uns überzeugt, dass wir die Vorrunde überstehen können. Und dann brauchst du auch ein bisschen Glück. Wir haben bei der EM gezeigt, was wir drauf haben, ich bin so überzeugt von uns, dass ich glaube, dass wir an einem absoluten Toptag jeden Gegner schlagen können. Aber es ist ähnlich wie bei RB: Dafür müssen wir ans Maximum kommen.

„Rangnick hat immer viel in mir gesehen”

Ralf Rangnick soll möglichst noch vor der WM seinen Vertrag verlängern. Wie erleben Sie den früheren Leipziger, was verleiht er der österreichischen Nationalmannschaft und Ihnen persönlich als Nationaltrainer?
Ralf Rangnick ist für mich ein besonderer Trainer. Überall wo er ist, hat er Erfolg. Egal, ob er die TSG Hoffenheim und RB Leipzig mit aufgebaut hat oder jetzt unsere österreichische Nationalmannschaft nach vorne bringt. Er hat eine Vision, die dann auch umgesetzt wird. Ralf Rangnick ist im positivsten Sinne fußballverrückt und sieht immer das ganz große Ziel. Auch persönlich hat er immer viel in mir gesehen und mir gezeigt, wie wichtig ich für die Nationalmannschaft bin.

Sie haben ein Hilfsprojekt in Uganda aufgebaut, um Frauen und Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen. Wie weit sind Sie da?
Wir haben eine Art Ganztagsschule für etwa 80 Frauen und Mädchen aufgebaut. Die Kinderbetreuung ist auch ein Thema, weil viele Frauen ihre Kinder mitbringen, da sie keine Möglichkeit haben, sie in der Zeit woanders unterzubringen. Das Projekt wächst organisch, es geht darum, das kontinuierlich aufzubauen. Wir haben Sanitäranlagen installiert und Brunnen restauriert. Wir können uns hier teilweise gar nicht vorstellen, wie die Bedingungen dort teilweise waren. Nach der Saison und der WM habe ich wieder mehr Zeit, mich wieder aktiver damit zu beschäftigen.

403 Forbidden

Forbidden

You don't have permission to access this resource.