„Das ist das Schönste!” Demichelis überrascht mit Aussagen zu seiner Spielphilosophie
RB-Trainer Martin Demichelis steht für Vollgaspressing und Intensität. In einem Interview sprach er nun jedoch über seine große Liebe für Ballbesitz und Zu-Null-Fußball.

Leipzig/sid/ukr – RB Leipzigs neuer Trainer Martin Demichelis fiebert der Rückkehr nach München im Rahmen des Testspiels beim FC Bayern (Sa., 15.30 Uhr/MagentaTV) entgegen. „Ich habe zwölf Jahre in München gelebt. Es ist meine zweite Heimatstadt. Die Bayern haben mir als junger Mensch die Chance gegeben, und ich bin dort gewachsen”, sagte Demichelis der Sport-Bild. Beide Klubs treffen im Telekom-Cup aufeinander. „Sätze wie ,Mia san mia’ bedeuten mir etwas, und deshalb ist es schon etwas Besonderes, in die Allianz Arena zu kommen, zumal es das erste Mal als Trainer ist. Aber ich bin jetzt sehr stolz, Trainer von RB Leipzig zu sein.”
Lesen Sie hier: Wer muss weg? Woche der Entscheidung bei RB Leipzig
Der 45-jährige Argentinier hatte zwischen 2003 und 2011 das Trikot des deutschen Rekordmeisters getragen. In dieser Zeit gewann Demichelis unter anderem jeweils vier Mal die deutsche Meisterschaft sowie den DFB-Pokal.
Demichelis über RB-Angebot: „Riesenchance für mich”
Bei der Anfrage aus Leipzig, wo Demichelis Ole Werner als Cheftrainer beerbt hat, habe er nicht lange überlegen müssen. „Leipzig hat als Tabellendritter die Bundesliga-Saison beendet. Ich hatte kurz davor in Mallorca verlängert, aber dann eröffnete sich kurzfristig eine Riesenchance für mich”, sagte Demichelis: „Als Spieler hatte ich eine gute Zeit in Deutschland. Jetzt wird es Zeit, zu zeigen, was ich als Trainer kann.” Die deutsche Kultur passe perfekt zu ihm: „Ich liebe Disziplin und es, sympathisch hart zu sein.”
Bezüglich seiner Spielphilosophie fügte „Micho” dem bisherigen Schwerpunkt – Intensität und Spiel gegen den Ball – einen weiteren hinzu, der bisher noch weniger Thema war. „In diesem Land sprechen alle über Umschaltmomente”, erklärte er. Diese seien ohne Zweifel „sehr wichtig. Wir haben brutales Tempo im Kader, das müssen wir nutzen.” So weit, so bekannt.
„Ich liebe den Ball”
Doch Demichelis führte weiter aus: „Aber ich liebe den Ball. Wir müssen als Mannschaft schnell lernen, den Ballbesitz zu genießen. Das Spiel zu kontrollieren und zu dominieren, den Gegner müde zu machen – das ist die große Kunst.”
Und Demichelis bekannte sich auch zu seiner Lust an der Defensive. „Als früherer Innenverteidiger verschafft es mir ein sehr angenehmes Bauchgefühl, wenn wir zu Null spielen. Das ist das Schönste! Weil: Große Erfolge feiern die Team mit den wenigsten Gegentoren, nicht die, mit den meisten erzielten Treffern.”
Dauerthema bei RB Leipzig: Wie funktionieren Ballbesitz und Pressing-DNA zusammen?
Dieser Fokus auf Ballbesitz ist untypisch für RB Leipzig und sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Debatten im Klub. Bereits Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick zerstritten und trennten sich schließlkich, weil Hasenhüttl wegen vom puristischen Pressing-Gegenpressing-Fußball wollte. Demichelis war zu RB geholt worden, um den RB-Fußball wieder aggressiver und intensiver zu machen und dem Gegner weniger Zeit zum Ballbesitz zu geben.
Daher kommen diese Aussagen nun durchaus überraschend. Bislang ist es noch keinem RB-Trainer dauerhaft gelungen, attraktiven und kreativen Ballbesitzfußball zu zeigen und gleichzeitig die Pressingintensität hochzuhalten und die Red-Bull-Spiel-DNA umzusetzen.