RB LeipzigRB-Trainer Jesse Marsch über 16 Jahre altes Nachwuchstalent Sidney Raebiger: "Er ist eine Option für das Pokalspiel in Sandhausen"

Von Martin Henkel 03.08.2021, 09:03
Jubeln mit den Fans: RB-Coach Marsch feiert das 1:1 gegen Ajax, Orban (M.) und Raebiger applaudieren
Jubeln mit den Fans: RB-Coach Marsch feiert das 1:1 gegen Ajax, Orban (M.) und Raebiger applaudieren imago images/Picture Point LE

Es passiert nicht oft, dass im Profifußball Bilder entstehen, die nicht fabriziert sind, sondern die das Leben erzeugt. So geschehen vergangenen Samstag nach dem Testspiel von RB Leipzig in Grödig Österreich, gegen Ajax Amsterdam. 1:1 endete die Generalprobe der Messestädter für den Saisonauftakt diesen Samstag im Pokal beim SV Sandhausen (15.30 Uhr). Nach Abpfiff schritt vor die kleine Haupttribüne RB-Coach Jesse Marsch, der hatte beide Fäuste gehoben und strahlte übers ganze Gesicht, neben ihm applaudierte Willi Orban den mitgereisten Fans, und rechts von ihm stand Sidney Raebiger. Auch er klatschte in die Hände.

Keine PR-Aktion

Wie von unsichtbarer Hand platziert waren da also nebeneinander aufgereiht Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft des Leipziger Klubs: der neue Trainer, der alte Haudegen (seit 2015 im Verein) - und der Perspektivspieler. Raebiger ist 16.

Das ist in der vergangenen Woche fast ein bisschen untergegangen, dass in einem RB-Trainingslager noch nie ein jüngerer Spieler dabei gewesen ist als der kleine Mittelfeldspieler aus dem sächsischen Freiberg. Und es war beileibe keine PR-Aktion, um die in den vergangenen Jahren oft gescholtene Nachwuchsabteilung in ein gutes Licht zu rücken. Raebiger spielte nicht nur 24 Minuten gegen Ajax, er hatte zuvor auch den zweiten Test gegen den saudischen Klub Al-Hilal (1:0) über die vollen 60 Minuten bestritten. Marsch sagte später: „Sidney ist sicherlich ein Thema für Sandhausen.“

Manchester City und FC Bayern an Raebiger interessiert?

Ob er im Pokal spielt, ist unklar, es wird vom Spielverlauf abhängen. Im Kader dürfte Raebiger aber mit Sicherheit auftauchen. Dafür scheint Jesse Marsch ein zu großer Fan des kleinen Riesentalents zu sein. „Sidney hat mir die letzten vier Wochen sehr gut gefallen“, schwärmte der 47-Jährige nach dem Ajax-Test. "Er fühlt sich immer wohler. Er ist viel gelaufen, er war fleißig und hat gut gekämpft.“

Raebiger darf sich deshalb Hoffnungen haben, in der kommenden Saison nicht nur so oft es geht, mit der ersten Mannschaft trainieren zu dürfen, wie es ein Deal zwischen dem Teenager, seinen Beratern und dem Klub vorsieht, weil Klubs wie der FC Bayern und Manchester City angeblich auf die Talente des Jugendlichen aufmerksam geworden sind. Er kann ebenso auf Einsätze hoffen, denn mithalten mit den Großen kann er, wie die Testspiele zeigten, in denen Raebiger eine für sein Alter ungewöhnliche Übersicht, Ruhe am Ball und strategisches Verständnis bewies. Nur die Körperlichkeir fehlt noch, aber das ist bekanntermaßen kein zu großes Hindernis. Man weiß es von Weltfußballer Lionel Messi.

Ist das kaum 1,75 Meter große Talent also eine Option für Einsätze im Profi-Team? „Ja“, sagte Marsch in Grödig. „Es muss unser Ziel sein, dass wir einen echten Ausbildungsspieler bei uns, um zu zeigen: Schaut her, wir können auch das. Ich glaube, dass Sidney eine große Chance hat, ein sehr guter Spieler für uns zu sein - dieses Jahr und in der Zukunft."

Die jüngsten Debütanten der Bundesliga-Geschichte

Eine Leihe kommt deshalb nicht infrage. Aufgrund des Alters ohnehin nicht. Aber auch der Erfahrung wegen. Marsch meinte dazu: „In die dritte, vierte Liga zu wechseln, ist nicht immer die beste Option, um sich im Männerfußball zu entwickeln. Sidney ist noch jung, er braucht mehr Zeit bei uns, im Training und hoffentlich können wir ihm auch Erfahrungszeit auf dem Platz geben. Mein Ziel ist es, dass er jeden Tag mehr ein Teil der Gruppe wird.“

Debütiert Raebiger diese Saison tatsächlich in der Liga, wird er nicht nur der jüngste Erstligadebütant in der überschaubar jungen Geschichte von RB sein, sondern er könnte sich auch in die Riege von Rookies einreihen, die in den vergangenen Jahrzehnten mit 16 ihre ersten Profispiele bestritten.

Das sind die jüngsten Debütanten der Bundesligageschichte:

  • Platz 1: Youssoufa Moukoko (BVB, 16 Jahre und ein Tag)
  • Platz 2: Nuri Sahin (BVB, 16 Jahre und 335 Tage)
  • Platz 3: Yann Aurel Bisseck (1. FC Köln, 16 Jahre, 362 Tage)
  • Platz 4: Florian Wirtz (Leverkusen, 17 Jahre, 15 Tage)
  • Platz 5: Jürgen Friedl (Eintracht Frankfurt, 17 Jahre, 26 Tage)

(RBlive/hen)