RB Leipzig

Rote Karte gegen Rassismus: Bundesliga-Teams und Fans zeigen Haltung

Von (sid/RBlive)
23.02.2020, 14:32
Die Teams von Schalke und RB bei der gemeinsamen Schweigeminute vor dem Anpfiff.
Die Teams von Schalke und RB bei der gemeinsamen Schweigeminute vor dem Anpfiff. imago/Kirchner-Media

Die Botschaft der Fans war laut und deutlich. In Freiburg. In Bremen. In Gelsenkirchen beim Auswärtsspiel von RB Leipzig und in anderen Stadien der Republik. „Nazis raus, Nazis raus“, schallte es aus den Kehlen Zehntausender, als sie vor den Partien der Fußball-Bundesliga der Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags von Hanau gedachten. Rot für Rassismus - eine Haltung gegen Rechts, die auch DFB-Präsident Fritz Keller entschieden einforderte.

Fans und Vereine setzen klares Zeichen gegen Hass und Rassismus

„Hass und Rassismus sind die dümmste Art, wie man sich in einfache Strickmuster verstricken kann“, sagte der Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem SWR und forcierte am Sky-Mikrofon deshalb: „Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen - und das können wir auch.“

Die entschlossenen Rufe der Fans, die es bereits am Donnerstag im Europa-League-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und RB Salzburg gegeben hatte, waren dafür ein erstes Zeichen. Vor den Begegnungen am Wochenende wurden mit Schweigeminuten der Opfer gedacht und in Trauerflor gespielt.

Keller wertete die schrecklichen Ereignisse indes als ernstzunehmenden Hinweis, „dass in unserer Gesellschaft etwas nicht stimmt. Wenn Antisemitismus Platz hat, dann ist irgendetwas nicht in Ordnung“. Der 62-Jährige hegte zudem den Verdacht, dass „es anscheinend wieder an der Zeit ist, dass Menschen Feindbilder brauchen, um ihren Hass loszuwerden“.

Dietmar Hopp im Fadenkreuz: Gladbach-Fans sorgen am Aktionsspieltag für Eklat mit Banner

Bereits zum Auftakt des 23. Spieltags hatten die Fans des Rekordmeisters Bayern München während der Partie gegen den SC Paderborn (3:2) auf einem riesigen Banner ihren Unmut über die gesellschaftliche Entwicklung geäußert. „Nazis morden - alle schauen zu! Das ist deutsche Leitkultur“, war in der Südkurve in roten Buchstaben auf weißem Hintergrund zu lesen. Weitere anti-rassistische Botschaften wurden auch in einigen anderen Stadien am Samstag gezeigt.

Völlig unverständlich war insbesondere vor dem Hintergrund des Terroranschlags die Aktion einiger weniger Anhänger von Borussia Mönchengladbach, die während des Spiels gegen die TSG Hoffenheim (1:1) den Mehrheitseigner der Kraichgauer, Dietmar Hopp (79), wortwörtlich ins Visier nahmen.

Es muss endlich Schluss sein mit menschenverachtenden Gewaltaufrufen

DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch

„Wir haben Werte, sind gegen Rassismus und Ausgrenzung - und dann halten 50 Hornochsen ein solches Plakat hoch. Dafür schäme ich mich“, sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl über die Abbildung, die das Gesicht von Dietmar Hopp im Fadenkreuz zeigte.

Als Eberl und Kapitän Lars Stindl die unbelehrbaren Zuschauer aufforderten, das Plakat wieder verschwinden zu lassen, hatte Schiedsrichter Felix Brych die Partie bereits unterbrochen. Dafür erhielt er unter anderem vom DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch Anerkennung.

„Es muss endlich Schluss sein mit menschenverachtenden Gewaltaufrufen und/oder schwer beleidigenden Pöbeleien auf Spruchbändern“, schrieb Koch auf seinem Facebook-Profil: „Und jetzt ist es wichtig, dass die überragende Mehrheit der Fußballfans sich in Zukunft ebenso klar artikuliert.“