Unpassende Militärgeste

Update: Demirovic entschuldigt sich für Salut-Jubel

Von dpa/ukr Aktualisiert: 06.03.2022, 13:53 • 06.03.2022, 11:40
Gedankenloser Jubel: Ermedin Demirovic und Lucas Höler.
Gedankenloser Jubel: Ermedin Demirovic und Lucas Höler. (imago/Jan Huebner)

Trainer Christian Streich will nach dem Salut-Jubel von Torschütze Ermedin Demirovic und Lucas Höler beim 1:1 (0:1) am Samstag in der Fußball-Bundesliga bei RB Leipzig noch einmal das Gespräch mit den Profis suchen. Die Szene nach dem Tor in der 38. Minute, als Demirovic in Richtung Eckfahne zu Höler lief und beide salutierten, habe Streich aber nicht direkt gesehen. „Natürlich denken sie nicht an das Militär, wenn sie so etwas machen”, sagte Streich nach der Partie während der Pressekonferenz vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine. „Aber ich muss es mir natürlich anschauen und dann sprechen wir darüber.”

Update: Demirovic selbst hat sich in einem auf der Freiburger Webseite veröffentlichten Video für den Gruß entschuldigt. „Im nachhinein tut es uns leid, so weit haben wir nicht gedacht. Es war nicht unsere Absicht.” Höler und Demirovic machen diesen Jubel schon einige Zeit, „auch schon vor dem Krieg”.

Man sollte dem Ex-Leipziger keine böse Absicht unterstellen, höchstens Gedankenlosigkeit und Unbedarftheit. Der Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine war schließlich auch im Leipziger Stadion äußerst präsent. Vor dem Sektor B hing ein riesiges Banner in den Farben der Ukraine mit der Aufschrift „Rasenball hilft”; auch auf den Rängen gab es Banner und Ukraine-Fahnen. Einige Fans waren in Blau-Gelb gekleidet. Vor der Partie versammelten sich beide Teams zu einer Schweigeminute am Mittelkreis. Da darf man auch als Fußballprofi im Rausch der Emotionen nach einem Tor auf dem Schirm haben, dass militärische Gesten derzeit unangebracht sind.

Streich: „Ich bin selten sauer auf Spieler, wenn sie was sagen”

Demirovic, der von 2014 bis 2017 im RB-Nachwuchs stürmte, wurde nach dem Spiel nicht zu der Szene befragt, äußerte sich aber nach seinem zweiten Saisontreffer selbstbewusst. „Wir sehen uns als eine Topmannschaft. Der Trainer wird sauer auf mich sein, wenn er das hört. Aber man kann ruhig bisschen größer denken und selbstbewusst an die Sache herangehen, wenn man sieht, welche Leistung wir auch heute wieder gebracht haben.” Streich verneinte auf Nachfrage, dass er sauer sei. „Ich bin selten sauer auf Spieler, wenn sie was sagen, schon gar nicht, wenn sie so jung sind. Warum soll ich sauer sein?”, fragte Streich. „Er kann doch sagen, was er will. Es ist doch schön, wenn er das so sagt.”

Demirovic hatte mit einen technisch sauberen Lupfer über Peter Gulacsi hinweg zum 1:0 für Freiburg getroffen und seinen zweiten Saisontreffer in der Bundesliga erzielt.