Trainingslager-Fazit Die Sommer-Baustellen bei RB
Noch kann das RB-Team in den Testspielen nicht zeigen, was Trainer Martin Demichelis mit dem Team vorhat. Ein Zwischenfazit nach dem 0:2 in Leeds und dem Trainingslager in Saalfelden.

Saalfelden/Leeds/Leipzig – Für den ersten Härtetest der Vorbereitung war RB Leipzig eigens vom beschaulichen Saalfelden im Salzburger Land in die britische Metropole Leeds gereist. Das Testspiel gegen Premier-League-Mittelklasse-Klub Leeds United vor knapp 25.000 Fans an der Elland Road sollte das Trainingslager krönen und erste Ergebnisse der vierwöchigen Arbeit des neuen Trainers Martin Demichelis zeigen.
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Doch nicht nur das Ergebnis fiel mit 0:2 (0:1) über insgesamt 120 Minuten enttäuschend aus, auch inhaltlich war wenig von Geist von Saalfelden zu sehen, der sich in den Tagen zuvor an sechs intensiven Trainingstagen auf den Trainingsplätzen des Gut Brandlhofs gebildet hatte. Denn im Training zeigte das Team ein komplett anderes Gesicht als beim zahnlosen und zu inaktiven Auftritt in Leeds, bei dem RB im wahrsten Sinne des Wortes chancenlos war.
Oberstes Gebot: Pressing-Intensität
Klarer Schwerpunkt: Man muss RB Leipzig zugutehalten, dass die Kicker im Test schwere Beine hatten. Denn Demichelis hatte die Mannschaft in neun höchst intensiven Einheiten wirklich geschliffen – viel mit und auch ohne Ball. Das körperliche Pensum überstieg das, was sonst in Trainingslagern bei RB üblich war, weil Demichelis eine absolut fitte Mannschaft haben will. Immer wieder stand das Pressing-Gegenpressing-Verhalten im Mittelpunkt sowie das Umschalten zwischen Ballbesitz und Balleroberung. Intensität war oberstes Gebot im Training – und die Spieler zogen voll mit und verausgabten sich.
Spielformen und Eindrücke aus dem Trainingslager im Video sehen Sie auf dem X-Kanal von RBlive.
In Saalfelden war sehr wohl viel von der Aktivität und Spritzigkeit mit und gegen den Ball zu sehen, die Demichelis fordert, die das Team aber in den Tests (noch) vermissen lässt. „Die Grundwerte, die wir hier RB haben, diese Intensität, die liebt er auch. Natürlich hat er eine eigene Spielidee, die aber sehr gut zu unserem Kader passt. Ich freue mich auf alles, was noch kommt”, bilanzierte Kapitän David Raum und versprach: „Wir werden uns nach und nach eingrooven.” Das sei nicht immer einfach nach einem Trainerwechsel. „Aber wir haben es letztes Jahr aber auch schon gut hingekriegt.”
Immer auf Ballhöhe: Trainerteam so präsent wie nie zuvor
Arbeit des Trainerteams: Auffällig ist, wie viel Demichelis während der Einheiten mit den Spielern kommuniziert. Der Coach und seine Co-Trainer sind immer auf Ballhöhe. Demichelis lief bei jeder Einheit mit, verschob die Pressinghöhe und die Viererkette der Abwehr, gab das Signal zum Auslösen des Pressings, kommentierte Entscheidungen der Spieler und gab teils sehr konkret Abläufe vor. Bei Standards zum Beispiel kickte er auch selbst mit. „Er sagt immer wieder, dass man auf ihn zukommen kann, wenn es Fragen gibt, ist mit mir immer im engen Austausch, was mir gefällt”, sagte Raum. „Er erreicht die Mannschaft gut.”
Auch Co-Trainer Cristian Fiél, bereits Cheftrainer bei Dynamo Dresden, dem 1. FC Nürnberg und Hertha BSC, ist so präsent wie wohl kein Assistent zuvor bei RB – im Training eine Art zweiter Chefcoach – und fordert von den Spielern Qualität ab. Das gesamte Trainerteamlebt die Intensität, die sie auf dem Rasen einfordert, auch im Training mit jeder Faser vor.
Qualität und Form im Kader fehlen
Personalsituation: Personell ist der Kader vor dem Saisonstart derzeit nicht gut aufgestellt. Das Aufgebot ist einerseits zu groß, andererseits fehlt auch angesichts ausstehender Transfers und durch Verletzungspech Klasse. Pechvogel Assan Ouédraogo fehlt dem Team mit einer Kapselverletzung an der Schulter wochenlang – ein bitterer Ausfall auf der wichtigen Achter-Position. Rocco Reitz ist ebenso noch lange nicht richtig fit wie Kapitän Raum, der Leistenprobleme aus der Vorsaison und der WM mit in die Vorbereitung schleppte. Auch Antonio Nusa, der erst am Donnerstag ins Training einstieg, wird noch Zeit brauchen.
Bislang gibt es keinen Ersatz für Ausnahmekönner Yan Diomande; und im Sturmzentrum platzte der vermeintlich bereits eingetütete Toptransfer von Fisnik Asllani in letzter Sekunde beim Medizincheck wegen „medizinischer Bedenken”. Ein Super-GAU für RB nach monatelanger Arbeit, um den Hoffenheimer zu bekommen.
Mögliche Startelf zum Saisonstart: Vandevoordt – Henrichs (Baku), Esteve (Orban), Lukeba (Bitshiabu), Finkgräfe (Raum) – Seiwald, Banzuzi – Bakayoko, Gruda, Gomis (Nusa) – Romulo.
Schwieriger Saisonstart programmiert
Fazit: Der Saisonstart könnte schwierig werden für RB. Bis die im Training zweifellos gute Arbeit von Demichelis Früchte trägt und man seine Handschrift erkennt, wird es noch dauern. Das Team zieht im Training mit, muss sich aber mit der veränderten Spielidee noch finden. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Kicker Demichelis' mutigen, hohen Pressingansatz adaptieren oder am Ende zu viele Räume entstehen und das Risiko, sich selbst Konter-Gegentore einzufangen, steigt.
Dazu braucht es eine Verringerung des Kaders und zwei bis drei qualitativ starke Zugänge (Mittelstürmer, Flügel und Sechser/Achter), um wirklich mit dem Personal arbeiten zu können, das am Ende auch zur Verfügung steht und das Niveau anheben zu können.