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Christoph Baumgartner im Interview „Wenn ich topfit bin, werde ich spielen”

Christoph Baumgartner absolviert im Trainingslager in Saalfelden seine Reha. Er kündigte an, körperlich stärker zurückkommen zu wollen als zuvor. Ein Gespräch am Rande des Trainingsplatzes.

Von Ullrich Kroemer 04.08.2026, 14:12
Auch Yoga gehört zur Reha: Christoph Baumgartner und RB-Yogatrainerin Julia C. Woellner.
Auch Yoga gehört zur Reha: Christoph Baumgartner und RB-Yogatrainerin Julia C. Woellner. (Foto: imago/Picture Point LE)

Saalfelden – Während das Vormittagstraining am Dienstag im Trainingslager von RB Leipzig in Saalfelden lief, schaute der verletzte Christoph Baumgartner am Zelt der mitgereisten Journalisten vorbei und sprach ausführlich über die WM als Zuschauer, seinen Rehaprozess nach Sehnenriss im Oberschenkel, seine Rolle im Team und den neuen Trainer Martin Demichelis.

Christoph, Sie haben Ihre Reha erst während der WM in den USA beim österreichischen Nationalteam absolviert und sind nun bei RB Leipzig im Trainingslager dabei. Die Nähe zu den Kollegen scheint Ihnen wichtig zu sein, auch wenn Sie verletzt sind. 
Christoph Baumgartner: Die WM war mein großer Traum, ich wollte mir es nicht nehmen lassen, das trotz der Verletzung mitzuerleben. Und hier in der Vorbereitung geht es ja auch um andere Dinge als Training, um eine Gruppendynamik, etwas als Mannschaft zu entwickeln. Da sehe ich mich als wichtigen Teil und wollte unbedingt dabei sein. Das war für mich von Beginn an klar.

Wie geht es Ihnen aktuell und wie lautet Ihr Ziel gerade?
Mein Ziel ist es, 100-prozentig fit wieder zurückzukommen – am besten körperlich noch stärker als zuvor. Ich habe viel Zeit an Dingen zu arbeiten, die ich normalerweise nicht habe. Da möchte ich Schritte gehen.

Lesen Sie hier: Manager Schäfer: RB will keinen Ersatz für Baumgartner holen

Und zeitlich?
Ich mache mir da keinen Zeitstress. Es ist eine sehr große Verletzung und ich weiß von anderen Spielern, dass es im Laufe einer Rehaphase immer Ups und Downs gibt. Bis jetzt läuft es sensationell gut, wir sind super im Plan. In dieser Woche habe ich begonnen zu laufen, da waren die anderen noch beim Frühstück. Wenn man zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder laufen darf, ist das richtig geil. Oder auch den Ball wieder am Fuß zu haben, wenn man ihn zwei Monate nicht berühren durfte. Aber entscheidend ist, wie ich es verkrafte, wenn die wichtigen Sachen – Schießen und Sprinten – kommen.

„Die ersten zwei, drei Tage waren richtig beschissen”

Wie haben Sie die heftige Diagnose kurz vor der Abreise zur WM mental verarbeitet und neue Energie für den Rehaprozess geschöpft?Die ersten zwei, drei Tage waren richtig beschissen. Der Traum, den ich 26 Jahre lang hatte, war mit einem Schuss geplatzt. Aber ich habe ein sehr gutes Umfeld und wurde außergewöhnlich von Red Bull unterstützt. Zwei Tage später konnte ich vom besten Arzt der Welt in dem Bereich operiert werden. Ab dem Moment habe ich das als Chance begriffen, diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Und ich wusste genau: Wenn ich in Amerika bei meinen Jungs, meinen Freunden bin, ist es auch vom Kopf her viel einfacher. Das Schlimmste wäre gewesen, zu Hause zu sitzen und die Spiele da zu verfolgen. Zwei Monate später kann man sagen, dass es zu 100 Prozent die richtige Entscheidung gewesen ist, es genau so zu machen.

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Gab es zwischendurch schwere Momente?
Es gab schon paar emotional harte Momente. Zwei Szenen sind mir in Erinnerung geblieben: Das erste Aufwärmen vor unserem Auftaktspiel in San Francisco. Wenn du dann mit Krücken am Platz stehst und zuschaust, wie sich die Jungs warmmachen, war das nicht einfach. Aber ich hatte eine coole Rolle, durfte bisschen mitwirken, meine Gedanken mit einfließen lassen. Das war auch extrem spannend.

Und der zweite Moment?
Das war, als wir ausgeschieden sind. Dann sitzt du in Los Angeles in diesem fünf Milliarden Euro teuren Stadion und weißt: Jetzt ist das Ganze vorbei. Aber ich kann auch aus diesen harten Momenten Kraft schöpfen. Hoffentlich kann ich das dann in vier Jahren erleben, dann bin ich hoffentlich nochmal einen Schritt weiter als Spieler und Persönlichkeit und will dann unbedingt mit meiner Nationalmannschaft dabei sein.

Baumgartner über Werner und Demichelis

Zu RB Leipzig: Haben Sie schon mit Martin Demichelis gesprochen?
Der Trainer hat mir eine sehr nette Nachricht geschrieben, dass er sich auf die Zusammenarbeit freut und mir alles Gute für die Reha wünscht. Aber ausführlich hatten wir noch nicht Kontakt. Dafür bleibt später noch genug Zeit. Wichtig ist, dass die Mannschaft jetzt richtig loslegt und ich meine Arbeit erledige.

Hat Sie der Trainerwechsel überrascht? Und welche Facetten kann Demichelis dem RB-Spiel hinzufügen?
Es war schon ein Stück überraschend, weil wir unsere Ziele erreicht hatten. Ole hat einen sehr guten Job gemacht, alle sind ihm dankbar. Aber ich bin schon so lange im Fußball dabei und weiß, welche Mechanismen da ablaufen. Jetzt haben wir einen neuen Trainer, der eine neue Spielidee mitbringt. Bis jetzt haben die Jungs viel im athletischen Bereich gearbeitet und gehen da richtig an die Grenzen. Das ist wichtig, weil wir eine andere Belastung als letztes Jahr haben werden.

Wie nehmen Sie ihn als Typ wahr?
Sehr gut, sehr positiv. Es macht schon was, wenn man eine solche Spielerkarriere hatte, das ist schon beeindruckend, was er geleistet hat. Ich freue mich schon darauf, aktiv mit ihm zusammenzuarbeiten.

„Ich habe ein Selbstverständnis entwickelt”

Sie sind hier in Österreich als Werbefigur und Sympathieträger omnipräsent auf Plakatwänden und Pappaufstellern. Gibt das Kraft? 
Ich bin schon stolz darauf, wie mich die Leute hier sehen, welchen Status ich habe. Das habe ich mir erarbeitet. Ich bin extrem gern hier, liebe mein Land und denke, dass mich die Leute auch mögen.

Auch bei RB sind Sie inzwischen sehr wichtig, haben die viertmeisten Einsätze im Team. Wie nehmen Sie Ihre Funktion im Team wahr?
Ich möchte weiter Gas geben, der Mannschaft helfen. Es macht mir Spaß, in unserer jungen Mannschaft Verantwortung zu übernehmen. In diese Rolle habe ich mich in der vergangenen Saison mit meinen Leistungen hinentwickelt. Das Wichtigste ist immer, dass die Leistung stimmt. Solche Zahlen hinzulegen, war sicher in der vergangenen Saison außergewöhnlich für die Position. Da möchte ich weitermachen, aber es ist nicht selbstverständlich, auf meiner Position kontinuierlich zu treffen. Aber ich habe ein Selbstverständnis entwickelt, weiß, was ich kann, dass ich hier helfen kann. Wenn ich topfit bin, werde ich wahrscheinlich auch spielen – das ist mein Anspruch und mein Ziel.

Das Gespräch wurde in einer Medienrunde in Saalfelden im Beisein anderer Journalisten geführt.