Tedesco warnt vor krisengerede

"Wenn wir ab jetzt jedes Spiel verlieren, war es trotzdem eine super Saison"

Vor dem Rückspiel im Europa-League-Halbfinale wehrt sich der RB-Coach gegen Schwarzmalerei in Bezug auf seinen Kader, der vor wenigen Monaten noch tief in der Krise steckte. Seine Aussage zum möglichen Titel-Desaster überrascht dennoch.

Von Martin Henkel 04.05.2022, 17:02
RB-Trainer Domenico Tedesco warnt vor Schwarzmalerei
RB-Trainer Domenico Tedesco warnt vor Schwarzmalerei (imago/picture point le)

Hätte RB Leipzig vergangenen Montag nicht das Spiel in Gladbach 3:1 verloren, die Pressekonferenz vor der Partie gegen die Rangers aus Glasgow im Europa-League-Halbfinale wäre ein Kaffeekränzchen gewesen. So aber wurde sie zu einer kleinen Anhörung.

Ein 1:0 ist nicht die Welt

Kaffee gab es auch für die Berichterstatter nicht, die sich im kleinen Medienraum des Ibrox am Dienstagnachmittag zusammengefunden hatten, um den Trainer der Besucher aus Sachsen zum Stand der Dinge vor Anpfiff zu befragen. Dieser Stand der Dinge drehte sich vor allem um den Gemütszustand des Kaders, der mit der zweiten Ligapleite in Serie plötzlich aus den Champions-League-Rängen gerutscht ist. Das DFB-Pokalfinale gegen Freiburg kann auch schiefgehen, ebenso das Rückspiel gegen die Schotten: ein 1:0-Vorsprung ist nicht die Welt.

Im schlimmsten Fall also... Tedesco hob warnend den Finger und zeigte ihn reihum. "Ich verstehe die Diskussionen", sagte er, "und sie können versuchen, es jetzt so hinzudrehen, dass wir was zu verlieren haben, dass wir kriseln. Aber das funktioniert nicht." Warum? "Als wir im Dezember kamen, hätten wir uns nicht mal erträumen lassen, dass wir in so einer Situation sein können." Sprich: ein Endspiel sicher, eines möglich, die Champions League auch noch erreichbar. Ganz gleich, wie die Saison ausgeht, meinte er deshalb "und wir ab sofort alle Partien verlieren, so war es trotzdem eine super, super Saison.

Laimer: "Wir werden on fire sein"

Neben dem 36-Jährigen saß Konrad Laimer, Teilnehmer der Startelf, die gegen Gladbach eine so erschreckende erste Hälfte gespielt hatte, das sie zur Pause 1:2 zurücklag. "Wir wollten das Spiel genießen", sagte der Mittelfeldspieler, "das ist ein Halbfinale in der Europa League", fügte er hinzu. Das müsse man aufsaugen.

Es klang wie aus dem Handbuch für Psychotricks bei Prüfungsstress. Etwas ungelenk, wenig glaubhaft. Wenig später aber wurde er überzeugender. Ja, RB kann im Ibrox seinen kleinen Vorsprung schnell verspielen. Ja, die Partie kann man verlieren. Und ja, die letzten zwei Wochen waren nicht die besten, das kann sich aufs Gemüt schlagen. Er aber sei klar im Kopf, versicherte er, und bereit für einen großen Europapokalabend.

"Wenn wir da morgen rausgehen, und die Hütte brennt, werden wir auch brennen. Solche Entscheidungsspiele sind wir alle da und on fire."