RB Leipzig

„Wir sind nicht verkopft”: RB Leipzig mit „Lockerheit und Verrücktheit” gegen Tottenham

Von Ullrich Kroemer 18.02.2020, 19:48
„Die Nervosität legst du gut ab, wenn du deine Tugenden auf den Platz bringst”: Julian Nagelsmann im Presseraum des Tottenham Stadiums.
„Die Nervosität legst du gut ab, wenn du deine Tugenden auf den Platz bringst”: Julian Nagelsmann im Presseraum des Tottenham Stadiums. imago/Picture Point LE

Als RB Leipzig am Dienstagmittag den Flieger nach London bestieg, waren auch Ibrahima Konaté und Dayot Upamecano an Bord. Beide Innenverteidiger könnte Trainer Julian Nagelsmann gut gebrauchen im Achtelfinal-Hinspiel bei Tottenham Hotspur (Mi., 21 Uhr). Doch „Ibu” ist nach wie vor in der Reha. „Er ist nur dabei, um ihm eine Luftveränderung zu gönnen. Es tut Spielern gut, bei der Mannschaft zu sein, zu Abend zu essen, in ein so schönes Stadion zu kommen und die Jungs zu unterstützen”, erklärte Nagelsmann. Und auch „Upa” ist gelbgesperrt nur als Zuschauer dabei.

Es wird spielentscheidend sein, wie RBL den Ausfall der Innenverteidiger kompensieren kann und für welche Abwehrvariante – ob mit oder ohne Ethan Ampadu – sich Nagelsmann entscheidet. Da mochte sich der Trainer zwar nicht in die Karten schauen lassen, kündigte aber eine gewohnt variable Interpretation an. Zu erwarten ist eine Variante mit Dreierkette bei eigenem Ballbesitz und mit Viererkette gegen den Ball.

Doch es war vor dem Spiel mehr davon die Rede, dass Tottenham-Star Heung-Min Son kurzfristig ausfällt. „Ich ändere nichts um, weil wir einen Matchplan nie an einem Spieler ausrichten. Wir müssen jetzt einen Eins-gegen-Eins-Spieler weniger verteidigen”, sagte Nagelsmann zu der neuen Personalsituation.

Über das Duell gegen Spurs-Trainer José Mourinho befand der 32-Jährige zwar: „Es ist Leipzig gegen Tottenham und nicht Mourinho gegen Mini-Mourinho.” Aber er betonte auch die riesengroßen Anerkennung für seinen Trainerkollegen: „Mein Respekt vor José Mourinho ist riesengroß. Er hat sein 59. K.o.-Spiel in der Champions League, ich habe mein erstes”, sagte er.

Nagelsmann: „Nicht das wichtigste Spiel der Klubgeschichte, vielleicht das spektakulärste”

Nagelsmann gehe genau wie das Team „ein bisschen nervös” in dieses Spiel. „Die Nervosität legst du gut ab, wenn du deine Tugenden auf den Platz bringst. Dazu gehört Emotionalität”, betonte der Trainer. Das Spiel gegen Bayern München könne eine Blaupause für den Auftritt im Norden Londons sein. „Das Spiel gegen Bayern München hat uns gutgetan, dass wir eine gute Emotionalität auf den Platz bringen. Die Art und Weise, wie Leipzig seit Jahren Fußball spielt”, sagte Nagelsmann. „Eine gesunde Kopflosigkeit, dass man sich nicht so viele Gedanken macht, taktisch alles richtig machen zu wollen, sondern die Dinge mit höchster Intensität anzugehen. Das haben wir gegen Bayern gut gemacht. Und das wird auch gegen Tottenham gefragt sein.”

In den Spielen vor dem Spitzenspiel gegen Bayern sei die „Mannschaft zu verkopft” gewesen. „Wir sind aber eigentlich gar nicht verkopft, sondern haben eine gesunde Lockerheit und einen gesunden Grad an Verrücktheit. Das darf man auch bei einem so wichtigen Spiel sehen.” Beim Abschlusstraining zumindest war diese Lockerheit zu spüren. Die Spieler hatten sicht- und hörbar Spaß, sich in der opulenten 62.000-Zuschauer-Schüssel auf die Toppartie einzustimmen.

Nagelsmann kickte bei Aufwärmspielchen mit dem Trainerteam, sein „Jaaaa” gellte durch die Arena. Die Bedeutung des Spiels im beeindruckenden, etwa eine Milliarde Euro teuren Tottenham Stadium, spielte der Chefcoach herunter: „Es ist sicherlich nicht das wichtigste Spiel der Vereinsgeschichte, vielleicht das spektakulärste. Das wichtigste wäre es, wenn es das Finale wäre.” Das klang gewohnt selbstbewusst. (RBlive/ukr)