RB Leipzig

Zweitliga-Schreck im DFB-Pokal: Als Sandhausen bei RB Leipzig Polonaise tanzte

Von Ullrich Kroemer 06.07.2021, 09:36
Sandhausener Polonaise: Feiernde Gästefans beim 4:0-Auswärtstriumph des SVS bei RB Leipzig 2015.
Sandhausener Polonaise: Feiernde Gästefans beim 4:0-Auswärtstriumph des SVS bei RB Leipzig 2015. imago/Picture Point

Als RB Leipzig das 0:4 im eigenen Stadion gefangen hatten, sangen die eigenen Anhänger sarkastisch: „Einer geht noch, einer geht noch rein.” Und die trotz Boykotts etwa 20 mitgereisten SVS-Fans veranstalteten nach Abpfiff im nahezu leeren Gästeblock eine Polonaise, während die Leipziger Fans pfiffen. Eine solch desolate Vorstellung, die zu den höchsten Niederlagen der Klubgeschichte gehört, war damals im ersten Zweitligajahr angesichts des noch möglichen Aufstiegs in die Bundesliga nicht zu erklären.

„Papiertiger auf dem Platz” und „lächerliches Slapstick-Tor”

„Wir waren ein Papiertiger auf dem Platz”, schimpfte Sportdirektor Ralf Rangnick. „Wir hatten keine Wettbewerbsfähigkeit.” Die „Roten Bullen” hätten so erschöpft gewirkt, als käme das Team gerade „aus einem Militärcamp”, ärgerte sich Rangnick, der eine „Mischung aus mentaler und körperlicher Müdigkeit” diagnostizierte.

Doch auch ein Jahr später, als Rangnick selbst Trainer war, spuckte der Underdog aus der Kurpfalz den Leipzigern wieder in die Aufstiegssuppe. Mit 0:1 verlor Rasenballsport fünf Spieltage vor Schluss daheim durch einen Flipper-Gegentreffer. Kapitän Willi Orban bezeichnete das unglückliche 0:1 damals als „lächerliches Slapstick-Tor”. Und wieder tanzten die diesmal 25 Sandhausener Anhänger Polonaise durch den Gästeblock.

„Was für ein Brett!”

RB sollte also gewarnt sein, wenn der Bundesliga-Spitzenklub in der ersten DFB-Pokalrunde beim gerade so dem Abstieg entronnenen Zweitliga-15. antritt. Gegen keinen anderen Zweitligisten außer St. Pauli hat RB eine schlechtere Bilanz. Zwar ist bei RB viel passiert seither und Sandhausen hat eine schwere Saison hinter sich, doch der Umbruch vor der zehnten Zweitligasaison ist mit 15 Abgängen eingeleitet. In diesem einen K.o.-Spiel hofft der Außenseiter natürlich auf die große Überraschung. „Was für ein Brett!”, kommentierte der sportliche Leiter Mikayil Kabaca das Los. Für die Hausherren gelte es nun, „im Idealfall für eine Pokalsensation zu sorgen“.

Gerhard Kleppinger, der Erfahrenere im Trainergespann mit dem Wiener Stefan Kulovits, sagt: „Im Pokal gibt es immer wieder Sensationen, gerade in der ersten Runde. Unser Vorteil wird es sein, dass wir bis zur ersten Pokalrunde unsere ersten Partien in der 2. Liga bereits absolviert haben werden.”

Wiedersehen mit dem Ex-Fanbeauftragten Timm Merten

Der prominenteste Spieler des Zweitligisten ist sicher Ex-HSV-Profi Dennis Diekmeier, der jedoch aktuell nach einem Abriss des Syndesmose-Bandes noch verletzt ist und den Zweitligaauftakt gegen Fortuna Düsseldorf verpassen wird. Ein prominenter Name aus der Bundesliga ist der von Stürmer Alexander Esswein, der in der Bundesliga mit Hertha schon einmal gegen RBL gewann (3:2).

Ein Wiedersehen der Fans gibt es mit dem ehemaligen Leipziger Fanbeauftragten Timm Merten, der bei den Anhängern beliebt war, aber nach klubinternen Zerwürfnissen 2019 Leipzig nach nicht einmal einem Jahr wieder verließ und nach Sandhausen wechselte. (RBlive/ukr)

></div><p class=