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Faktencheck Babylon Leipzig: Was ist dran am "Sprachen-Wirrwarr" bei RB?

Martin Demichelis spricht nur begrenzt Deutsch und kaum Englisch. Trotzdem gibt es gute Gründe, warum das angebliche „Sprachen-Wirrwarr“ bei RB Leipzig größer klingt, als es im Trainingsalltag ist.

Von Martin Henkel 18.09.2026, 05:53
RB-Coach Martin Demichelis unterrichtet seine Spieler.
RB-Coach Martin Demichelis unterrichtet seine Spieler. Foto: Imago/Picture Point LE

Leipzig – 5:0 gegen den HSV gewonnen und trotzdem herrscht im Umfeld von RB Leipzig weiter Skepsis, ob der neue Trainer Martin Demichelis auch der optimale Trainer für Rasenballsport ist. Nicht nur, weil er im Sommer auf den Posten des erfolgreichen und beliebten Ole Werner gestellt wurde. Sondern, weil er vielleicht nicht die nötigen Talente mitbringt.

Die Folge: Sprachen-Wirrwarr

Dazu gehörig: Sprache, Ansprache, Motivation und Klarheit. Der Argentinier, wenn auch unfreiwillig, habe die RB-Kabine in eine Art Babylon verwandelt, legte jetzt ein Boulevard-Magazin nahe. Viele Sprachen, keine Verständigung. Der Grund: Demichelis spricht nur limitiert Deutsch und nur wenig Englisch. Die Folge: „Sprachen-Wirrwarr“.

Fakt ist, die Sprachkenntnisse von Martin Demichelis sind bei RB tatsächlich ein Thema. Der Argentinier spricht Deutsch, aber nicht fließend, sondern mit einem überschaubar kleinen Vokabular. Sein Englisch wiederum bezeichnete der 45-Jährige selbst vor der Saison als „noch nicht so gut“. Und das, obwohl er zwischen 2013 und 2016 für Manchester City gespielt hat. Sein Trainer damals allerdings: der Chilene Manuel Pellegrini.

19 verstehen Deutsch

Was nun aber ist dran, an den Unkenrufen, der Coach des Tabellenfünften erreiche seine Spieler über die Sprache nur schwer – und verursache damit Unsicherheit in der Kabine, was den Paternoster-Start in die Saison weitgehend verständlich mache? Der aktuelle Profikader umfasst 29 Spieler. 19 von ihnen verstehen Deutsch so gut, dass sie fußballspezifische Anweisungen problemlos verarbeiten können. Sieben Profis sprechen Französisch und werden bei Bedarf von Teammanager Babacar N’Diaye mit Übersetzungen versorgt. So wie in den Jahren zuvor.

Auch Spanisch ist kein Problemthema, denn Demichelis ist Muttersprachler. Er deckt damit mögliche Verständigungsprobleme mit Neuzugang Marc Guiu selbst ab. Und zwischen dem Brasilianer Romulo und dem Argentinier Demichelis sind, was Sprache anbetrifft, die Übergänge fließend. Nach RBlive-Informationen spielt Englisch deshalb im gesamten Kader nur bei zwei Profis eine möglicherweise größere Rolle: beim Norweger Antonio Nusa und beim Serben Andrija Maksimovic. Was sie für ihr Spiel brauchen, verstehen sie mittlerweile aber auch auf Deutsch.

Eberl über Demichelis: "Englisch sollte er können"

Von einer Mannschaft, die auf Englisch als gemeinsame Arbeitssprache angewiesen wäre, kann deshalb keine Rede sein. Vermutlich geht es eher um Nuancen. Vor allem bei Motivationsreden in der Kabine ist Demichelis’ Deutsch möglicherweise ein Hindernis, weil ihm eben auch fließend Englisch abgeht. Bei den Bayern jedenfalls war das vor gut zwei Jahren wohl ein Thema. Der frühere Profi und Nachwuchstrainer an der Säbener Straße wurde damals als einer der Nachfolger von Thomas Tuchel gehandelt. Sportvorstand Max Eberl erklärte, der neue Trainer müsse nicht zwingend Deutsch können, „aber Englisch sollte er sprechen“.

Die Baustelle, dass aktuell vielleicht ein weiterer Übersetzer für die Spieler bei den Trainings fehlt, hat sich RB zudem selbst aufgemacht und fällt nicht auf den Coach zurück. Ende vergangenes Jahr trennte sich der Klub vom Kolumbianer Mauricio Sanchez, der sich seit 2019 um die spanisch- und portugiesischsprachigen Spieler gekümmert und für sie während der Sitzungen und Trainings übersetzt hatte. Seine Aufgaben wurden nicht eins zu eins ersetzt.

Sprache und Misserfolg: Trapattoni beim FCB

Dass Sprache für einen Trainer zum Problem werden kann, ist übrigens nicht neu. Mitte der Neunziger und Anfang der 2000er bewies „Flasche-leer-Coach“ Giovanni Trapattoni bei seinen drei Bundesliga-Engagements (zweimal Bayern, einmal VfB), dass er letztlich zu eingeschränkt war für die Jobs. Der Italiener bezeichnete seine fehlenden Sprachkenntnisse später selbst als sein „größtes Hindernis“ in München. Das habe „viele Probleme“ verursacht.

Mehrfach wurde berichtet, dass die Bayern-Spieler teilweise nicht im Ansatz verstanden, was Trapattoni im Training von ihnen wollte. Beim VfB Stuttgart 2005 sollte deshalb Co-Trainer Andreas Brehme übersetzen. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger erinnerte sich später, dass Spieler in Besprechungen teilweise rätselten: „Was meint er jetzt genau?“ Zudem misstrauten sie Brehme, ob der alle Details tatsächlich übersetze.

Raum: „Er erreicht die Mannschaft gut“

Demichelis ist von solchen Zuständen weit entfernt. Im Trainingslager korrigierte der Coach Pressinghöhen und die Positionen der Abwehrketten, er gab Pressingsignale vor und unterbrach Übungen für konkrete Anweisungen. Kapitän David Raum sagte in Saalfelden über den Trainer: „Er erreicht die Mannschaft gut.“

Auch nach dem 5:0 gegen den HSV am vergangenen Wochenende lobte Raum die Kommunikation des Argentiniers. Demichelis habe sich mit einzelnen Gruppen zusammengesetzt, vor der Mannschaft gesprochen und sei „direkt positiv“ geblieben.

Nicht jede Verständigung ist eine Sprachfrage

Viel eher als Demichelis‘ Sprachbarrieren müssen Kader und Trainer aktuell über ganz andere Hürden springen. Nach einem Auf- und Ab-Start in die Saison (drei Siege, zwei Niederlagen) wartet am Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Leverkusen die nächste große Herausforderung. Sie dürfte eher über Einzelqualitäten, Kameradschaft und die grundsätzliche Duellbereitschaft des Kaders entschieden werden, als von einem vermeintlichen Babylon in der Kabine.