Spiele gegen Frankfurt, Bayern, Real "Ich liebe Druck": RB-Trainer geht Schicksalswochen entspannt entgegen
Martin Demichelis steht vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt aufgrund der wechselhaften Wochen davor unter Erfolgsdruck. Der Trainer von RB Leipzigs nimmt es gelassen hin.

Leipzig/hen - Martin Demichelis war als Spieler Innenverteidiger. Zweikämpfe zu führen, ist also seine Hauptaufgabe gewesen, und vielleicht besteht genau darin für den Argentinier der Reiz, dass es im Leben immer mal wieder auf die Socken gibt. Auf der Pressekonferenz am Freitag vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt heute Abend (18.30 Uhr) sagte der Trainer von RB Leipzig: „Ich liebe Druck. Das Adrenalin, das das hervorbringt, darum geht es im Fußball.“
Entlassungsdebatte angezündet
Man muss sich wohl weniger Sorgen um den 45-Jährigen machen, als es in den vergangenen Wochen den Anschein hatte. Mit einem 0:2 in Leverkusen hatte der Argentinier an der Spitze des RB-Kaders den ersten Block an Spielen vor der jüngsten Länderspielunterbrechung beendet. Davor waren ihm ein Sieg im Pokal gegen Trier und zwei Heimsiege gegen die Kellerkinder Gladbach und HSV gelungen. Und er hatte zwei weitere, derbe Niederlagen in Bremen (1:3) und bei Como 1907 in der Champions League (1:4) erlitten. Drei Pleiten, drei Siege, und das bei einem Klub wie Rasenballsport: Das zündet in der Regel Entlassungsdebatten an.
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Demichelis lässt die aktuelle Situation vermutlich zwar nicht kalt, aber er scheint die Herausforderung zu mögen und kann darauf zählen, dass er noch das Vertrauen der sportlichen Leitung um Marcel Schäfer besitzt, auch wenn sich der Sportboss zuletzt nicht zur Lage seines Übungsleiters geäußert hat.
Schicksalsduelle warten
Die nächsten Spiele aber werden trotzdem darüber entscheiden, ob Demichelis zur nächsten Länderspielunterbrechung Mitte November noch im Amt ist. Bis dahin warten Schicksalsduelle mit Frankfurt, Eindhoven, Bayern, Real Madrid, Elversberg, Essen, Schalke 04, Manchester City, Augsburg und Union Berlin.
Vielleicht sind es sogar weniger Partien, in denen Demichelis die Funktionäre am Cottaweg bei RB und in Fuschl am See von sich überzeugen muss. Schon vor dem Spiel gegen Elversberg würde sich ein Wechsel anbieten. Wie man so hört, ist das Vertrauen in den früheren Bayern-Spieler nämlich nicht ungeteilt. Namen von möglichen Nachfolgern kursieren bereits.
Nagelsmann bedauert RB-Weggang
So wie der von Julian Nagelsmann. Der Ex-Bundestrainer, mit einem WM-Vorrunden-Aus in diesem Sommer entlassen und seither ohne neuen Job, war schon mal Trainer bei RB (2019 bis 2021) und hat damals einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach einer Vizemeisterschaft und einem Champions-League-Halbfinale wechselte er zum FC Bayern und hinterließ vor allem bei Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff den Eindruck, dass man „mit Julian schon längst die Meisterschaft gewonnen hätte“.
Auch Nagelsmann bedauerte im Nachhinein, so früh weitergezogen zu sein. Immerhin war beim Branchenführer nach eineinhalb Jahren Schluss und auch die drei Jahre als Bundestrainer haben ihm keine Fortune beschert.
"Wir wollen die drei Punkte"
Mintzlaff, so hört man munkeln, würde einem Comeback offen gegenüberstehen. Ob auch Nagelsmann, ist unklar. Eigentlich zieht es den 39-Jährigen in die Premier League, wo aber gerade keine Stelle vakant ist.
In dieser Gemengelage unternimmt Demichelis derweil die Vorwärtsverteidigung, indem er die Hormonausschüttung angesichts seiner Situation nicht nur pries, sondern dieselbe Einstellung auch von seinem Personal erwartet. „Wir müssen mutig sein“, sagte er gestern mit Blick auf das Duell mit den Hessen und forderte, dass „mit und gegen den Ball“ am Anschlag agiert wird. Um, und es würde ihm tatsächlich erst einmal Luft verschaffen, „die drei Punkte bei uns zu lassen“.