Transfer-Endspurt RB-Kader zu groß: Demichelis stellt seine Spieler vor die Wahl
Neun Tage vor Transferschluss sind bei RB noch zahlreiche Personalien offen. Martín Demichelis fordert von seinen Spielern nun eine klare Entscheidung.

Leipzig/hen – Umbrüche aller Art gehören am Cottaweg mittlerweile zum Alltag. Gern, wie vergangenes Jahr, werden sie zu Aufbrüchen umgedeutet, damit die Schärfe aus den Maßnahmen kommt. Diese Transferperiode will aber beides irgendwie nicht gelingen, und langsam nimmt eher eine dritte Variante des Kader-Umbaus Gestalt an: der Abbruch.
Schäfer muss "Platz schaffen"
Man kann ihn mehrfach deuten. 33 Mann ist der Kader groß. Zu groß für den Trainer und die sportliche Leitung um Marcel Schäfer, der neulich meinte, um neue Spieler holen zu können, müsse er erst einmal Platz schaffen.
Abbruch beschreibt aktuell aber auch die Misserfolge am Transfermarkt, mit denen sich Rasenballsport auseinandersetzen muss. Erst musste der Kauf von Hoffenheims Stürmer Fisnik Asllani gestoppt werden, weil beim Kosovaren ernsthafte Bedenken an dessen körperlicher Verfassung bestanden. Und jetzt auch noch El Mala: Der Kölner Shootingstar stand ebenfalls auf Schäfers Einkaufsliste, wenngleich mit mehreren Fußnoten versehen. Mitten in den Verhandlungen entschied der 19-Jährige plötzlich, in der Effzeh-Bubble zu bleiben – und verlängerte seinen Vertrag bis 2031.
"Wer nicht kämpfen will, soll ehrlich sein"
Trainer Martin Demichelis hat nun vor dem Pflichtspielstart in die Saison mit dem Pokalspiel heute bei Eintracht Trier (18 Uhr) seinen 33 Spielern ins Gewissen geredet. Wohlwissend, dass es gut sein kann, mit genau diesen Spielern in seine erste Spielzeit als RB-Coach gehen zu müssen. „Ich habe heute offen mit der gesamten Mannschaft gesprochen“, sagte er am Freitag auf der Pressekonferenz, „und ich habe den Spielern gesagt: Wer unzufrieden ist und nicht bereit ist, für seinen Platz zu kämpfen, der soll ehrlich sein und dem Klub sagen, dass er nicht gern bleiben möchte.“
Adressaten für seine Ansage gibt es ein paar. Darunter sind Arthur Vermeeren und Eljif Elmas, die den Klub verlassen sollen. Für den Belgier gibt es aber aktuell keinen Markt und Elmas wartet noch ab, was sich in der Serie A tut.
Harder und Demichelis sprechen
Auch El Chadaille Bitshiabu gilt als Kandidat, ebenso Conrad Harder, mit dem der Trainer wohl zwei Vieraugengespräche geführt hat. Gestern ließ er durchblicken, dass diese Treffen eher zu einem Abbruch der Beziehung zwischen dem Dänen, RB und seinem neuen Übungsleiter führen werden.
Demichelis' Botschaft war allerdings nicht als Drohung gemeint. Sondern eher als Aufforderung für eine Entscheidung. Wer gehen möchte, bitte melden. Wer bleiben möchte, top! Dann aber mit bester Laune in die Positionsduelle.
Kommt der Abbruch voran?
Für den Argentinier ist das auch eine Art Selbstschutz. Solange Schäfer den Kader nicht entscheidend verkleinert, muss Demichelis nämlich mit einer Mannschaft arbeiten, in der mehrere Spieler eigentlich keine langfristige Perspektive haben.
Noch aber ist Transferfenster neun Tage geöffnet. Doch die Zeit wird knapp. Auf den Außenbahnen und im zentralen Mittelfeld sucht RB weiterhin Verstärkung, auch im Sturm dürfte nach der Harder-Degradierung (Tidiam Gomis startet anstelle des verletzten Romulo in Trier) noch etwas passieren. Vorausgesetzt, die Abbrucharbeiten kommen voran.