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RB-Trainer  Skepsis in Neugier verwandeln: Demichelis' schwieriger Saisonstart

Mit dem DFB-Pokalspiel heute beginnt für Martin Demichelis seine erste Saison als Trainer von RB Leipzig – und in der Bundesliga. Vor ihm liegen Chancen aber auch Hürden und Stolpersteine. Ein Überblick

Von Martin Henkel, Ullrich Kroemer 22.08.2026, 10:28
Martin Demichelis startet heute mit RB in seine erste Trainersaison in der Bundesliga. Was erwartet ihn?
Martin Demichelis startet heute mit RB in seine erste Trainersaison in der Bundesliga. Was erwartet ihn? Foto: Imago/Laci Perenyi

Leipzig – Bei Eintracht Trier heute im DFB-Pokal (18 Uhr) beginnt für RB Leipzigs neuen Trainer Martin Demichelis nicht allein die Pflichtspielsaison, sondern auch der erste große Testfall in seiner noch jungen Seitenlinien-Karriere. Hat der Argentinier das Zeug, einen Bundesliga-Topklub zu coachen?

Kritische Blicke

Das ist die Einstiegsfrage in seine Leipziger Zeit, die noch geprägt ist von den Umständen seiner Anstellung. Die Blicke auf den 45-jährigen Nachfolger mögen deshalb kritischer ausfallen, als üblich. Bislang aber hat ihnen der Neue standgehalten und in den vergangenen sechs Wochen Vorbereitung Eindrücke vermittelt, die zumindest Skepsis in Neugier verwandelt haben.

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Auftreten: Öffentliche Auftritte beschränkten Martin Demichelis und sein Trainerteam bislang auf das Nötigste. Sie wollen erst einmal abliefern, bevor sie große Reden schwingen und sich erklären. So weiß man öffentlich noch wenig Konkretes über die Gedanken des Vize-Weltmeisters. Er spricht zwar nach elfeinhalb Jahren in München beachtlich Deutsch – viel besser als Englisch – doch so richtig in die Tiefe wollte oder konnte „Micho” bislang nicht gehen – ähnlich wie seine Mannschaft auf dem Spielfeld.

Spaß und Peitsche

So bleibt noch vieles an der Oberfläche. Intern aber wirken der Argentinier und sein Stab sehr prägnant auf die Mannschaft ein und setzen ihre Version von Zuckerbrot und Peitsche um. Demichelis kann ein Spaßvogel und Kumpeltyp sein, der Spielern Motivation und Selbstvertrauen schenkt, aber auch „am nächsten Tag sofort sauer sein”.

Zwischen zwei Extremen umzuschalten, sei kein Problem für ihn. Bislang hat man den im Training fordernden, aber stets in sich ruhenden Demichelis gesehen. Es wird auch sein anderes Gesicht zum Vorschein kommen.

Raum mag die "südländische Art" des Trainers

Das sagen die Spieler: Die Akteure sind bislang voll des Lobes – sie können den neuen Übungsleiter ja auch schlecht von Beginn an anzählen. Doch Kapitän David Raum & Co. vermittelten sehr glaubwürdig, dass ihnen die Art und Weise des neuen Übungsleiters taugt.

Immer wieder betonten die Profis, dass man spüre, dass Demichelis selbst auf Weltklasseniveau gespielt hat, so ein besonderes Gespür für die Situation seiner Akteure habe und im Training selbst immer mit am Ball sei. „Ich mag diese südländische Vollgas-Mentalität – immer mit vollem Herzen, das brauchen wir auch für unser Spiel”, sagte Raum.

RB und Jürgen-Klopp-Fußball

Spielidee: Demichelis ist eine Jürgen-Klopp-Verpflichtung. Der frühere Red-Bull-Fußballchef, mittlerweile auf den Bundestrainer-Posten gewechselt, hat sich mehr „Intensity“-Fußball gewünscht statt kontrollierten Ole-Werner-Ball. Demichelis wird also die von Klopp vorgegebene 4-3-3-Grundformation spielen. Sprich: hoch pressen, schnell umschalten, über die Flügel Unruhe stiften. Immer auf Taurin wird es aber nicht geben.

Demichelis ist Argentinier, und Argentinier sind nicht nur Ballräuber. Heißt, sein Team wird auch dominant sein wollen. „Ich liebe den Ball”, sagte er neulich. „Wir müssen als Mannschaft schnell lernen, den Ballbesitz zu genießen. Das Spiel zu kontrollieren und zu dominieren, den Gegner müde zu machen – das ist die große Kunst.”

Neuland für den Trainerstab

Stolpersteine: Demichelis‘ größte Herausforderung ist der Faktor Zeit. Nach einem eher geruhsamen Saisonstart in Trier sowie Gladbach, Bremen und dem HSV in der Liga, wird es anschließend knackig. Es folgen die Duelle gegen Leverkusen, die Bayern und Eintracht Frankfurt. Parallel startet in der zweiten Septemberwoche die Champions League.

Neuland für den Trainer, seine Assistenten und viele Spieler aus seinem Team, das zudem immer noch nicht fertig gebaut und aktuell unausgewogen ist. Zwar wird der Neue Schonfrist bekommen und niemand erwartet einen Raketenstart, doch spätestens nach dem Bayern-Auswärtsduell Mitte Oktober werden er und sein Personal liefern müssen: Dann nämlich kommen die Spiele gegen Elversberg, Schalke, Augsburg, Union und Freiburg, die den Kurs für den weiteren Saisonverlauf vorgeben werden.