Martín Demichelis Viel Argentinien - und ein bißchen FC Bayern: Ist das der neue RB-Stil?
Der neue Leipzig-Trainer hat seine Ideen vorgestellt, wie er sich den künftigen RB-Fußball vorstellt. Vieles erinnert an den amtierenden Weltmeister – und ein bißchen auch an den FC Bayern.

Leipzig – Martín Demichelis hat sich umgeschaut. Zweimal war er bereits in der Akademie von RB Leipzig gewesen, bevor er am vergangenen Wochenende das erste Mal auf seine neuen Spieler traf. Medizincheck, Gespräche, Kennenlernen - und überall zu lesen der neue Markenclaim des von Red Bull gesteuerten Klubs: „Intensity is our Identity“.
Auserzählte Aufstiegsgeschichte
Was Wunder! Der Spruch passt zum Kerninhalt der Red-Bull-Drinks und soll ein neues Narrativ hervorbringen, dessen Vorgänger mit der fortschreitenden Verrentung der Aufstiegsgeneration von 2016 auserzählt ist.
„Ich habe das hier mehrmals gelesen“, bezog sich der Argentinier bei seiner Antritts-Pressekonferenz an diesem Montag auf das angepinselte Mantra in den Räumen und Fluren des Leipziger Basislagers am Cottaweg. „Das gefällt mir“, so Demichelis. „Leidenschaft, mutig sein, offensiv sein – das hat auch meinen Lebenslauf als Spieler geprägt. Das mag ich sehr.“
Demichelis: Argentinier durch und durch
Was die Fans vom Neuen erwarten können, ist demnach kein Geheimnis mehr. Als Profi war der 45-Jährige früher Innenverteidiger: Spieler u.a. bei River Plate, dem FC Bayern, Manchester City, Malaga. Ein Knochen am Gegner, gleichzeitig kein Holzbein, sondern kunstfertig am Ball. Und mental: ein Argentinier durch und durch.
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Er fügte zu den Rezeptbausteinen seines Fußballstils deshalb auf der PK noch „Aggressivität“ hinzu, eine Eigenschaft, die den Fußball in seiner Heimat präge, so Demichelis. Und die man auch bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko gerade vom amtierenden Weltmeister vorgeführt bekommt, der am Mittwoch mit harter Gangart, Kampfgeist und viel fußballerischer Klasse England nach 0:1-Rückstand durch zwei späte Treffer ins kleine Turnierfinale geschickt hat.
Eigenarten des RB-Kaders
Dass der ewige Star Lionel Messi dem Spiel der „Albiceleste“ zufügt, was die Mannschaft von anderen eklatant unterscheidet, gibt einen Hinweis darauf, dass Demichelis den Ansatz seines Trainerkollegen Lionel Scaloni nicht eins zu eins für sein RB-Personal übernahmen wird – und kann. Das Messer zwischen die Zähne zu klemmen, ersetzt keinen klugen Matchplan und erfordert eine Anpassung seiner Wünsche an die Talente und Eigenarten des Kaders.
Auf seinen vorherigen Stationen als Coach in Argentinien (River), beim mexikanischen Traditionsklubs CF Monterrey und bei Spaniens Vorsaison-Absteiger RCD Mallorca ließ Demichelis im bei RB gerade bevorzugten 4-3-3 spielen. In diesem System sind für den Südamerikaner drei Dinge zentral: kontrollierter und flacher Spielaufbau, breites Spiel mit technisch begabten Flügelspielern und hohes Pressing bei Ballverlust. Hinzukommen längere Ballbesitzphasen, wenn nötig. Nicht anders also, als sein Vorgänger Ole Werner.
Brav, jung, wankelmütig
Was RB trotzdem dazu bewogen hat, den Trainer zu tauschen, liegt an der Hoffnung, dass der neue Coach mehr Punch ins Team bringt – und damit auch in die Partien der Spieler. Demichelis will liefern. „Das Wichtigste ist, dass wir schnell einen Spirit in die Mannschaft bekommen“, sagte er am Montag. Ich möchte, dass wir mutigen Fußball spielen.“
Die große Frage, die Demichelis anfangs allerdings in seine erste Saison begleiten werden, ist die, ob er für seine Pläne die nötigen Spieler vorfindet. Der Kader ist bekannt dafür, so talentiert zu sein, wie er jung ist, mitunter ziemlich brav, weitgehend ruhig, etwas in sich gekehrt und wankelmütig.
"Diese Dinge passen gut zusammen"
Immerhin ist dem Argentinier diese - vielleicht auch durch das Niveau des deutschen Fußballs hervorgebrachte - Eigenart nicht fremd. Seine erste Trainerstation war die als Übungsleiter der 2. Bayern-Mannschaft. Zwölf lange Jahre kommen so als Spieler und Trainer in Deutschland zusammen. „Ich weiß deshalb, wie wichtig Disziplin, Pünktlichkeit und eine gute Organisation als Voraussetzung für gute Spiele sind“, sagte er. Gleichzeitig komme er aus einer Kultur, in der Bissigkeit und Hingabe nicht verhandelbar seien. „Diese zwei Dinge“, so Demichelis, „passen für einen Trainer gut zusammen.“