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Von Martin Henkel

Mit Kung-Fu ins Finale Die Spieler von RB Leipzig nach dem Pokal-Krimi in der Einzelkritik

Viel Kung-Fu im Spiel: Yussuf Poulsen

Viel Kung-Fu im Spiel: Yussuf Poulsen

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 2:1 (1:1, 0:0, 0:0)-Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale bei Werder Bremen gesehen:

Peter Gulacsi: Wie so oft: Kraken-Peter hatte nicht allzuviel zu tun gegen Bremen. Vielleicht hĂ€lt er sich seine Zukunft bei RB ja deshalb offen, wer weiß... Einmal musste er einen Schuss von Sargent entschĂ€rfen (10.), einmal eine Werder-Ecke kurz vor dem regulĂ€ren Ende, alle anderen Versuche der Bremer gingen drĂŒber oder - teils knapp - daneben. Beim vermasselten RĂŒckpass von Upamecano vor dem 1:1 sah aber auch der Ungar nicht gut aus. Die Frage, ob rauskommen oder drinbleiben, entschied er mit: irgendwas dazwischen. Note: 3.


Dayot Upamecano: Sehr wacklig, hin und wieder mit schlechtem Stand und schwachen Nerven wie bei seinem RĂŒckpass auf Gulacsi vor dem 1:1: ein zittriger Auftritt des neuen Bayern-Spielers. Note: 3,5.


Ibrahima KonatĂ©: Spielte im Dreierketten-Zentrum und bekam es mit Ex-RBler Davie Selke zu tun, der den langen Franzosen ab Mitte der ersten Halbzeit ein ums andere Mal nervte und ihm die KopfbĂ€lle stahl. Fing sich erst, als der frĂŒhere Leipziger StĂŒrmer den Platz verließ. Note: 3,5.

Willi Orban: Der Meister der kĂŒhlen Nerven bekam seit langem mal wieder das Zittern. Ließ sich von der NervositĂ€t seiner Nebenleute anstecken und hatte vor allem gegen Sargent und Osako einige Probleme, auch Selke nervte den Abwehrchef. Setzte einen Ecken-Kopfball in Willi-Manier aufs Bremer-Tor ab, der an die Querlatte sprang. Note: 3.


Nordi Mukiele: Engagiert wie immer, athletisch, viel Verve, viel Wollen - aber kein ĂŒberragendes Können an diesem Abend. Hatte in der Defensive nicht allzuviel zu tun, nach vorn lief aber auch nicht alles wie erwĂŒnscht zusammen. Kaum eine Flanke in den Strafraum, kaum ein Pass, der ankam. Hatte selbste eine große Torchance, der Pfosten verhinderte den Einschlag (53.). HĂ€tte aber nicht gezĂ€hlt, Mukiele stand im Abseits. Note: 3.


Kevin Kampl: Viel Routine war gefragt, um gegen Frikadellen-heiße Bremer die Ruhe zu behwahren. Kampl hatte sie. Hielt die Defensive zusammen, sorgte fĂŒr MentalitĂ€t und Struktur - und leitete den Siegtreffer mit seinem Lupfer auf Hwang ein.  Note: 2,5.

Angeliño: Ist (noch) nicht wieder der alte "Angel" wie vor seiner Verletzung. War viel am Debattieren mit seinen Kollegen, oft genervt, bekam mehrfach spanische Anweisungen von Nagelsmann ĂŒbermittelt und hatte die alten Problem, seine vielen PĂ€sse und Flanken in den Strafraum zielgenau abzusetzen. Drei aber fĂŒhrten zu Großchancen. Einmal bediente er Sörloth kunstvoll mit dem Außenrist, der Pavlenka mit der Stirn herausforderte (4.), einmal Nkunku, der den Pfosten traf (78.) und ein weiteres Mal Poulsen, der den Werder-Keeper wieder prĂŒfte (90.+4). Note: 3.


Amadou Haidara: Brachte die nötige MentalitĂ€t mit, die es fĂŒr einen Pokalfight braucht. Bedeutet aber immer auch, am Rande von Verwarnungen zu spielen. Holte sich gegen Ende der ersten HĂ€lfte von GrĂ€fe Gelb an und musste deshalb aus SicherheitsgrĂŒnden in der Pause Nkunku weichen.  Note: 3.


Dani Olmo: Nagelsmann wollte den Spanier in der zweiten HĂ€lfte eigentlich vom Feld nehmen und durch Forsberg ersetzen. Der Mittelfeldspieler kam mit der Gangart des Gegners lange nicht zurecht, schien genervt, hatte kaum Anbindung ans Spiel, verhedderte sich im Bremer Netz oder spielte konventionelle PĂ€sse. Mitte der zweiten HĂ€lfte aber ging ein Ruck durch den 22-JĂ€hrigen, der fortan ĂŒberall zu finden war, clever dribbelte, den Gegner stresste, BĂ€lle klaute und gefĂ€hrliche PĂ€sse spielte - darunter den auf Poulsen, der zum 1:0 fĂŒhrte. Note: 2,5.

Marcel Sabitzer: Erster Einsatz nach seiner Wadenverletzung, die ihn im "Irrenhaus" Weserstadion nach 74 Minuten zwang, das Feld zu rĂ€umen. Bis dahin kaum auffĂ€llig, hatte auf der "Acht" keinen großen Einfluss aufs Spiel, wurde bei Ballbesitz meist gedoppelt und weitgehend an den linken Feldrand gedrĂ€ngt. Hatte nur 45 Ballkontakte, aber immerhin: laut "kicker" eine Zweikampfquote von 100 Prozent. Ein Sabitzer ist auch gehandicapt immer heiß. Note: 3,5.


Alexander Sörloth: Dritter Starteleinsatz des Norwegers in Serie, der Wasser auf die MĂŒhlen seiner Kritiker gab, auch denen in der Kabine. War bis auf seinen Kopfball in der 4. Minute komplett ungefĂ€hrlich, hatte keine Bindung zum Spiel, bewegte sich schwerfĂ€llig wie ein Zementsackschlepper, verlor viele Zuspiele, verlor so gut wie jedes Kopfballduell (der StĂŒrmer ist 1,98 Meter groß), und scheint im Team nicht sonderlich gelitten. Wurde ein ums andere Mal fĂŒr seine Laufwege oder Zuspiele gerĂŒffelt und ansonsten weitgehend ignoriert.  Note: 4.


Christopher Nkunku (46.): Ersetzte den Gelb-Rot-gefĂ€hrdeten Haidara und sollte mehr Ballkontrolle und Spielwitz in die Partie bringen. VerĂ€nderte fĂŒr eine Weile die Dynamik im Spiel entscheidend, indem er in alle Richtungen klug die FĂ€den zog und BĂ€lle verteidigte. Hatte einmal einen Treffer auf dem Fuß, sein Schuss klonkte aber gegen den Pfosten (78.) und bereitete Orbans Lattentreffer vor (65.). Musste in der 114. wegen einer Verletzung wieder runter, was ihn freilich nur halb gegrĂ€mt haben dĂŒrfte. Er machte Platz fĂŒr Matchwinner Emil Forsberg. Note: 2,5.


Yussuf Poulsen (74.): Spielte erst an der Seite seines Turm-Partners Sörloth im Sturm, danach allein auf weiter Flur in der Spitze der RB-Elf. Brachte wie immer die nötige Power mit, diesmal im Kung-Fu-Style, den sein skandinavischer Buddy Forsberg spĂ€tzer zum 2:1 aufnahm. Allerdings fehlte dem DĂ€nen ein wenig Fortune. Kam drei, vier Mal in gute Abschlusspositionen, letztenlich aber war sein Kopfball, den Pavlenka kurz vor dem Ende der regulĂ€ren Spielzeit abwehrte, Poulsens gefĂ€hrlichste Aktion. Er kann sich immerhin zugutehalten, dass er am 1:0 beteiligt war, in dem er das Zuspiel von Olmo seinem Gegenspieler Gebre Selassie ans Bein spitzelte. Von dort flipperte der Ball Hwang vor die FĂŒĂŸe. Note: 3.


Hwang (90.): Der nĂ€chste Kurzeinsatz (20.) des stillen SĂŒdkoreaners - und der erste Ausweis der Klasse, die in ihm steckt. War agil, prĂ€sent, immer anspielbar und fand stets die richtigen Gassen. So wie vor seinem 1:0 und der Kopfballvorlage auf Forsberg zum Last-Minute-Siegtreffer. Ein kurzer Einsatz mal wieder, aber knackig. Note: 1,5.

(RBlive/hen)