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von Martin Henkel

SCP-Kapitän Gjasula: „RB ist momentan die beste Mannschaft der Liga“

Anführer beim SC Paderborn: Klaus Gjasula geht in seiner ersten Bundesliga-Saison gleich als Kapitän voran.

Anführer beim SC Paderborn: Klaus Gjasula geht in seiner ersten Bundesliga-Saison gleich als Kapitän voran.
Copyright: imago/Jan Huebner

Sie wirkt wie ein modernes Fußball-Märchen, die Karriere von Klaus Gjasula. Der fast 30-Jährige kickte bis 2016 in der vierten Liga. Nach einem halben Jahr bei den Stuttgarter Kickers wechselte er im Sommer 2016 zum Halleschen FC in die 3. Liga. Hier war er Kapitän. 2018 verpflichtete der SC Paderborn den defensiven Mittelfeldspieler und stieg  in die Bundesliga auf. Inzwischen ist Gjasula Kapitän unter Trainer Steffen Baumgart und spielt auch für die albanische Nationalmannschaft - in der EM-Qualifikation unter anderem gegen die Weltmeister aus Frankreich. Am Sonnabend führt Gjasula die Paderborner in das Bundesliga-Spiel des Letzten gegen RB Leipzig. Vorher unterhielt er sich mit Martin Henkel.

Herr Gjasula, vergangene Woche hatten Sie Borussia Dortmund am Rand einer Niederlage. Jetzt kommt RB Leipzig vorbei. Würden Sie Geld auf einen Heimsieg setzen?

Klaus Gjasula: Puh, schwer zu sagen. RB ist eine absolute Topmannschaft, das zeigt auch die Tabelle. Sie sind extrem gut drauf und momentan die beste Mannschaft der Liga.

Noch vor den Bayern?

Ja. RB spielt 90 Minuten lang ein irres Pressing und ist sehr schwer auszurechnen.

Das klingt, als würden Sie im Vorfeld die Waffen strecken.

Niemals. Das ist nur meine Einschätzung des Gegners. Die Partie beginnt bei null und wir haben am vergangenen Wochenende gegen Dortmund gesehen, was alles möglich ist.

Vor zwei Jahren habe ich noch gegen Jena gespielt, jetzt hatten wir den BVB am Rand einer Niederlage
SCP-Kapitän Klaus Gjasula

Sie haben 3:0 geführt und mussten sich noch mit einem Remis zufriedengeben.

Das war brutal, ganz ehrlich. Und es hat sich eine Weile so angefühlt, als hätten wir das Spiel verloren. Es hat extrem wehgetan.

Für Sie war es das erste Spiel in Dortmund: Freitagabend, 82.000 Fans. Wie fühlt sich das an vor dem Hintergrund, dass Sie vor zwei Jahren noch dritte Liga gespielt haben?

Grandios! Das Stadion ist gewaltig, die größte Kulisse, vor der ich gespielt habe. Erste Liga eben. Und ja, der Unterschied ist gewaltig. Vor zwei Jahren habe ich noch gegen Jena gespielt, jetzt hatten wir den BVB in dessen Stadion am Rand einer Niederlage.

Sie haben vor elf Jahren mit ihrem ersten Verein, dem Freiburger FC, in der Bezirksliga gespielt. Danach waren sie lange Regionalligist. Plötzlich verpflichtet Sie der SC Paderborn, der selbst gerade erst der dritten Liga entkommen ist – und spielen ein Jahr später gegen die Elite des Fußballs. Müssen Sie sich manchmal kratzen?

(lacht) Ja, muss ich. Obwohl ich gar keine richtigen Gelegenheiten habe, zu genießen, was da seit Sommer passiert. Es geht alles Schlag auf Schlag. Aber es gibt Momente, meistens nach dem Spiel beim Händeschütteln mit den Gegnern, dann stehen da jetzt Reus und Hummels oder Coutinho und Thiago.

Kampfstark im defensiven Mittelfeld: SCP-Kapitän Klaus Gjasula

Kampfstark im defensiven Mittelfeld: SCP-Kapitän Klaus Gjasula

Ihren Wechsel nach Paderborn haben Sie Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche zu verdanken, der in Paderborn gearbeitet hat. Wie kam es dazu?

Mein Berater hatte mich angerufen, als ich beim HFC wegen eines Mittelfußbruches in der Reha war. Er sagte, ich soll mal nach Paderborn, die hätten Interesse. Markus Krösche meinte dann zu mir, dass sie jemanden auf der Sechs mit Mentalität suchen.

Irgendwann kommt alles dorthin, wo es hingehört
Klaus Gjasula über seine Karriere

Ihr Trainer Steffen Baumgart hat gesagt, Sie würden Spiele abliefern, die Ihnen keiner zugetraut hat. Haben Sie zu lange unter Ihrem Niveau gespielt?

Das weiß ich nicht. Wäre ich früher in die Bundesliga oder die zweite Liga gewechselt, hätte ich mich auf alle Fälle anders entwickelt. Aber ich bin kein Einzelfall. Es gibt viele Spieler in den unteren Ligen, die höherklassig spielen könnten, doch es kommt nicht dazu. Gleichzeitig denke ich immer: Irgendwann kommt alles dorthin, wo es hingehört. (RBlive)

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