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von Martin Henkel

Wolfsburg-Coach Oliver Glasner exklusiv im Interview: "RB gehört für mich zu den Titelkandidaten!"

Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner.

Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner.
Copyright: Imago/Christian Schroedter

Was er anfasst, gelingt. Keines seiner Pflichtspiele hat Oliver Glasner mit dem heutigen Gegner von RB Leipzig, dem VfL Wolfsburg bis dato verloren, und dabei ist der 45 Jahre alte Österreicher erst seit Sommer im Amt. Wie macht der Trainer der "Wölfe" das? Im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung und RBlive verrät der Trainer des Tabellenzweiten, was das mit seiner Vergangenheit bei Red Bull Salzburg zu tun hat und welche Rolle u.a. eine Joggingrunde mit Ralf Rangnick dabei spielt.

Herr Glasner, Sie und der VfL Wolfsburg reisen als ungeschlagener Tabellenzweiter zum Tabellenfünften nach Leipzig. Auf dem Papier sind
sie die Favoriten auf einen Sieg?

Oliver Glasner: (schmunzelt) Ich merke, über die Frage müssen Sie selbst lachen. Es gibt in diesem Spiel keinen Favoriten, wie ein Blick auf die Tabelle verrät. Uns trennen zwei Punkte. Ich mache mir also keine Gedanken über Favorit oder Außenseiter. Du hast immer eine Chance, zu gewinnen.

Leipzig hätte alle Spiele gewinnen können
Oliver Glasner

Sie haben keines ihrer fast 20 Spiele inklusive der Vorbereitung verloren und stellen in der Liga die mit nur vier Gegentreffern beste Abwehr der Liga. Das sind nicht die Zahlen eines Underdogs.
Die Ansprüche sind bei beiden Vereinen klar verschieden. Leipzig hat vor der Saison formuliert, dass sie um den Titel mitspielen wollen. Und sie haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie dazu in der Lage sind. Das verdeutlicht, dass Leipzig uns in diesem Bereich klar voraus ist. Und daran ändert sich nichts, nur weil wir zuletzt die Tabellenplätze getauscht haben.

Es gibt auch Kritiker in Ihrem Umfeld, die meinen, der aktuelle Erfolg des VfL sei nur geborgt, denn sie haben ausschließlich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte gespielt. Wie sehen Sie das?
Wir haben 15 PUNKTE nach sieben Spieltagen, wir sind im Pokal – wieder gegen Leipzig – dabei und sind in der Europa League ungeschlagen. Das hilft uns, den Glauben an das zu stärken, was wir machen wollen: uns entwickeln. Alles andere interessiert mich nicht.

RB Leipzig hat die vergangenen drei Spiele nicht gewonnen und zwei davon verloren. Was sagt Ihnen das über die Verfassung des Gegners.
Das ist die Gefahr: Dass man nur oberflächlich die Ergebnisse betrachtet. Wir haben uns in der Vorbereitung alle Spiele von RB angeschaut, und ich muss sagen: Sie hätten alle Spiele gewinnen können und manche gewinnen müssen bei der Vielzahl der Torchancen, die sie hatten. Ihre Spielanlage war auch in den letzten Spielen sehr, sehr beeindruckend. Deshalb gehören sie für mich zu den Titelkandidaten.

Gefällt Ihnen, was Sie gesehen haben?
Leipzig ist eine gewachsene Mannschaft, die sich immer nur punktuell verstärkt hat. Abwehr, Mittelfeld und Sturm spielen seit Jahren zusammen und bekommen eine Spielidee antrainiert, die sie versuchen, immer weiter zu verfeinern. Das ist beeindruckend.

Der Begriff der Red-Bullisierung der Bundesliga macht gerade die Runde, da viele Trainer mit Red-Bull-Entwicklungschef Ralf Rangnick zusammengearbeitet haben. Sie haben selbst eine RB-Vergangenheit und waren von 2012 bis 2014 Co-Trainer in Salzburg unter Roger Schmidt. Hat das bei Ihrer Verpflichtung eine Rolle gespielt?
Das weiß ich nicht, das müssen Sie die Verantwortlichen beim VfL fragen. Aber für mich waren das zwei sehr wichtige Jahre, weil ich in dieser Zeit neue Elemente des Fußballs und eine andere Methodik des Trainings, zum Beispiel in kurzen, intensiven Intervallen zu trainieren, kennengelernt habe.

Man hat an der Idee festgehalten, junge, hungrige Spieler zu verpflichten
Oliver Glasner

Ihre Zukunft als Trainer hätte damals binnen kürzester Zeit einen Knick erfahren können, hätten sie das Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation gegen den luxemburgischen Vertreter Düdelingen nicht überstanden.
Ja, ich war damals erst zwei Wochen Co-Trainer. Ich habe erleben dürfen, was es heißt, Zeit zu bekommen, Ideen umzusetzen. Und das Veränderungen Zeit brauchen. Salzburg ist damals zwar gegen Düdelingen ausgeschieden, spielt jetzt aber in der Champions League und stand vorige Saison im Halbfinale der Europa League.

Waren Sie überrascht, dass man Sie und Roger Schmidt damals nicht entlassen hat?
Das ganze Projekt stand tatsächlich auf der Kippe. Zu dieser Zeit war Salzburg auf der Suche nach seiner Identität. Zu Beginn spielten dort Stars, die im Herbst ihrer Karriere standen wie Nico Kovac und Alexander Zickler. Sie wurden trainierten von Startrainern wie Huub Stevens und Giovanni Trapattoni. Danach hat man es mit den Holländern wie Co Adriaanse versucht. Es war lange nicht klar, in welche Richtung es gehen soll. 2012 gab es wieder einen Neuanfang mit Ralf Rangnick als Mastermind und nach Düdelingen stand die Frage im Raum: 'Geht das jetzt so weiter?' Aber man hat an der Idee festgehalten, junge, hungrige Spieler zu verpflichten und diesen einen, aggressiven nach vorne gerichteten Spielstil beizubringen. Man sieht jetzt, wohin es geführt hat. Beide Klubs spielen in der Champions League. Es hat sich ausgezahlt.

Wenn man auf Ihre Karriere schaut, dann gab es einige Momente, in denen ihr Weg auch ganz anders hätte verlaufen können. Bevor Sie etwa Co-Trainer wurden, waren Sie als diplomierter Kaufmann Teil der Geschäftsleitung in Salzburg und hatten im Frühjahr 2012 bereits die Schlüssel Ihres Dienstwagens abgegeben. Was war passiert?
Damals war Salzburg ein Intrigantenstadl, so hatte ich mir das Arbeiten nicht vorgestellt. Dann kam aber der Neuanfang.

Es heißt, Dietrich Mateschitz hätte Sie zum Bleiben überredet.
Ich hatte damals abgeschlossen und ihm meine Wahrnehmung der Dinge dargelegt. Er sagte daraufhin nur, es gibt einen Neuanfang und wenn ich möchte, bin ich herzlich willkommen. Und wenn nicht, ist es auch okay. Überredet hat er mich also nicht.

Fiel der Name Ralf Rangnick?
Nein.

Er hat Sie später zum Trainer gemacht, richtig?
(lacht) Nicht ganz. Das war schon vorher meine Frau. Weil wir im Winter wegen der Einschulung unseres ältesten Sohnes nicht mehr in den Urlaub fahren konnten, hat meine Frau gesagt: Mach den Lehrgang, bevor du hier herumsitzt und dich langweilst. Im Nachhinein bereut sie es ein wenig. Die Alternative wäre ja auch gewesen, Lehrer zu werden. Sie meint, dann wäre ich öfter Hause.

Trotzdem landeten Sie als Erstes in der Geschäftsleitung von Salzburg. Wie kam es zum Umzug auf die Trainerbank?
Ich bin mit Ralf Rangnick im ersten gemeinsamen Trainingslager vor dem Frühstück immer zusammen laufen gegangen. Wir haben über dies und das gequatscht und plötzlich fragte er mich: 'Oliver, wo siehst du dich eigentlich?' Ich habe ihm gesagt, dass ich die langen Stunden im Büro am Telefon mit Beratern nicht so toll finde und es mich runter auf den Platz zieht. Er antwortete: 'Wir suchen einen Co-Trainer für Roger. Du kennst die Spieler. Wenn es zwischen euch passt, dann machen wir das.'

Es ging ihm immer um die Sache. Dass das Projekt nie zum Stillstand kommt.
Oliver Glasner über Ralf Rangnick

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick in den ersten Wochen erlebt?
Ich habe ihn als sehr geradlinigen, konsequenten Menschen kennengelernt. Der am liebsten rund um die Uhr irgendwas voranbringen möchte. Was ich an ihm sehr schätze, ist der Antrieb, etwas zu verbessern, zu entwickeln und wie akribisch er dann an die Sachen heran geht. Aber: Er ist auch sehr, sehr fordernd.

Braucht man ein dickes Fell, um mit ihm arbeiten zu können?
Nein. Es ging ihm immer um die Sache. Dass das Projekt nie zum Stillstand kommt. Ich erinnere mich, als wir mal 7:0 gewonnen haben und er nicht restlos begeistert war, weil er meinte, dass wir vier, fünf weitere Tore hätten schießen können.

Haben Sie noch Kontakt?
Ja, immer wieder mal.

Werden Sie sich in Leipzig treffen?
Nein, so eng ist es nicht.

Aber mit einigen Spielern gibt es ein Wiedersehen?
Ja, mit vielen. Mit Peter Gulacsi habe ich zusammengearbeitet, mit Stefan Ilsanker oder Kevin Kampl.

Wie ist Ihr Verhältnis?
Sehr gut. Das zweite Jahr war sensationell. Wir gewannen in der Europa League auswärts bei Ajax Amsterdam 3:0, kamen bis ins Achtelfinake und wurden mit einem neuen Torrekord Meister. Viele standen damals erst am Anfang und sind heute Stars, so wie zum Beispiel Sadio Mané in Liverpool. Der kam damals vom französischen Zweitliga-Absteiger, dem FC Metz. Auch das ist der RB-Weg.

Aus Talenten Topspieler zu formen?
Ja. Auf junge Rohdiamanten zu setzen und sie zu entwickeln.

Ich verstehe die Ablehnung nicht
Oliver Glasner über Red Bulls Engagement im Sport

Die Ablehnung gegen Red Bull und RB Leipzig ist bei Teilen der deutschen Fans weiterhin hoch. Sie sind Außenstehender, können Sie das nachvollziehen?
Ich denke, dass man zu wenig darüber weiß. Wenn man das von innen erlebt, ist das schon sehr beeindruckend. Red Bull tut viel für den Fußball. Die Akademie in Salzburg wurde für 70 Millionen Euro gebaut und ist auf 140 Internatsplätze ausgelegt. In Leipzig dasselbe. Im Eishockey auch. Oder in anderen Sportarten. Es wird extrem viel in die Nachwuchsarbeit investiert. Das finde ich einen super Ansatz, weil ich jemand bin, der in den Kindern unsere Zukunft sieht. Das gilt nicht nur für den Fußball.  Deshalb kann ich das nur unterstützen und verstehe die Ablehnung nicht. Es ist auch klar, dass man die Jugend nur begeistern kann, wenn man erfolgreich ist.

Sie lassen Ihre Spieler sehr kompakt verteidigen und so kontern, dass ein Tor immer fällt. Das war auch Rangnicks Herangehensweise im Vorjahr. Spielen Sie RB-Fußball?
Ich war als Spieler in der Defensive zu Hause und mir ist es wichtig, dass wir in der Abwehr stabil und kompakt stehen. Das ist die Basis und die war es auch in Salzburg und ist es auch in Leipzig. Insofern gibt es da vielleicht Parallelen. Aber es gibt auch deutliche Unterschiede in der Spielanlage.

Sie sind nach zwei Jahren in Salzburg nach Ried gewechselt, wurden Cheftrainer bei ihrem alten Heimatverein, gingen ein Jahr später zum Linzer ASK, stiegen auf, wurden Vierter, eine Saison später Zweiter, haben Europa League gespielt und sind jetzt Trainer in Wolfsburg. Schütteln Sie sich manchmal?
Manchmal sage ich zu meinen Kollegen schon: Wahnsinn, wie schnell alles geht. Jetzt sind wir in den großen Stadien unterwegs, vor zwei Jahren waren es noch 800 Zuschauer. Ich bin aber jemand, der wenig zurückschaut und versuche, das Jetzt so positiv wie möglich zu gestalten und das Morgen vorzubereiten. Ich versuche, so gut es geht, Oliver Glasner zu sein und zu bleiben. (RBlive)

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