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Zenit-Experte im Interview: „St. Petersburg ist definitiv stärker als 2018”

Voller Selbstvertrauen: Magomed Ozdoyev, Sebastian Driussi und Wilmar Barrios (von links) feiern den 6:1-Triumph am Wochenende.

Voller Selbstvertrauen: Magomed Ozdoyev, Sebastian Driussi und Wilmar Barrios (von links) feiern den 6:1-Triumph am Wochenende.
Copyright: imago/ITAR-TASS

Ivan Zhidkov ist Chefredakteur der russischen Sport-Tageszeitung „Sport Tag für Tag“ („Спорт день за днем”) sowie der Webseite Sportsdaily.ru und Kenner von Zenit St. Petersburg. Gemeinsam mit dem Leipziger Co-Autoren André Hoffmann hat er kürzlich ein Buch über Russlands Nationaltrainer und Torhüter-Legende Stanislaw Tschertschessow (unter anderem Dynamo Dresden) veröffentlicht. Wie bereits vor den Spielen im Europa-League-Achtelfinale 2018 bewertet der Experte auch vor den beiden Champions-League-Duellen Form, Entwicklung und Schlüsselspieler des russischen Meisters und bewertet die Qualitäten des neuen Trainers Sergej Semak, einst Kapitän der russischen Nationalmannschaft. Das Interview führte Ullrich Kroemer, Übersetzer war André Hoffmann.

Herr Zhidkov, Zenit hat am Wochenende 6:1 gewonnen und ist neuer russischer Tabellenführer. Wie kam dieser hohe Erfolg zustande?
Ivan Zhidkov: Zenit befindet sich derzeit in sehr guter Verfassung und kommt nach dem Kantersieg am Wochenende mit großem Selbstvertrauen nach Leipzig. Man merkt der Mannschaft an, dass sie derzeit Spaß am Spiel hat. Mit FK Rostow hatte man jetzt einen Gegner, der als nunmehr Viertplatzierter zwar oben in der Tabelle angesiedelt, allerdings taktisch nicht besonders stark ist. Nichtsdestotrotz ist insbesondere die Höhe des Sieges bemerkenswert. Allen voran Mittelfeldspieler Magomed Ozdojev und Stürmer Artjom Dzjuba, die zuletzt auch in der russischen Nationalmannschaft starke Leitungen gezeigt haben, waren herausragend.

Sportjournalist Ivan Zhidkov.

Sportjournalist Ivan Zhidkov.

Herr Zhidkov, Zenit hat am Wochenende 6:1 gewonnen und ist neuer russischer Tabellenführer. Wie kam dieser hohe Erfolg zustande?
Ivan Zhidkov: Zenit befindet sich derzeit in sehr guter Verfassung und kommt nach

Was zeichnet Zenit aktuell aus und welchen Spielstil pflegt das Team?
Zenit konnte sich sehr gut verstärken. Insbesondere der Kolumbianer Wílmar Barrios, der 2019 kam, harmoniert als Sechser sehr gut mit Ozdojev und hat einen großen Einfluss auf das Spiel. Zu erwähnen ist auch Vjacheslav Karavayev auf der Position des Rechtsverteidigers, der einen großen Offensivdrang hat. Er kam im Sommer aus der niederländischen Eredivisie von Vitesse Arnheim.

Dzjuba ist gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Ivan Zhidkov

Aber?
Woran es Zenit ein wenig fehlt, ist ein Spieler, der das Spiel gestaltet. Probleme gibt es derzeit zudem auf der Torhüterposition, denn Andrey Lunev, die eigentliche Nummer eins, ist derzeit nicht in Form. Deswegen hatte er bereits vor längerem seinen Platz in der Nationalmannschaft verloren. Insgesamt würde ich den Spielstil von Zenit als ganz passabel bewerten. Das Team ist weniger daran interessiert, das Spiel selbst zu gestalten, sondern wartet häufig auf Fehler des Gegners. Diese provozierte es jedoch durch gutes Pressing und eine aggressive Spielweise. Festzuhalten ist, dass das Team definitiv stärker ist als jenes, gegen das RB Leipzig 2018 in der Europa League gespielt hatte.

Welche Rolle spielt Torjäger Artem Dzjuba, der am Wochenende dreimal getroffen hat?
Nach der starken WM, bei der Dzjuba mit drei Toren maßgeblichen Anteil am guten Abschneiden Russlands hatte, waren viele davon ausgegangen, dass sein Stern eher sinken würde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Er ist noch stärker geworden. Wenn er das Vertrauen des Trainers spürt, kann er über sich hinauswachsen. Und genauso ist es im Moment: Sowohl in der Nationalmannschaft unter Stanislaw Tschertschessow als auch im Verein unter Trainer Sergej Semak genießt er großes Vertrauen. Wahrscheinlich befindet er sich deshalb gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Was zeichnet ihn neben seiner Knipser-Qualitäten aus?
Er fungiert nicht nur als Torschütze, sondern ist auch maßgeblich am Spielaufbau beteiligt ist. Deswegen wäre es umso mehr ein Problem, wenn Zenit aus irgendeinem Grund einmal ohne ihn auskommen müsste. Derzeit ist die Abhängigkeit von ihm einfach sehr groß.

Wer sind andere Schlüsselspieler?
Neben Dzjuba sind Ozdojev, Barrios sowie die beiden Innenverteidiger Branislav Ivanovic und Jaroslav Rakitskiy sehr wichtig. Zenit hat durch diese Spieler sehr viel mehr Sicherheit in der gefährlichen Zone, kassiert weniger Gegentore und erzielt auf der anderen Seite selbst mehr Treffer.

Der Ausgang der beiden Spiele ist absolut offen
Ivan Zhidkov

Wie hat Trainer Sergej Semak das Team in den vergangenen anderthalb Jahren entwickelt? Für welchen Stil auf dem Platz und außerhalb steht er?
Sergej Semak hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren enorm weiterentwickelt, nicht nur als Trainer, sondern auch im persönlichen Umgang. Dadurch, dass er selbst noch vor kurzem gespielt hat, ist er den Spielern gedanklich sehr nahe und weiß, wie sie ticken. Gleichzeitig hält er aber auch die notwendige professionelle Distanz. Er versteht es, mögliche Probleme mit dem Kader bereits im Vorfeld zu entschärfen und die richtige Formation für die zur Verfügung stehenden Spieler zu wählen. Diese Qualitäten haben sich besonders gut in der vergangenen Saison gezeigt, als Zenit letztlich auch die Meisterschaft gewann.

Zenit hatte lange Jahre nur ausländische Trainer, ist Semak Teil einer jungen russischen Trainergeneration?
Man kann auf jeden Fall sagen, dass Semak einer der besten Vertreter der jungen russischen Trainergeneration ist. Allerdings hat er auch noch einen Großteil der Saison vor sich, und im Verlauf der Saison wird der Druck auf das Team sicher noch größer werden, denn es werden Erfolge in allen Wettbewerben erwartet. Man sieht das beispielsweise auch an Julian Nagelsmann, dass dies durchaus Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Um diesem Druck ständig Stand zu halten, braucht Semak sicher noch etwas mehr Erfahrung. Aber diese wird er sich im Laufe der nächsten Jahre erarbeiten.

Wie betrachten Sie die Ausgangssituation für die beiden Duelle zwischen Rasenballsport und Zenit?
Nach der Auslosung der Champions-League-Gruppen wurde RB Leipzig die Favoritenrolle zugeordnet, doch nicht zuletzt das jüngste RB-Spiel gegen den VfL Wolfsburg hat zumindest mir gezeigt, dass der Ausgang der beiden Spiele zwischen Leipzig und Zenit absolut offen ist.

2018 haben Sie gesagt, dass Gazprom und Gönner Alexey Miller eine große Rolle spielen. Wie haben sich die Machtverhältnisse im Klub seitdem entwickelt?
Diesbezüglich hat sich absolut nichts geändert. Der einzige Unterschied zu 2018 ist, dass man mit Sergej Semak einen weitaus günstigeren Trainer verpflichten konnte als es damals noch Roberto Mancini war.

Vielen Dank für das Gespräch! (RBlive)

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