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Von Ullrich Kroemer

Frank Aehlig im Interview: Warum der Ex-Leipziger nicht Sportdirektor in Köln werden wollte

Ist den rot-weißen Farben treu geblieben: Frank Aehlig.

Ist den rot-weißen Farben treu geblieben: Frank Aehlig.

Frank Aehlig war von 2014 bis Ende 2017 fast vier Jahre lang Ralf Rangnicks rechte Hand als Sportkoordinator von RB Leipzig. Danach folgte er dem Ruf seines Freundes Armin Veh zum 1. FC Köln. Die vergangenen Tage gehören zu den spannendsten und fordernsten in den 28 Berufsjahren von Frank Aehlig im Profifußball. Als Interims-Sportdirektor verantwortete der 51-Jährige die Trainersuche beim abstiegsbedrohten Aufsteiger.

Mit der Mitteldeutschen Zeitung/RBlive sprach der gebürtige Dresdner über die Gründe der Trennung von dem Ex-Leipzigers Achim Beierlorzer und für die Verpflichtung von Markus Gisdol, weshalb er im Sommer nicht nach Leipzig zurückkehrte und warum er die Chance nicht wahrnahm, selbst Sportdirektor in Köln zu werden.

Herr Aehlig, die vergangenen Tage waren turbulent beim 1. FC Köln, weil gleichzeitig ein neuer Cheftrainer und ein neuer Sportdirektor gesucht wurden. Wie sind Sie als Interims-Sportdirektor diese Mammutaufgabe angegangen?
Frank Aehlig: Das waren zwei Prozesse. Der Vorstand hat Horst Heldt als neuen Sportdirektor ausgewählt. Meinen neuen Chef kann ich mir ja schlecht selbst aussuchen (lacht). Natürlich war ich ab einem gewissen Punkt involviert, weil ich mit Horst künftig ebenso harmonisch zusammenarbeiten will, wie zuvor mit Armin Veh. Mein Fokus lag auf der Trainersuche. Das war nicht das erste Mal in 28 Jahren Profifußball, dass ich das gemacht habe, deshalb habe ich das interimsweise gerne verantwortet.

Zuvor mussten Sie die schwere Entscheidung mittragen, sich von dem Ex-Leipziger Achim Beierlorzer als Cheftrainer zu trennen. Sie begründeten das damit, dass die Spieler seine Ideen nicht mehr mit der nötigen Überzeugung umgesetzt haben.
Die Mannschaft ist Achim Beierlorzer bis zum Schluss gefolgt. Das Verhältnis zwischen Team und Trainer war intakt. Und Achim war bereit, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Aber ohne die nötigen Ergebnisse leidet der Glaube an das, was man tut. Wir waren der Meinung, dass es einen neuen Impuls braucht. Ich wurde vor ein paar Wochen mal gefragt, was ,Krise’ eigentlich bedeutet.

Und?
Ich habe geantwortet: Krise ist für mich, wenn ich wirklich alles versucht habe, um bessere Ergebnisse zu erzielen, es aber keine weiteren Stellschrauben mehr gibt, die ich noch drehen kann. Das war der Fall.

Bruno Labbadia und Pal Dardai haben abgesagt, ehe es mit Markus Gisdol konkret wurde Nach welchen Kritierien sind Sie bei der Trainersuche vorgegangen?
Pragmatisch. Wichtigstes Kriterium war, einen Trainer zu finden, der eine solche Situation im Abstiegskampf schon ein, zwei Mal positiv bewältigt hat. Jemanden, der Erfahrung damit hat, sich an die Spitze eines Klubs wie dem 1. FC Köln zu stellen, Glauben wieder herzustellen und Hoffnung zu schaffen – nach innen und nach außen. Wenn jemand dem Profil entspricht und verfügbar ist – der Markt ist mitten in der Saison nicht riesig –, dann geht es um Bereitschaft und Überzeugung, die der Kandidat vermittelt.

Wie sind die Gespräche mit Markus Gisdol verlaufen?
Wir sind immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass er in diesem Moment genau der Richtige ist. Er strahlt viel Energie aus, er vermittelt genau das, was in unserer Situation notwendig ist.

Eine Spielidee ist in diesem Moment eher nachrangig.
Frank Aehlig, Leiter Lizenzspieler-Abteilung beim 1. FC Köln

Was ihre Fußball-Ideen angeht, gibt es viele Parallelen zwischen Achim Beierlorzer und Markus Gisdol. Ein Vorteil?
Es war uns wichtig von Markus Gisdol zu hören, wie er unsere aktuell brisante Situation anpacken will. Da geht es nicht zuerst um die Umsetzung einer idealisierten Spielidee, sondern um Zweckmäßigkeit und Pragmatismus. Markus hat uns klar vermittelt, dass sein Schwerpunkt zunächst darauf liegt, der Gruppe Aufgaben zu stellen, die sie auch erfüllen kann und die es wahrscheinlicher machen, dass wir wieder erfolgreicher Fußball spielen. Eine Spielidee ist in diesem Moment eher nachrangig.

Der frühere Leipziger Alexander Zorniger wäre auch ein Kandidat gewesen. War das ein Gedanke?
Wir haben damals in Leipzig sogar ein paar Monate zusammengearbeitet, und ich habe seinen Weg auch weiter verfolgt. Er war aktuell kein Thema bei uns.

Was erwarten Sie konkret von Markus Gisdol?
Er muss der Mannschaft den Glauben an die eigenen Stärken zurückgeben. Wir brauchen ergebnisorientierten Fußball, mit dem die Jungs sich wohlfühlen und dem sie folgen.

„Überzeugt davon, dass Markus Gisdol gegen RB die richtigen Dinge tun wird.”

Das Duell am Samstagabend in Leipzig ist auch ein Treffen alter Bekannter. Gisdol war einst Co-Trainer unter Ralf Rangnick; Julian Nagelsmann wiederum Co-Trainer unter Markus Gisdol. Das folgt einer fußballerischen Linie.
Markus ist in der Branche zu Hause, hat mit vielen Kollegen zusammengearbeitet, kann einschätzen, welche inhaltlichen Schwerpunkte andere Trainer setzen, kennt die Liga hervorragend. Das ist ein Pfund. Ich bin überzeugt, dass Markus gegen RB die richtigen Dinge tun wird. Aber klar, gegen RB Leipzig rechnet man auswärts sicher nicht unbedingt mit einem hohen Sieg.

Horst Heldt wurde mit Gisdol als neuer Sportdirektor vorgestellt. Sie hätten den Job auch selbst machen können. Warum haben Sie abgelehnt?
Es geht mir nicht vorrangig darum, welche Position ich einnehme, sondern ausschließlich um das beste Setup, um mit dem 1. FC Köln die Liga halten zu können. Ich bin der Überzeugung, dass uns jemand wie Horst Heldt hilft, der eine hohe Glaubwürdigkeit hat, von außen kommt und unverbraucht auf die Dinge schaut. Das habe ich ganz bewusst für mich und für den Verein so entschieden.

RB Leipzig wollte Sie im Sommer als Kaderplaner zurückholen. Warum hat das nicht geklappt?
Markus Krösche und ich haben uns ausgetauscht, um zu schauen, ob eine Zusammenarbeit für beide Seiten Sinn machen könnte. In den Gesprächen sind wir aber nicht weit genug gekommen. Das war ein interessantes Treffen, aber es hatte vor allem mit der spannenden Aufgabe in Köln zu tun, dass wir das nicht weitergeführt haben. Ich war ja nicht auf der Flucht. Aber ich habe mich über das Gesprächsangebot gefreut. Die Möglichkeit, zurückkommen zu können, hat ja auch etwas mit Wertschätzung zu tun.

Wieso sind Sie überhaupt Ende 2017 weggegangen?
In erster Linie lag das an Armin Veh, mit dem ich zuvor schon zweimal zusammengearbeitet hatte. Nochmal zusammen etwas aufzubauen, war der maßgebliche Trigger.

Die Zeit bei RB Leipzig war völlig atypisch für das Fußballgeschäft.
Frank Aehlig

Was haben Sie aus den Leipziger Jahren vor allem mitgenommen?
Das war eine für das Fußballgeschäft völlig atypische Zeit. In den fast vier Jahren, in denen ich da war, ging es nur nach oben. Die Schritte, die wir in rasendem Tempo gemacht haben, hautnah zu erleben und mitzugestalten, war beeindruckend. Mitgenommen habe ich die Offenheit, über alles und jeden nachzudenken, was helfen kann. Sich nicht vor etwas zu verschließen, weil es vielleicht nicht gebräuchlich ist oder im Fußball angewendet wurde. Das war komplett anders als jede Station, wo ich vorher gearbeitet habe.

Wie prägt es, jahrelang mit Ralf Rangnick zusammenzuarbeiten?
Das prägt definitiv. Ralf mit seinem Hang zum Perfektionismus treibt alle an und verlangt von allen enorm viel. Aber letztlich mündete genau das in Erfolg – und es war extrem lehrreich. Sowas nimmt man für kommende Stationen mit.

Wie verfolgen Sie den Weg von RB mit neuem Sportdirektor und neuem Trainer?
Aufmerksam und interessiert. Es ist spannend zu sehen, wie sie neue Facetten einbauen, im Kern aber immer noch für den Fußball und den Weg stehen, der sie an die Spitze geführt hat. Julian Nagelsmann und Markus Krösche sind genau richtig unterwegs.

In Benno Schmitz und Julian Krahl haben Sie zwei Ex-Leipziger nach Köln geholt. Wie entwickeln sie sich?
Benno ist mit der Zahl seiner Einsätze in dieser Saison selbst nicht zufrieden (drei Spiele bei den Profis, Anm.d.Red.). Wenn er gespielt hat, hat er das gut gemacht. Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass er ein guter Bundesligaspieler ist. Und Julian Krahl halten wir für ein richtig gutes Torwarttalent. Es geht für ihn darum, sich in seinem ersten Jahr im Männerbereich zu zeigen und viel spielen zu können. Diese Möglichkeit hat er bei unserer zweiten Mannschaft in der Regionalliga West. Wie viele Torhüter dieses Jahrgangs haben denn die Möglichkeit, auf diesem Niveau eine Einsatzgarantie zu haben?

Wie verläuft Ihre Rückkehr zu RB Leipzig am Samstag?
Mittagessen gehen wir nicht, weil ich andere Termine habe. Aber ich freue mich total darauf, viele Leute, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe, wiederzusehen. Ich halte mit vielen noch Kontakt.

Sie kommen aus Dresden, haben ein Herz für den Ostfußball. Wie beurteilen Sie die Entwicklung beim Halleschen FC?
Torsten Ziegner kenne ich seit Ewigkeiten und verfolge auch seinen Werdegang. ,Ziege' ist ein sehr spannendes Trainertalent, deswegen schaue ich da auch genauer hin. Wir haben uns vor knapp 20 Jahren mal im tiefsten Schwabenland kennengelernt, als er Spieler bei den Stuttgarter Kickers war und ich Manager beim SVV Reutlingen. Seither ist der Kontakt nie abgerissen. Hut ab, was er vergangenes Jahr geleistet hat und in dieser Saison mit Aufstiegsambitionen beim HFC fortführt. Gemessen an der Bedeutung, die der HFC in der DDR hatte, war der Verein in den vergangenen 30 Jahren unter Wert positioniert. Es wäre schön, wenn mit dem HFC ein ambitionierter und inzwischen stabiler Verein aus den neuen Bundesländern in die 2. Liga aufsteigen würde. (RBlive)