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Rune Bratseth exklusiv: „In Trondheim interessiert sich niemand für Red Bull“

Rune Bratseth.

Rune Bratseth.
Copyright: Martin Henkel

Rune Bratseth ist eine Legende des norwegischen Fußballs und Werder Bremens. Aktuell ist „der Elch“ Vorstandsmitglied bei Rosenborg Trondheim. RBlive sprach vor dem Europa-League-Spiel gegen RB Leipzig exklusiv mit dem 57-Jährigen.

Von Martin Henkel

RBlive: Herr Bratseth, Sie haben vor dem ersten Gruppenspiel zwischen ihrem kommenden Gegner RB Leipzig und RB Salzburg gesagt, dass beide Vereine über Red Bull so eng mit einander verbunden sind, sei „moralisch nicht richtig“. Steht Ihr Urteil immer noch?

Rune Bratseth: Man muss wissen: Der WDR ist extra nach Rosenborg gekommen, um meine Meinung dazu zu hören. Ich habe ja nicht in Deutschland angerufen. Für uns als Klub ist das kein Problem. Und es gibt in Trondheim sicherlich nicht einen Fan, der sich über diese Konstellation Gedanken macht.

Wieso dann Ihre recht kritischen Worte?

Ich sage nicht, dass die Gefahr besteht, dass beide Klubs sich in den zwei Spielen zu einem bestimmten Ergebnis abgesprochen haben und absprechen werden. Man hat ja im Hinspiel gesehen, wie sich die Teams bekämpft haben. Das sind in Salzburg und Leipzig ja vernünftige Leute. Ich persönlich finde das unproblematisch. Aber was ich mit meiner Kritik sagen wollte war, dass es dem Fußball nicht guttut, wenn man überhaupt über so ein Konstrukt sprechen muss. Es ist für die zwei Vereine nicht gut, dass jemand denken könnte: Ah, die gehören zusammen, wie sollen die fair gegeneinander spielen? Und es ist auch nicht gut für die Uefa.

Keine Stars kaufen, sondern machen

Was halten Sie vom Engagement Red Bulls in Leipzig?

Red Bull hat viel Geld, aber wenn man die Mannschaft sieht, dann ist der Erfolg nicht nur gekauft. Sondern der Klub macht gute Arbeit. Sie haben keine Stars, sondern – siehe Naby Keita, Emil Forsberg oder Timo Werner – sie machen Stars. Das gefällt mir.

Es wäre auch ein möglicher Weg für Rosenborg.

Es ist nicht so einfach zu kopieren. Gute und bezahlbare junge Fußballer zu finden, selbst das ist für uns kaum noch machbar. Die kosten alle um die zehn, 15 Millionen Euro.

Rosenborg Trondheim ist der erfolgreichste, größte und reichste Klub Norwegens. Eine europäische Legende.

Legende ja, aber es ist nicht mehr so viel Geld da. Als wir in ständig der Champions League gespielt haben, konnten wir natürlich mehr ausgeben. Das ist jetzt auf allen Ebenen weniger geworden.

Wie groß ist ihr Etat?

Wir arbeiten mit ungefähr 20 Millionen Euro.

RBK: eine Legende im Europapokal

Wie steht es um den eigenen Nachwuchs?

Den gibt es, aber sie gehen mittlerweile früh weg. Im Moment haben wir haben einen Spieler im Kader, der aus der Region Trondheim kommt. Dagegen spielen zwei Trondheimer in Alkmaar in den Niederlanden, einer in St. Etienne, einer in Köln, einer bei Chrystal Palace. 1996, als wir den AC Mailand 2:1 geschlagen haben, waren neun von elf Spielern noch aus Trondheim.

Gibt es eine Chance, den Spielern so lange wie möglich eine Perspektive in Trondheim zu geben?

Keine Chance. Ich kann die Jungs ja auch verstehen, es macht nun mal nicht den ganz großen Spaß, in Norwegen zu spielen. Wir sind ein zahlenmäßig kleines Land mit einer kleinen Liga.

Von 1995 bis 2003 war Rosenborg durchgehend in der Champions League vertreten. Wieso ist es so schwierig, an diese Zeiten wieder anzuknüpfen?

Man muss verstehen, diese Erfolge fallen in eine Zeit, als auch die Nationalmannschaft sehr erfolgreich war. Vor der WM 1994 zum Beispiel hatten wir England, Holland, Türkei, Polen und San Marino in der Qualifikationsgruppe. Ich dachte damals: Okay, einmal Wembley, toll.

Es sprang am Ende für Norwegen mehr heraus als eine Reise ins Wembley.

Richtig. Wir haben die Gruppe gewonnen und waren danach auch bei der WM 1998 und bei der EM 2000 dabei. Das war mehr oder weniger ein- und dieselbe Generation von Spielern. Wenn Sie wollen: unsere Goldene Generation. Aber eher eine Ausnahme, nicht die Regel.

Also keine Chance auf eine Rückkehr zu den guten, alten Tagen?

Doch, natürlich. Und im Moment haben wir ein paar sehr gute junge Spieler. Aber man sollte nicht erwarten, dass man so einfach wieder Anschluss findet an die Erfolge der frühen Jahre. Dafür hat sich der Fußball zu sehr verändert.

Ruhe, Fischen und Jagen

Ein Auseinanderdriften der Möglichkeiten von kleinen Nationen gegenüber den Kolossen England, Spanien, Italien, Deutschland?

Ja. Da ist so viel Geld unterwegs, wir können einfach niemanden mehr halten, der auch nur halbwegs Talent hat.

Was kann Rosenborg bieten?

(lacht) Meisterschaften, Pokale, Europapokalspiele, Ruhe, Natur, gute Luft, Fischen, Jagen.

Haben Sie so den „Lord“ Nicklas Bendtner nach Trondheim gelockt?

So ungefähr. Ich denke schon, dass Nicklas genau das bei uns zu schätzen weiß. Er hat hier keinen Stress, niemand spricht ihn groß an. Soweit ich weiß, war er neulich mit auf der Jagd.

Mit Gewehr? Der dänische Stürmer ist berühmt für eine explosive Mischung aus großem Talent und schwierigem Charakter. Zuletzt soll er einen Taxifahrer in Kopenhagen verletzt haben.

DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen 1994.

DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen 1994.

Rune Bratseth bei der WM 1994.

Rune Bratseth bei der WM 1994.

Rune Bratseth mit RBlive-Reporter Martin Henkel.

Rune Bratseth mit RBlive-Reporter Martin Henkel.

Nicklas ist ein guter Junge und wir schätzen seine Qualitäten sehr. Er gibt unserem Angriffsspiel viel Struktur und Klasse, er kann führen.

Bendtner wird nach seiner Verletzung vermutlich nicht spielen. Wie sind die Rollen in der Partie gegen Leipzig verteilt?

Normalerweise können wir zu Hause jeden schlagen. Aber das Team ist gerade nicht gut genug, also sind wir eher die Underdogs.

Der Klub hat trotz der 25. Meisterschaft im Juli Trainer Kåre Ingebrigtsen entlassen und seinen Assistenten Rini Coolen als Interimstrainer in den Chefsessel befördert. Woran hapert es gerade beim Rosenborg Ballklubb?

Es fehlt an einem System. Einer klaren Idee, wie das Team spielen soll. Das musst du jeden Tag trainieren, sodass jeder Spieler weiß, was seine Rolle oder die seines Nebenspielers ist. Wir haben immer davon gelebt, dass wir das genauso gemacht haben. Das ist unser Weg, den müssen wir wieder beschreiten.

Gibt es so etwas wie eine Spielidentität á la RBK?

Angreifen, angreifen, angreifen: Das ist unsere DNA. Unsere großer Erfolgstrainer Nils Arne Eggen hat mal gesagt: ‚Die Leute kommen nicht, um Einwürfe zu sehen. Sie wollen unterhalten werden!‘ Das ist unsere Geschichte. Es reicht nicht, Meisterschaften zu gewinnen, das machen wir ohnehin oft. Wir müssen begeistern.

 

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