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Scheitert RB Leipzig am Financial Fairplay?

Dass RB Leipzig gegen Regeln der UEFA verstößt, behauptet das Fußballmagazin 11Freunde in der aktuellen Dezember-Ausgabe. Zuletzt hatte schon deren Chefredakteur Philipp Köster eine Breitseite gegen RB Leipzig verfasst. Die jetzt verhandelten Verstöße sollen sich gegen das Financial Fairplay und gegen die Integritätsbestimmungen des Verbandes richten.

RB Leipzig und Financial Fairplay

Hinsichtlich des Financial Fairplays glauben 11Freunde, dass Red Bull oberhalb des Erlaubten für den Ausgleich von Defiziten sorgt. 30 Millionen über drei Jahre sei hier die Grenze. Ob diese bei RB Leipzig überhaupt Anwendung findet, bleibt aber unklar. Denn die Regel gilt eigentlich vornehmlich für Eigentümer und Investoren, bei denen die Summe nicht durch einen Werbegegenwert gedeckt ist. Red Bull ist bei RB Leipzig allerdings hinsichtlich der Geldflüsse ein Sponsor, der den Etat mitfinanziert und dafür entsprechende Gegenleistungen über Brust- oder Bandenwerbung bekommt.

Zudem dürfe ein Sponsor nur für 30% der Vereinseinnahmen sorgen. So argumentieren die 11Freunde. Auch an dieser Behauptung darf gezweifelt werden. Die entsprechenden Bestimmungen laufen eigentlich nur darauf hinaus, dass man oberhalb dieser Grenze als Geldgeber mit bestimmendem Einfluss auf den Verein gilt.

RB Leipzig und die Integrität des Wettbewerbs

Das wiederum könnte dahingehend interessant sein, dass die UEFA vorschreibt, dass nicht zwei Klubs gleichzeitig in Europa spielen können, wenn sie vom selben Geldgeber oder von den gleichen Personen gesteuert werden. Red Bull finanziert neben RB Leipzig auch noch Red Bull Salzburg. Formal fungiert Red Bull bei beiden Vereinen nur als Sponsor. Über die wesentlichen Geldflüsse könnte die UEFA allerdings zu dem Schluss kommen, dass beide Vereine von Red Bull abhängig sind.

In dem Zusammenhang auch nicht irrelevant, dass Oliver Mintzlaff gleichzeitig Chef von Red Bull Soccer (aber formal nicht für Red Bull Salzburg zuständig) und Geschäftsführer bei RB Leipzig ist. Der Geschäftsführerposten sollte eigentlich schon seit längerem neu besetzt werden. Eine passende Personallösung hat man allerdings offenbar immer noch nicht gefunden. Mit Mintzlaff bei Red Bull und bei RB Leipzig besteht zumindest eine enge personelle Verflechtung, die die UEFA auch als nach Salzburg reichend erkennen könnte.

Red Bull Salzburg und RB Leipzig eng miteinander verflochten

Zudem führen die 11Freunde an, dass auch auf verschiedenen anderen Ebenen die Verflechtung zwischen Salzburg und Leipzig über Red Bull deutlich wird. Zum Beispiel in der Internetpräsenz, auf der Salzburg und Leipzig bei redbulls.com unter dem gleichen Dach geführt werden.

Oder auch in Sachen Transfers. Diesbezüglich sorgte Ralf Rangnick im Sommer für Erstaunen. Nach dem Bernardo-Transfer von Salzburg nach Leipzig erklärte er öffentlich, dass man die Ablösesumme noch verhandeln müsse. Etwas das zwischen unabhängigen Klubs eher undenkbar wäre.

RB Leipzig oder Red Bull Salzburg in der Champions League? UEFA entscheidet.

Sollte die UEFA Red Bull Salzburg und RB Leipzig als entscheidend vom selben Geldgeber beeinflusst sehen und nicht gleichzeitig in Europa starten lassen, dürfte nur eines der Teams starten. Bevorzugt wird dabei das Team, das im ranghöheren Wettbewerb startet. Also geht ein Champions-League-Teilnehmer vor einen Europa-League-Teilnehmer.

Würden Salzburg und Leipzig im selben Wettbewerb starten dürfen, wird die Mannschaft von der UEFA bevorzugt, die die höhere Ligenplatzierung erreicht hat. Ist auch das identisch, entscheidet der UEFA-Koeffizient für die Liga. Hier steht Deutschland deutlich vor Österreich.

Offene Frage, ob RB Leipzig europäisch starten darf

Am Ende bleibt es eine offene Frage, ob Red Bull Salzburg, die in Europa als FC Salzburg antreten, und RB Leipzig von der UEFA als unabhängig voneinander gesehen werden oder nicht. Financial Fairplay sollte bei dieser Entscheidung eine geringe Rolle spielen. Die Integritätsbestimmungen der UEFA schon eher.

Denn auch wenn man sich in Leipzig und Salzburg in der Vergangenheit viel Mühe gab, beide Vereine formal voneinander zu entflechten (u.a. indem Rangnick in Salzburg nicht mehr Sportdirektor ist), bleiben doch weiterhin viele, öffentlich sichtbare und ausgedrückte Anknüpfungspunkte. Wäre dann die Frage, wie stark diese von der UEFA in die Entscheidung eingebunden werden oder nicht.

Sportrechtler Paul Lambertz meint bei den 11Freunden, dass die UEFA-Bestimmungen „so weit gefasst sind, dass sie bestimmte Graubereiche ganz bewusst mit abdecken“. Und meint weiter: „Angesichts all dieser Indizien kann man schon davon sprechen, dass der böse Schein einer Einflussnahme auf zwei Vereine durch ein- und dieselbe Person gleich mehrfach besteht.“

Bei RB Leipzig sieht man das anders. „Sie können davon ausgehen, dass dies für uns keine Probleme darstellt“, lässt man die 11Freunde bezüglich der fraglichen Punkte wissen. Man wird irgendwann sehen, ob die UEFA ähnlich denkt.


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