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Verschärfter Konkurrenzkamp: Bleibt Willi Orban RBL-Kapitän?

Willi Orban trägt zumindest in der Vorbereitung noch die Kapitänsbinde bei RB Leipzig. Foto: imago

Willi Orban trägt zumindest in der Vorbereitung noch die Kapitänsbinde bei RB Leipzig. Foto: imago

Willi Orban will bei RB Leipzig weiter Verantwortung übernehmen – und auch gerne Mannschaftskapitän bleiben. Doch gerät sein Stammplatz immer mehr in Gefahr.

Von Martin Henkel

Die Zeit drängt. 19 Uhr, keine Sekunde später. So hat es die Mannschaft beschlossen. Wer zu spät an seinem Esstisch sitzt, den trifft die Härte des Regelwerks. Und Willi Orban hat an diesem Regelwerk mitgewirkt, also: Nur noch diese eine Frage.

Bis zum Speisesaal des Mannschaftshotels von RB Leipzig in Mösern, einem Dorf neben dem Wintersportort Seefeld gelegen, sind es 50 Meter. Die letzte Frage also, es ist die nach dem Kapitänsamt, Orban hat es inne. Will er es behalten? Darf er? Willi Orban erhebt sich. Er weiß, die Frage hat ihre Tücken. Er antwortet: „Ich würde das Amt definitiv nicht ablehnen.“

RB Leipzig: Bleibt Willi Orban der Kapitän?

Dann verlässt er die Terrasse, öffnet die Tür zur Lobby, einmal um den Tresen herum, dann ist er da. Für die restlichen Meter bleiben ihm zwei Minuten. Ist machbar, die Würde des Amtes ist also nicht in Gefahr: Ein Kapitän kommt nicht zu spät!

Nicht Orban jedenfalls. Für den Innenverteidiger der Leipziger ist die Führungsrolle im Kader eine Selbstverständlichkeit. Und ob er die Binde jetzt behält, oder Trainer Ralf Rangnick einen anderen bestimmt, oder die Mannschaft jemand anderen will, ist zweitrangig. Er würde trotzdem „Verantwortung übernehmen.“

Am liebsten allerdings wäre ihm, alles bliebe beim Alten. Er weiß aber: Vergangene Saison hat es reichlich Themen rund um den Vizemeister von 2017 gegeben. Die meisten drehten sich um den Verfall der Leipziger Defensive. Es waren also auch Themen, die Willi Orban betrafen. Er war der Abwehrchef. Das Fazit der Saison, die auf Rang sechs endete und in die Trennung von Ralph Hasenhüttl mündete, fällte dann Übergangscoach Ralf Rangnick vor wenigen Tagen. „Wow“, sagte er, war es nicht.

Orban spürt die Konkurrenz der jungen Franzosen

Orban sieht das anders, vielleicht ist auch Selbstschutz dabei, denn am Ende der Spielzeit war er zwar immer noch Stamm, wirkte aber nicht mehr unumstritten. Er sagt: „Insgesamt war es eine erfolgreiche Saison. Klar, die Messlatte lag hoch, weil es in dem Jahr zuvor so geflutscht ist.“ Aber da müsse man demütig bleiben, und weil Orban aus Kaiserslautern stammt, und weiß, wie es enden kann, wenn Demut durch Größenwahn ersetzt wird, ist es genauso wichtig „zu wissen, wo man herkommt.“

Bei Orban heißt das: aus der zweiten Liga. Der Aufstieg war rasant, erst mit RB in die 1. Liga, dann folgte die Vizemeisterschaft, anschließend die Spiele in der Champions League. Er wurde Kapitän, war in der Abwehr gesetzt.

Doch nichts bleibt wie es mal war. Orban hat Konkurrenz bekommen, seine Nebenleute sind Franzosen, erst kam Dayot Upamecano, dann Ibrahima Konaté, jetzt ist Nordi Mukiele dazugestoßen. Alle drei sind jünger, entwickeln sich aber mit der Rasanz von Sprintern.

RBL-Kapitän Orban: „Ich bin so austrainiert wie noch nie“

Orbans Platz in der Viererkette ist also nicht mehr sicher. Oder? Der 25-Jährige sieht das anders. Fragen nach Stammplätzen hält er für antiquiert. „Darüber mache ich mir keine Gedanken“, sagt er. Er komme schon auf seine Spiele. RB muss bei erfolgreicher Europa-League-Qualifikation wieder in die Dreifachbelastung, das schafft ohnehin kein Spieler ohne Pausen.

Das Thema ist deshalb nicht: Wer steht in der Hackordnung vor wem. Sondern: Wer ist wie fit. Und fit, das ist Orban mehr als je zuvor. Als andere im Urlaub waren, hat er sich von seinem Berater ein Extra-Camp organisieren lassen. Mit anderen Klienten aus anderen Vereinen war er in Südtirol. Mit eigenem Koch. Mit eigenem Athletik-Trainer. Das sind Orbans Themen, auch privat. Trainingswissenschaften, Belastungssteuerung, Ernährung, Regeneration. Das Camp hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Orban bilanziert: „Ich bin so austrainiert wie noch nie.“ Bereit für seine dritte Erstligasaison also. Mit all ihren Themen. Auch dem nach der Kapitänsbinde. Aber sie sind nicht das ein und alles. Das ein uns alles, das ist jetzt. Das ist Seefeld. Das ist die Europa-League-Quali, das ist der DFB-Pokal, das ist der Ligastart in vier Wochen. Und das ist die Regel, sieben Uhr am Tisch zu sitzen. Keine Sekunde später. Bevor Orban sich erhebt, sagt er: Meine Aufgabe ist, überragend zu trainieren. Mich selbst besser zu machen.“ Die Saison werde sehr lang. „Da muss ich schauen, dass ich dafür fit bin. Das ist mein einziges Ziel.“