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Corona oder Kommerz? Fan-Rückgang bei Vereinen im Osten

Leipzigs Mannschaft bedankt sich bei den Fans.

Leipzigs Mannschaft bedankt sich bei den Fans.

Gegen Hertha BSC Berlin dürfen nur noch 23.500 Fans ins Stadion, weil die Inzidenz der Corona-Pandemie zuletzt gestiegen war. Dass diese Anzahl an Tickets aber auch verkauft wird ist nicht selbstverständlich. Das berichtete der MDR kürzlich mit Verweis auf einen Fanforscher, der einen generellen Rückgang des Interesse am Fußball verzeichnt. RB bildet dabei allerdings eine Ausnahme.

Kommerzialisierung beeinträchtigt Fan-Bindung

Gesundheitliche Bedenken der Fans wegen der Pandemie hält Prof. Harald Lange von der Universität Würzburg bei seinen Beobachtungen der Fußballfans für nebensächlich. Stattdessen leide die Beziehung der Anhänger zu den Vereinen und zum Fußball im Allgemeinen, auch durch Kommerzialisierung, Überangebot und Skandale. "Man kommt aus der Empörung gar nicht heraus", so Lange mit Blick auf eine mögliche Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 an Saudi-Arabien, nachdem bereits die WM 2020 in Katar stark in der Kritik steht. 

Bedeutung des Fußballs für Fans schwindet

Durch die Bank sei "die Bedeutung des Fußballs über alle Fangruppen hinweg eine oberflächlichere geworden", das Verhältnis zu den Vereinen sei abgekühlt. Das ergaben Analysen von Social-Media-Aktivitäten. Ein Grund für die Entemotionalisierung sieht Lange in den finanziellen Auswüchsen des Profisports, die die Lebensrealität der Fans von den Sportlern entfernt. Hinzu komme die Kluft zwischen den Vereinen selbst. "Es gibt keine Einheit im Fußball mehr. Was Paris St. Germain und RB Leipzig beispielsweise betreiben ist gegenüber Klubs wie Kaiserslautern oder Lok Leipzig eine andere Sportart", so Lange. Hinsichtlich des gesunden Wettbewerbs sei es eine Aufgabe von DFB und DFL, ein Konzept für die Zukunft vorzulegen.

RB Leipzig konnte fast alle Tickets verkaufen

Diese Entwicklung spiegele sich im Rückgang der Ticketverkäufe. Überraschend für Lange: Die Entwicklung trifft auch die 3. und 4. Liga, wo er die Bindung höher eingeschätzt hätte. Wie der MDR vorrechnet, haben von elf Ostdeutschen Vereinen in den vier oberen Spielklassen sieben mit einem Rückgang der Fans zu kämpfen. Einen kleinen Anstieg verzeichnen BSC Chemie Leipzig und Hansa Rostock nach dem Aufstieg. Gleichbleibend scheint die Nachfrage bei RB Leipzig. Bei beiden Heimspielen wurde die erlaubte Auslastung beinahe voll erreicht, gegen den VfB Stuttgart blieben von 23.500 Sitzen nur 400 leer. Allerdings war der zweite Gast der Saison auch Zuschauermagnet FC Bayern München.

Das Fanmagazin 11Freunde bestätigt diesen Trend nicht nur für ostdeutsche Vereine. In ganz Deutschland hätten die Profiklubs Probleme, zugelassene Tickets an Frau und Mann zu bringen.

(RBlive/msc)