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"Krimineller Akt der Gier" Super-League-Pläne lassen Profifußball beben

Spieler von Leesds United trugen beim Spiel gegen Liverpool Shirts mit Botschaften gegen die Super League.

Spieler von Leesds United trugen beim Spiel gegen Liverpool Shirts mit Botschaften gegen die Super League.

Zwölf europäische Topklubs haben die Gründung einer Super League beschlossen und ein Erdbeben im internationalen Fußball ausgelöst. Die Vereine gehen damit auf Konfrontationskurs zur Europäischen Fußball-Union (UEFA) und der am Montag beschlossenen Reform der Champions League ab der Saison 2024/25. Bei den Gründungsmitgliedern handelt es sich um die englischen Klubs FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal und FC Chelsea, die spanischen Topteams Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid sowie Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand aus Italien.

Wie soll die Super League aussehen?

20 Mannschaften sollen in der Super League an den Start gehen. Die erste Ausgabe wird "so früh wie möglich" stattfinden, heißt es in der Ankündigung. Zu den bereits bekannten zwölf Klubs dürften drei weitere Mannschaften als Gründungsvereine hinzukommen, denen jedes Jahr die Teilnahme garantiert wird, fünf weitere Vereine sollen sich jährlich qualifizieren. Laut AFP sollen mindestens zwei französische Klubs das Teilnehmerfeld ergänzen. Die Spiele werden unter der Woche ausgetragen. Nach der Vorrunde in zwei 10er-Gruppen beginnt die K.o.-Phase.

Was ist mit deutschen Mannschaften?

Deutsche Teams wie Bayern München und Borussia Dortmund sind (noch) nicht beteiligt. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel in Berufung auf den Rahmenvertrag der Super League berichtete, sollen beide Klubs noch dazustoßen - für die Entscheidung wurde ihnen eine 30-tägige Frist eingeräumt. Der BVB lehnte die Super League jedoch zuvor schon ab und setzt auf eine reformierte Champions League. Gleiches gilt für die Bayern. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versicherte, dass sich die Münchner nicht an den Planungen beteiligt hätten.

DFL-Boss Christian Seifert hatte schon vor der offiziellen Verkündung vor einem "irreparablen" Schaden gewarnt. Von zahlreichen Bundesligisten wie RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen hagelte es Kritik an der Super League. "Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs. Und der sportliche Wettbewerb im Profifußball sieht vor, dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Für uns steht es überhaupt nicht zur Debatte, hieran etwas zu ändern", ließ RB-Chef Oliver Mintzlaff wissen.

Was steckt hinter den Plänen?

Geld. Die europäischen Topklubs können durch die sichere Teilnahme an einem jährlichen Wettbewerb mit festen Einnahmen in Milliardenhöhe planen. Die Super League wird für die von der Corona-Pandemie gebeutelten und mit hohen Schulden sowie Spielergehältern kämpfenden Klubs finanziell deutlich mehr abwerfen als die Königsklasse. Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber bereit. Laut Gründungserklärung erhalten die Teilnehmer unter anderem "einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro, der ausschließlich für die Entwicklung ihrer Infrastruktur und zur Abfederung der Auswirkungen der COVID-Pandemie vorgesehen ist".

Wie reagieren die Verbände und Ligen?

Die Reaktionen sind heftig. UEFA-Boss Aleksander Ceferin will die abtrünnigen Klubs und ihre Spieler von "all unseren Wettbewerben" ausschließen. Zudem sollen die Profis nicht mehr für ihre Nationalmannschaften auflaufen dürfen. Ob dies schon bei der EM im Sommer gelten werde, konnte er noch nicht sagen. Allerdings hält der Slowene den Rebellen die Tür für eine Rückkehr offen. Der Weltverband FIFA sagte, er könne "nur seine Missbilligung" über einen Wettbewerb "außerhalb der internationalen Fußballstrukturen" ausdrücken. Selbst die Spitze der EU-Kommission und der britische Premierminister Boris Johnson übten harsche Kritik an den Plänen.

Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans.
Gary Neville

Gary Neville, ehemaliger Spieler von Manchester United, wurde in einem Interview deutlich: ""Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans. Das ist eine Schande. Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler. Wie kann man überhaupt denken, dass jemand in der Super League zum Zuschauen kommt? Wenn diese Vereine die anderen 14 Klubs in der Premier League zurücklassen? Absolut peinlich, da kommt keiner. Lasst sie gehen, aber dann müssen sie hart betraft werden. Hohe Geldstrafen, Punktabzug, nehmt ihnen die Titel."

Der frühere Bundesligatrainer Stale Solbakken reagierte ebenso empört: "Juventus ist gegen Lyon, Porto und Ajax zuletzt aus der Champions League geflogen. Warum zur Hölle sollten sie in eine solchen Wettbewerb spielen? Tottenham und Arsenal sind zur Zeit wohl nicht mal unter den besten 20 bis 30 Teams in Europa."

Was sagen die Fans?

Die Anhänger reagierten empört. In England sprachen etwa die Fans von Chelsea und Tottenham von "Verrat", die der Gunners vom "Tod von Arsenal als Sportinstitution". Anhänger von Jürgen Klopps FC Liverpool waren "entsetzt" und befestigten bereits Beerdigungsplakate an der Anfield Road. Der ehemalige BVB-Coach hatte grundsätzlich Verständnis für die Wut, sah aber sich und sein Team nicht in der Verantwortung. "Dieser Klub ist größer als wir", sagte er in einem Statement. 

Für das deutsche Bündnis ProFans ist die Entwicklung "eine Horrorvision. Was soll eine Liga in einem geschlossenen Kreis ohne Auf- und Abstieg? Das ist nicht spannend! Der Fußball lebt von Spannung. Er lebt davon, dass auch mal ein Aufsteiger Meister werden kann. Der Fußball gräbt sich das eigene Wasser ab", so Sprecher Sig Zelt. Auch das Bündnis "Unsere Kurve" fordert, die Pläne abzulehnen und von Fanseite Reformvorschläge einzubringen: "Schluss jetzt! Dem Gebaren dieser Klubs muss endlich Einhalt geboten werden. Die Verbände müssen unmittelbar Maßnahmen für einen fairen und integren Wettbewerb einleiten. Ernstzunehmende Konzepte für grundlegende Reformen im Fußball liegen seit Monaten von Fanseite vor."

Diese richten sich ebenso gegen die neu angedachte Champions League, die nun von manchen Klubvertretern, allen voran Uefa-Boss Ceferin als Gegenmodell zu den gierigen Topklubs ins Feld geführt wird. Auch 

Was sind die nächsten Schritte?

Angesichts des hartnäckigen Widerstands steht die Super League vor einigen hohen Hürden. Nach der offiziellen Erklärung könnte eine Klagewelle anrollen. Nach SID-Informationen plant die UEFA, rechtlich gegen die entsprechenden Klubs vorzugehen. Demnach müssten die Klubs zumindest für die nächste Rechteperiode bis 2024 dabei sein. Die wiederum wappnen sich bereits mit rechtlichen Schritte gegen eine Einmischung. Die UEFA prüft derzeit zudem die Möglichkeit, die zwölf Super-League-Abtrünnigen bereits aus den laufenden Europacup-Wettbewerben auszuschließen. Auch TV-Rechteinhaber wie Amazon dürften sich gegen die Pläne stellen, schließlich erwarb etwa der Versandriese die Rechte am Produkt mit allen Vereinen.

(sid/RBlive)