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Von Ullrich Kroemer

„Worst case Deutscher Meister” Wie RB-Fans den Geisterspiel-Start bewerten und verfolgen

Sehnsuchtsort Stadion? Fans von RB Leipzig, als Spiele noch mit Zuschauern stattfanden.

Sehnsuchtsort Stadion? Fans von RB Leipzig, als Spiele noch mit Zuschauern stattfanden.

Es wurde viel über Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga diskutiert in den vergangenen Wochen, doch die, um die es dabei eigentlich geht – die Fans in den Stadien – wurden vergleichsweise selten gehört. RBlive hat vor dem Wiederanpfiff acht Fans von RB Leipzig aus ganz unterschiedlichen Fanlagern nach ihrer persönlichen Meinung über die Fortsetzung der Bundesliga mit Geisterspielen befragt und ob und wie sie die Spiele verfolgen. Aktive Fans wie Capo Tommes kommen dabei ebenso zu Wort wie Mitglieder offizieller Fanklubs. Ein Stimmungsbild.

Seit der Regionalliga habe ich kein Heimspiel mehr verpasst, und nun sitze ich zu Hause vor dem Fernseher.
Rotebrauseblogger Matthias Kießling

Matthias Kießling (46, Ex-Rotebrauseblogger, Sektor A): „Seit der ersten Saison in der Regionalliga unter Alexander Zorniger habe ich kein Heimspiel mehr verpasst. Wenn ich nun an diesem Samstag zu Hause vor dem Fernseher sitze und mir ein alkoholisches Mixgetränk serviere, wird das schon seltsam. Ich freue mich zwar schon ein bisschen, dass es wieder losgeht, aber ich empfinde keine Euphorie wie vor einem Saisonstart. Auch die Idee, dass wir eventuell noch Meister werden könnten, kommt noch nicht auf. Ich habe auch gar keine Lust darauf, dass RB in diesem Jahr Meister wird. Das wäre der worst case: RB würde Meister und man könnte nicht ins Stadion gehen und dabei sein. Man säße zu Hause und würde Leuten dabei zusehen, wie sie in einem leeren Stadion die Meisterschale hochhalten. Ich gönne den Bayern und Dortmund die Meisterschaft in diesem Jahr sehr.”

„So wie das Business konstruiert ist, geht es nicht anders, als ohne Fans weiterzuspielen. Ich bin nicht begeistert davon, aber ich sehe die Alternative nicht. Die Ausgaben der Klubs sind hoch, irgendwo müssen die Einnahmen herkommen. Andernfalls hätte man alles platzen lassen müssen, was aber richtig crazy gewesen wäre. Die Bundesliga ist kein Geschäft, das mal ein Jahr Pause verkraften würde. Also hat die DFL genauso für ihr Business gekämpft, wie das die Restaurantbesitzer auf dem Augustusplatz getan haben. Anders als in der 3. Liga herrscht ja trotz ganz unterschiedlicher Klubmodelle in den obersten zwei Spielklassen Konsens diesbezüglich.”

Tobias Hohensee (35, Mitbegründer des OFC Red Campus, Sektor B): „Ich bin zwiegespalten. Einerseits sind die Vereine Wirtschaftsunternehmen, da muss es weitergehen. Die Klubs machen ja trotz der Geisterspiele viele Millionen Euro Verlust. Andererseits kann ich auch verstehen, dass Leute fragen, warum die Bundesliga so wichtig ist? Natürlich gibt es Wichtigeres im Leben. Aber viele Leute brauchen die Spiele auch. Für viele ist der Fußball überlebenswichtig – auch psychisch. Da ist es schon schlimm genug, dass man nicht ins Stadion gehen kann. Aber Hauptsache, es geht irgendwie weiter. Ich bin selbst ein überaus sportaffiner Mensch, Spiele zu verfolgen, hat mir extrem gefehlt. Ich verbringe Tage und Nächte mit alten Partien – da freue ich mich, dass es mal wieder was Neues gibt. Das Spiel gegen Freiburg schaue ich bei mir im Garten. Es wird noch ein Freund vorbeikommen und wir grillen.”

Capo Tommes: „Familie, Freunde, Erhalt von Existenzen sind wichtiger”

Capo Tommes (Ü30, Sektor B): „Zu den Fragen möchte ich mich nicht konkret äußern. Aktuell gibt es wichtigere Dinge, wie zum Beispiel die Familie, Freunde und den Erhalt von Existenzen. Mögen alle Menschen gesund bleiben und sich nicht von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern und Hasspredigern beeinflussen lassen. Den Rest kann jeder für sich entscheiden. Man hört sich nächste Saison ...”

Sören Minx (40, RB-Fans.de-Redakteur, Sektor D): „Die vergangenen Wochen haben meine Prioritäten wie die von vielen anderen Bürgern verschoben. Zwischen Homeoffice und Homeschooling wanderten die Gedanken eher selten Richtung Fußball. Dennoch finde ich es gut, dass es wieder losgeht. Wie in anderen Branchen, sollte auch im Fußball wieder gearbeitet werden dürfen, zumal es auch bei einigen Fußballvereinen ums finanzielle Überleben geht. Die Geisterspiele werde ich wohl allein am Fernseher oder Ticker verfolgen. Große Alternativen dazu gibt es nicht. Analytisch wird das wenig ändern, emotional ist man natürlich anders dabei. Dennoch ist die Vorfreude auf Samstag langsam zu spüren. Was die Zukunft bringt und ob der Fußball sich nach der Krise verändert haben wird, steht allerdings noch in den Sternen.”

Aktiver Fan: „Weitere Geisterspiele in der neuen Saison unbedingt verhindern”

Fan aus der aktiven Szene (21, Sektor B): „Man kann Geisterspiele als Notlösung jetzt mal für neun Spiele ausprobieren, um die Saison zu beenden. Mehr aber auch nicht. Der Start der neuen Spielzeit sollte so lange herausgezögert werden wie möglich und nötig, um weitere Geisterspiele unbedingt zu verhindern. Generell sollte man hinterfragen, ob man das Rad nicht zurückdrehen muss, wenn Spiele ohne Fans finanziell so viel mehr einbringen als die Ticketeinnahmen. Fans in den Stadien sollten Priorität haben und nicht die TV-Einnahmen. Es ist kein gutes Signal, wenn ein Drittel der Klubs nach zwei Monaten ohne Spiele von Insolvenzen bedroht sind. Und ich finde es problematisch, dass sich der Profifußball Zehntausende Tests kaufen kann, Pflegekräfte oder Erzieher aber nicht getestet werden. Auch die mangelnde Transparenz sehe ich kritisch, dass die Vereine und Verbände Maulkörbe verhängen und Testergebnisse nicht veröffentlichen (dürfen).

Die Angst davor, dass sich Fans vor den Stadien treffen könnten, halte ich für völlig überzogen. Ultragruppierungen nehmen vielmehr ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, und da sollte man nicht die Fans an den Pranger stellen, sondern die Funktionäre in Klubs und Verbänden sowie Politiker sollten sich eher selbst hinterfragen. Ich schaue am Samstag mal bei Sky rein, wie ein Geisterspiel im TV wirkt. Wenn das nichts für mich ist, dann lasse ich das und schaue mir die Zusammenfassungen an. Aber die bisherigen Beispiele zeigen: Es wird weitere Zwischenfälle geben. Wenn mehrere Quarantänefälle auftreten, sollte man es lassen und die Saison abbrechen, auch weil die Fairness des Wettbewerbs dann nicht mehr gewährleistet wäre.”

Kai Bieler (45, Mitglied im OFC #talentfrei und Aufziehvogel_LE, Sektor A): „Ich sehe das von zwei Seiten: rational und emotional. Es gibt es eben wirtschaftliche Notwendigkeiten – auch bei RB – die Saison irgendwie zu Ende zu kriegen. Da sind Geisterspiele das einzig mögliche Mittel der Wahl. Ob das Konzept dann so im Detail funktioniert und richtig umgesetzt wird, dass die Saison auch wirklich zu Ende gespielt werden kann, da bin ich mal gespannt. Die Entscheidungshoheit liegt nun einmal bei den Gesundheitsämtern, da kann sich die DFL auch nicht herausnehmen und in einem extra juristischen Raum agieren. Wenn doch wieder abgebrochen würde, wäre neben dem wirtschaftlichen auch der Imageschaden groß. 

„Emotional wird der Restart schwierig für mich”

Emotional wird der Restart schwierig für mich. Die laufende Saison ist nach acht Wochen Pause schon ganz schön weit weg. Da muss man sich erst wieder reinfinden. Die Geisterspiel-Atmosphäre am TV ist äußerst skurril und gewöhnungsbedürftig. Gladbach gegen Köln wirkte wie ein Testkick. Ich werde mir die RB-Spiele dennoch anschauen. Andere Spiele gucke ich wegen der fehlenden Atmosphäre nicht.”

Arthur und Arne (beide 10, verfolgen jedes RB-Spiel im Stadion oder im TV): „Auf der einen Seite finden wir es gut, dass es wieder losgeht, weil wir die Spiele dann wieder im Fernsehen gucken können. Aber auf der anderen Seite finden wir es nicht so gut, weil die Atmosphäre bestimmt nicht so gut ist und wir nicht ins Stadion gehen können. Außerdem könnten sich die Spieler auch anstecken.” (RBlive/ukr)

Auch die großen OFC's Bulls Club und L.E. Bulls sowie der Fanverband haben Anfragen nach Gesprächspartnern erhalten, mochten sich aber nicht äußern.