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Von Ullrich Kroemer

Endspurt beim Arena-Umbau RB zeigt sein umgebautes Stadion

Stahltraversen im Sektor B: Die Fans stehen k√ľnftig auf Stahl.

Stahltraversen im Sektor B: Die Fans stehen k√ľnftig auf Stahl.

Wenn es auf Freitagmittag zugeht, ist auf Baustellen oft nicht mehr viel Betrieb, doch in der Leipziger Red-Bull-Arena wird auch am letzten Arbeitstag bei √ľber 30 Grad Hitze noch eifrig gewerkelt. Ein Drehkran l√§sst gerade die neuen Stahl-Traversen auf die R√§nge des neuen Stehblocks in Sektor B herunter. Vor dem Fanblock wird der alte Betonbelag lautstark abgeschliffen und neu aufgetragen.

RB Leipzigs Bauleiter Falk J√§nicke hat zur Baustellenbegehung geladen. Im Herbst 2019 hat der Klub mit dem etwa 60 Millionen Euro teuren Umbau des Stadions begonnen. In knapp zwei Monaten ‚Äď eine Woche vor Start der Bundesligasaison am 14. August ‚Äď muss nach weniger als zwei Jahren Bauzeit alles fertig sein.

Bauleiter J√§nicke: ‚ÄěMussten urspr√ľnglichen Zeitplan √ľber Bord werfen‚ÄĚ

J√§nicke ‚Äď 50 Jahre alt, eigentlich Jurist, seit 2015 im Verein, Typ ‚ÄěMacher‚ÄĚ ‚Äď ist guter Dinge, dass bis dahin fast alles fertig ist: ‚ÄěUnseren urspr√ľnglichen Zeitplan mussten wir √ľber Bord werfen, aber wir sind der festen √úberzeugung, dass wir alle Funktionalit√§ten bis zum 30. Juli fertigkriegen, sodass wir Anfang August ruhigen Gewissens Zuschauer ins Stadion lassen k√∂nnen‚ÄĚ, k√ľndigt er an. ‚ÄěDa wird noch nicht die letzte Wand gestrichen sein und das letzte Poster h√§ngen, aber wir werden das Stadion zu Saisonbeginn nutzen k√∂nnen.‚ÄĚ

Der Bauleiter hat den Durchblick: Falk Jänicke.

Der Bauleiter hat den Durchblick: Falk Jänicke.

Und die Fans können sich auf das komplett renovierte und umgebaute Zuhause freuen. RBlive stellt die wichtigsten Neuerungen vor:

Generelle Neuerungen: Das Stadion wirkt auf den Zuschauerebenen nun viel klarer, luftiger und weniger verbaut als zuvor. Es gibt mehr Platz f√ľr die Fanstr√∂me, Kioske, die im Weg standen, wurden verlegt, verschachtelte Treppenaufg√§nge umgebaut. Um die k√ľnftig 10.500 Fans in Sektor B zu fassen, wurde das Stadion zwischen Wall und bisheriger Stadionmauer um einen Halbkreis erweitert. Vor dem Fanblock ist ein weitl√§ufiges Areal entstanden. ‚ÄěEs war uns wichtig, den Leuten Luft zum Atmen zu verschaffen‚ÄĚ, sagt J√§nicke.

Glasw√§nde f√ľr mehr Atmosh√§re

Sektor B: Das neue Prunkst√ľck des umgebauten Stadions ist die 10.500 Fans fassende Stehplatztrib√ľne, die bei Bedarf auf 6170 Sitzpl√§tze umgewandelt werden kann. Das geschieht mithilfe von Stahltraversen, die zwischen die Betonstufen eingelassen werden und die beim Umbau auf Sitzpl√§tze nach oben geklappt werden. Ein Teil des Publikums steht dann also nicht auf Beton-, sondern auf Stahlstufen. Wo das oder die neuen Capopodeste angebracht sein werden, ist noch unklar und wird noch mit der aktiven Fanszene besprochen. Die Vors√§nger w√ľnschen sich mehrere Podeste, weil es von einem Stand aus schwierig sein d√ľrfte, alle 10.500 Anh√§nger zu erreichen und zum Mitsingen und -h√ľpfen zu animieren.

Festmontierte Klappsitze f√ľr Europapokalspiele im Stehblock.

Festmontierte Klappsitze f√ľr Europapokalspiele im Stehblock.

Stimmung: Nicht nur durch die gr√∂√üere Anzahl an Fans d√ľrfte es im Stadion k√ľnftig lauter sein. F√ľr besseren Hall sorgt auch, dass die bisher offenen Stirnseiten des Runds nun verglast werden und den Schall so im Stadion belassen, was auch daf√ľr sorgt, dass es drau√üen leiser ist. Das Glas h√§tte eigentlich l√§ngst verbaut sein sollen, doch weil die Fracht am Suezkanal im Stau stand, wurden die Glasw√§nde erst viel zu sp√§t geliefert. Nun wird im Akkord gearbeitet, um den R√ľckstand aufzuholen.

Riesige LED-Wand umrahmt Portal zu Sektor B

Zug√§nge: Die Arena wird durch 79 Drehkreuze zu betreten sein. Durch welchen Eingang man ins Stadion gelangt, ist ab der kommenden Saison egal, weil alle Bereiche ‚Äď bis auf den G√§steblock ‚Äď erreichbar sein werden. Denn: Sektorenbegrenzungen wie bisher gibt es nur noch am G√§steblock. Sonst k√∂nnen die Fans sich im Stadion erstmals frei bewegen, Freunde und Familie in anderen Sektoren besuchen.

Durch einen Einschnitt in den Wall ist das Stadion von der Festwiese nun ohne gro√ües Treppensteigen zu betreten. √úber eine Br√ľcke gelangt man an einem Fanshop und einem Servicegeb√§ude vorbei zu einer Art Eingangsportal, das komplett von einer LED-Wand eingerahmt ist, die an Spieltagen mit Grafiken etc. eindrucksvoll auf die Partien einstimmen soll.

Riesige LED-Wand um das neue Eingangsportal zu Sektor B (Eingang vom Glockenturm).

Riesige LED-Wand um das neue Eingangsportal zu Sektor B (Eingang vom Glockenturm).

Kioske: Das vor allem zu Saisonstart und an hei√üen Tagen bekannte Kiosk-Chaos geh√∂rt wohl der Vergangenheit an. Statt wie bisher 21 Kioske wird es 34 Imbiss- und Getr√§nkest√§nde geben. Alle klimatisiert und mit begehbaren K√ľhlkammern ausgestattet, die von hinten bef√ľllt werden k√∂nnen. Durch einen neuen Lastenaufzug und bessere Zufahrt k√∂nnen die Caterer ihre Waren nun ohne Probleme nachliefern.

Drei Kioske sollen sogenannte Spezialit√§tenkioske sein, an denen es immer mal wieder neue Gerichte gibt. RB will hier mit externen Restaurants und Anbietern zusammenarbeiten, um auch mal zu experimentieren und un√ľbliche Stadionkost anzubieten. Alle Kioske sind mit Bildschirmen ausgestattet, auf denen das Angebot digital zu sehen sein wird. Dazu gibt es an jedem Kiosk zwei LED-Fernseher, auf denen das Spiel auch w√§hrend des Gangs zum Bier- und Bratwurstholen verfolgt werden kann.

Toiletten: Auch die Anzahl der auch optisch aufgewerteten Toiletten wurde deutlich erhöht. Alle Waschbecken sind coronakonform kontaktlos zu bedienen.

Schick: Neue Toiletten in der Red-Bull-Arena.

Schick: Neue Toiletten in der Red-Bull-Arena.

VIP-Pl√§tze: 2080 VIP-Pl√§tze gibt es k√ľnftig in allen Ebenen des Stadions. Zuvor waren es 1950 ‚Äď hier macht RB also nur einen kleinen Sprung, um mehr Einnahmen zu generieren. So sollen auch die VIP-Zelte bestehen bleiben, um etwa bei Europapokal- und L√§nderspielen auch mehr Kontingente anbieten zu k√∂nnen. Zudem gibt es drei neue Sky-Boxen. Der gro√üe VIP-Raum f√ľr bis zu 520 Personen wird komplett modernisiert, ebenso der nach wie vor ins neue Stadion integrierte traditionsreiche Musiksaal des alten Zentralstadions, der mit einer 7Meter mal 3,50 Meter gro√üen Videoleinwand beeindruckt, auf der VIP's das Spiel verfolgen k√∂nnen.

Der historische Musiksaal bekommt eine riesige Videowand.

Der historische Musiksaal bekommt eine riesige Videowand.

Weitere Erweiterung des Stadions aktuell unwahrscheinlich

Fassungsverm√∂gen: 47.069 Pl√§tze bietet das einstige Zentralstadion, wenn der Umbau komplett abgeschlossen ist. Es gab auch mal Planungen f√ľr 52.000 und sogar 57.000. Laut Baugenehmigung der Stadt d√ľrfte das Stadion bis auf knapp 53.500 Pl√§tze ausgebaut werden. Doch RB entschied sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dagegen. ‚ÄěDas Stadion auf knapp 53.500 Zuschauer zu erweitern w√§re m√∂glich, aber das Verh√§ltnis zwischen baulichem und finanziellen Aufwand und dem Nutzen macht das nicht sehr wahrscheinlich.‚ÄĚ Dazu z√§hlt auch die anf√§ngliche √úberlegung, die Zuschauerr√§nge wie in England bis zum Rasen nach unten zu ziehen.

(RBlive/ukr)