Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Sie sind offline und sehen daher eventuell veraltete Nachrichten.

Sie sind offline, bitte prüfen Sie Ihre Internetverbindung.

Daten konnten nicht für Offline-Nutzung gespeichert werden.

Daten wurden für Offline-Nutzung gespeichert.

Die von Ihnen aufgerufene Adressse ist leider nicht (mehr) verfügbar. Wir haben Sie daher auf unsere Homepage umgeleitet.

von Ullrich Kroemer

Kommentar zur „Freestyle”-Kritik: Nagelsmanns Ehrgeiz treibt RB Leipzig an

Angestauter Ärger: Schon gegen Hoffenheim war Julian Nagelsmann unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft.

Angestauter Ärger: Schon gegen Hoffenheim war Julian Nagelsmann unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft.
Copyright: imago/Hartmut Bösener

Ein Kommentar von Ullrich Kroemer

Die Bewertungen von RB Leipzig 2:2 in Lyon und dem damit verbundenen Einzug ins Achtelfinale der Champions League als Gruppenerster gingen bei RB Leipzig am Dienstagabend doch deutlich auseinander. Sportdirektor Markus Krösche resümierte in den Katakomben des Groupama-Stadions: „Wir alle können zufrieden sein heute”. Und Klubboss Oliver Mintzlaff sprach ungläubig über den „unfassbaren nächsten Schritt, um vielleicht noch eine Runde weiter zu kommen”.

Julian Nagelsmann hingegen redete sich eine Etage weiter oben im Pressekonferenz-Raum regelrecht in Rage. Als „träge und schlampig” bezeichnete er den Vortrag seiner Mannschaft und zählte insbesondere Spieler aus der zweiten Reihe an. Vor allem ärgerte Nagelsmann, dass einige Akteure nicht seinen Anweisungen gefolgt seien, sondern „Freestyle” gespielt hätten. Der 32-Jährige war so sauer darüber, dass er grundsätzlich wurde: „Wir dürfen nicht anfangen zufrieden zu sein mit dem, was wir gerade erreicht haben.”

Dass RB aktuell Bundesliga-Zweiter ist und in der Champions League im Achtelfinale stehe, sei zwar „in Ordnung”. Doch Nagelsmann fragte provokant: „Soll es weiter in Ordnung sein? Wollen wir mal schauen, wie weit wir in Champions League und Pokal kommen und wie lange wir in der Bundesliga oben mitspielen? Oder soll es besser als in Ordnung sein?”

Es war der Moment, in dem der Chefcoach offenbarte, wie groß sein Ehrgeiz ist – vielleicht größer als der von Spielern und Klubführung –, am besten bereits in dieser Saison Titel zu holen, mindestens aber fußballerisch für Furore zu sorgen; mit RB Leipzig europaweit in aller Munde zu sein, so wie es Ajax Amsterdam im Vorjahr als Überraschungs-Halbfinalist der Champions League geschafft hat.

Für Furore braucht es Furor, den Nagelsmann in sich trägt. Ein Zwei-Tore-Vorsprung zur Pause ist ihm zu wenig, er wäre erst mit einer 4:0-Pausenführung zufrieden gewesen. Das 8:0 gegen Mainz, so scheint es, ist nun immer die Messlatte, wenn der Gegner so passiv agiert wie Lyon in der ersten Hälfte.

Im Lyon-Modus wird es in Düsseldorf und Dortmund schwer

Dass Nagelsmann ein Zeichen setzen und wachrütteln wollte, auch um in den drei Bundesligaspielen bis Weihnachten alles aus den Spielern herauszukitzeln, was nach teils über 50 Spielen in diesem Kalenderjahr noch in ihnen steckt, ist nachvollziehbar. Denn in den vergangenen vier Partien gegen Benfica (erste Halbzeit), Paderborn (zweite Halbzeit), Hoffenheim (erste Halbzeit), Lyon (zweite Halbzeit) hatte sich das Team jeweils Auszeiten genommen, die Siege beziehungsweise Punkte gefährdeten. Im Lyon-Modus sind in Düsseldorf und Dortmund jedenfalls keine Siege zu erwarten. 

Anders als nach dem 1:1 gegen Wolfsburg, als Klubboss Oliver Mintzlaff öffentlich bessere Leistungen einforderte, und dem 1:2 gegen Freiburg, als Krösche grundsätzliche Leistungsbereitschaft und Einstellung zu den Zielen anmahnte, überließ Nagelsmann nun nicht anderen die Rolle des größten Kritikers, stellte sich nicht vor seine Mannschaft, sondern teilte selbst aus. Dass der Fußballlehrer selbst im Moment des Erfolgs den Finger gnadenlos in die Wunden legt, wird RB Leipzig ganz sicher voranbringen.

Nicht Mintzlaff oder Krösche, Nagelsmann teilte selbst aus

Die Frage ist nur, ob die Schelte zu diesem Zeitpunkt, am Abend des Gruppensiegs, in dieser Deutlichkeit öffentlich hätte vorgetragen werden müssen. Das ist normalerweise das letzte Mittel in der Kommunikation in Krisen, denn darauf reagieren die meisten Kicker äußerst sensibel. Nicht nur Trainer-Urgestein Ewald Lienen im Sky-Studio fragte sich verwundert, warum der junge Kollege seine Kritik nicht bei der Nachbesprechung intern äußerte. Heftige öffentliche Worte nutzten sich schnell ab, so Lienen.

Doch zum einen ist Nagelsmann eben authentisch. Wenn ihn etwas ärgert, dann sagt er das auch unmissverständlich. Und zum anderen: Vielleicht braucht es für verwegene Ziele auch außergewöhnliche Maßnahmen.

Mit seiner Generalkritik hat sich Nagelsmann jedenfalls von einer Seite gezeigt, die in Leipzig bisher noch nicht zum Vorschein gekommen war, und demonstriert, welches Feuer in ihm lodert. Platz zwei und das Achtelfinale der Champions League sind ihm nicht genug – zumindest nicht, wenn sein Team nicht alles dafür getan hat, um besser zu sein. (RBlive/ukr)

Das könnte Dich auch interessieren