RB Leipzig

Auf dem Zahnfleisch: RB Leipzig mit konfuser Vorstellung in Leverkusen

Von Martin Henkel 26.09.2020, 17:27
Glanzloses Debüt: Alexander Sörloth gegen Sven Bender.
Glanzloses Debüt: Alexander Sörloth gegen Sven Bender. imago/Revierfoto

Zweites Ligaspiel, erneut nicht verloren: So ließ sich die Reise von RB Leipzig nach Leverkusen lesen, die in einem 1:1 (1:1) der gewonnenen Art für die Sachsen endete. Es war nämlich viel Glück bei diesem Remis dabei – und nach dem 3:1 gegen Mainz aus der Vorwoche eine seltsame Darbietung der Sachsen in der mit 6000 Zuschauern gefüllten BayArena.

Ein Kniff, ein Tor

„Drei Punkte plus“ wollte Julian Nagelsmann aus Leverkusen mitnehmen. Einen Sieg, und im Vergleich zur Mainz-Partie (und einem Wechsel: Nordi Mukiele für Marcel Halstenberg) „mehr Präsenz und Ausstrahlung“ seiner Startelf, die die Wünsche des Trainers bis zur 20. Minute erfüllte. RB hatte Bayer im Würgegriff, auch wenn die Gastgeber in der 4. Minute die erste Chance der Partie bewerkstelligten. Moussa Diaby flankte nach einem Konter von der linken Außenbahn in den Fünfmeterraum auf Patrik Schick, Dayot Upamecano rettete vor dem Ex-Kollegen. Ansonsten dominierten die Sachsen mit feinem Konterspiel das Geschehen. Ein Kniff funktionierte dabei besonders gut: langer Ball von Keeper Peter Gulacsi auf Wandstürmer Yussuf Poulsen, Ablage, Torschuss oder Grundlinienlauf eines Kollegen.

Angelino rutscht weg - doppelt

In der 7. Minute hätte so Ex-Bayer Kevin Kampl beinahe die Führung erzielt, einen Rückraumpass von Emil Forsberg rutschte ihm aber am Elfmeterpunkt freistehend über den Senkel. Sieben Minuten später haute der Trick hin.

Wieder ein Langholz von Gulacsi, Poulsen saugte den Ball an, schickte Forsberg. Der wackelte, legte sich den Ball auf links und knallte ihn unter die Latte. Alles lief nach Plan, bis die Witterung Bayer auf die Füße half. Nach einer Ecke rutschte Angelino bei einem Gegenstoß aus, im Anschluss an den Konter spielte der Spanier aus dem Strafraum heraus den Ball Kerem Demirbay vor die Füße. Der zog aus 25 Metern ab und traf die Unterkante des Querbalkens, von dort sprang der Ball ins RB-Netz (20.).

Dieser Kunstschuss traf die Leipziger wie eine Kopfnuss. Fortan spielten sie wie mit Gehirnerschütterung. Erst musste Poulsen mit Verdacht auf Leistenzerrung vom Platz, Debütant Alexander Sörloth ersetzte ihn (27.). Danach spielte bis zur Pause nur noch Bayer.

Selten hat man den Nagelsmann-Kader derart konfus gesehen. Im Sekundentakt rollten die Bayer-Angriffe auf das RB-Tor, die Ballbeteiligung der Sachsen schrumpfte auf 37 Prozent, die Passquote auf 68. Keine drei Ballstationen am Stück brachten sie mehr zustande.

Kläglich neben das Tor

Stattdessen: Lücken wohin das Auge reichte. Es war pures Glück, dass das 1:1 bis zum Pausengang hielt. Einmal stand zudem Gulacsi in der 39. Minute goldrichtig, als Schick eine Bogenlampe von Sven Bender dem Ungarn in die Handschuhe köpfte.

Nagelsmann reagierte mit einem Wechsel. Hee-chan Hwang kam für Kampl, der zuvor wie ein Geist über den Platz geschlichen war. Dafür rückte Amadou Haidara neben Tyler Adams auf die Position zentral vor die Abwehr. Gleichzeitig tauschten Upamecano (zuvor halbrechts) und Lukas Klostermann in der Innenverteidigung die Plätze.

Der Effekt blieb nicht aus: Das RB-Personal bekam Kontrolle in seine Aktionen – und gelangte auch wieder mal in Abschlusspositionen. Kläglich aber vergab Dani Olmo einen Rückpass von Hwang mit einem vermurksten Schuss zehn Meter nebens Tor (55.). Im Gegenzug parierte Gulacsi einen Schrägschuss von Diaby (56.). Trotzdem: RB brauchte weiter Matchglück. In der 59. Minute rettete der Pfosten gegen einen Schuss von Florian Wirtz nach einem Lehrbuchkonter.

Auf dem Zahnfleisch übers Feld

Erst als Bayer die Kräfte schwanden, pegelte sich das Spiel auf Augenhöhe ein. In der 73. Minute zwang Christopher Nkunku, mittlerweile für Forsberg im Spiel, Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky mit einem Zirkelfreistoß zu einer Parade, den Nachschuss setzte Hwang am Tor vorbei. Kurz darauf schoss Schick seinen Ex-Kollegen das vermeintliche 2:1 in die Maschen, der Tscheche stand zuvor aber im Abseits. Wenig später flog ein Schuss von Angelino nach einer Ecke knapp am langen Pfosten vorbei (82.).

Jetzt war klar: der nächste Treffer würde entscheiden. Beide Teams aber rannten zunehmend auf dem Zahnfleisch übers Feld, sodaß es bei der Punkteteilung blieb. (RBlive/hen)