RB Leipzig

„Auf den Punkt getreten”: Olmo und Angelino sind RB Leipzigs neue Standard-Waffen

Von Ullrich Kroemer 16.02.2020, 09:31
Dank an den Vorbereiter: Torschütze Patrik Schick und Eckenschütze Dani Olmo.
Dank an den Vorbereiter: Torschütze Patrik Schick und Eckenschütze Dani Olmo. imago/Picture Point LE

Patrik Schick wusste, bei wem er sich bedanken musste. Nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 gegen Bremen (Endstand 3:0), das der Tscheche per Kopf nach einer Ecke erzielt hatte (39.), lief er zu Dani Olmo. Der Rekord-Neuzugang aus Spanien hatte den Eckball getreten, sodass Schick nur noch hochzusteigen brauchte – einen kleinen Schubser gegen seinen Gegenspieler inklusive.

Zuvor hatte Matchwinner Schick bereits das 1:0 durch Lukas Klostermann vorbereitet. Ebenso nach einem ruhenden Ball. Angelino, der andere spanische Winterzugang, hatte einen Freistoß von der rechten Seite diagonal auf Schicks Fuß gespielt, der am Fünf-Meterraum in aller Seelenruhe auf Klostermann ablegte (17.). „Es war ein bisschen improvisiert, aber ich habe mit meinem Laufweg darauf spekuliert, dass er mir den Ball auf den zweiten Pfosten spielt”, sagte Klostermann. „Dass er mir so perfekt vor die Füße gelegt wird, war sehr wichtig. Das hat uns heute viel Sicherheit gegeben im Spiel.”

Nagelsmann: Standards gehören dazu, „wenn du oben mitspielen willst”

Und auch Trainer Julian Nagelsmann war hoch zufrieden angesichts der beiden Treffer nach Ecke und Freistoß. „Ich bin glücklich darüber, dass wir gute Standards getreten und das Spiel in unsere Richtung haben kippen lassen”, sagte der Chefcoach. „Das gehört auch dazu, wenn du oben mitspielen willst.”

Bisher war RB in dieser Saison zwar nicht für gute Standards gefürchtet. Doch laut dem Statistikportal whoscored.com hat RB gegen Bremen die Tore acht und neun nach Ecken und Freistößen geschossen (die fünf Elfmeter nicht eingerechnet). Nur Köln (12) und Frankfurt (11) haben mehr. „Aber in den letzten Spielen war ich nicht ganz zufrieden, da sind aus eigenen Standardsituationen eher Konter für die Gegner entstanden”, sagte Nagelsmann.

Beispiel Ballack: „Wenn der Standard eine große Streuung hat, bringt es nichts”

Der Schlüssel für die gestiegene Qualität seien nun „die Spieler, die die Bälle reinschlagen”. Michael Ballack, führte der Trainer aus, habe zu seiner Zeit viele Standardtore geschossen, „weil er ein gutes Lauftempo hatte und sich die Räume gut ausgesucht hat”, aber weil der Ball eben auch oft da hin gekommen sei, wo er hin sollte. „Wenn der Standard eine sehr große Streuung hat, kannst du gut einlaufen, aber es bringt nichts”, sagte Nagelsmann und lobte seine beiden spanischen Winter-Neuzugänge: „Sowohl der Freistoß von Angelino als auch die Ecke von Dani Olmo waren auf den Punkt getreten, dann kannst du auch mit gewissen Laufwegen etwas kreieren und probieren”, erklärte der 32-Jährige.

In der vergangenen Saison hatte Ralf Rangnick zumindest zu Saisonbeginn ein Drittel der Trainingszeit auf Standards verwendet. Damals vor allem, um die Flut der Gegentore nach ruhenden Bällen zu minimieren. Offensiv erzielten die Leipziger 2018/19 in der gesamten Saison zehn Tore nach Ecken und Freistößen. Nur eines mehr als bereits jetzt. „Ein Drittel Trainingszeit verwende ich nicht darauf. Aber genug, um wie heute mal zwei Tore zu machen”, sagte Nagelsmann. RB trainiert jede Woche regelmäßig Standards, zudem gibt es vor jedem Spiel eine extra Standardbesprechung mit den Spezialisten.

Dabei, dass RB traf, half auch Werder Bremen freundlich mit. „Es ist das dritte oder vierte Mal diese Saison, dass wir einen Ball auf den zweiten Pfosten kriegen und den Querball nicht verteidigen, weil wir schlichtweg stehenbleiben. Das geht nicht”, ärgerte sich Werder-Trainer Florian Kohfeldt etwa über das 1:0. Mit zwölf Gegentreffern nach Standards – RB kassierte vier – gehören die Bremer zu den anfälligsten Teams bei Ecken und Freistößen. (RBlive/ukr)