RB Leipzig

Auftaktpleite für RB Leipzig und Jesse Marsch - "Rest von Mainz" bezwingt den Vizemeister

Von Ullrich Kroemer 15.08.2021, 17:38
Mainz obenauf: Silvan Widmer überspringt Angeliño
Mainz obenauf: Silvan Widmer überspringt Angeliño imago images/Revierfoto

Meisterschafts-Mitfavorit RB Leipzig ist mit einer krachenden Pleite in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Gegen den „Rest von Mainz” – elf zumeist Stammspieler fehlten wegen eines Corona-Ausbruchs – ließ sich das millionenschwere Leipziger Ensemble im Mainzer Tollhaus den Schneid abkaufen und verlor mit 0:1 (0:1). Unerfahrene Akteure wie die jungen FSV-Talente Paul Nebel (18) und Niklas Tauer (20) wuchsen über sich hinaus. Ein kleines Fußball-Märchen für Mainz, eine Blamage für RB im ersten Bundesligaspiel des neuen RB-Trainers Jesse Marsch.

"Feiert jeden Zweikampf!"

Dass Mainz ein unangenehmer und leidenschaftlicher Gegner sein kann, wissen die Leipziger aus den vergangenen Spielzeiten als sie hier mit 0:3 (2018) und 2:3 (2021) unterlagen. Team und Fans der „Meenzer” pushten sich diesmal ganz besonders hoch. Schon als die Hausherren aus dem Bus stiegen, wurden jeder Akteur bejubelt wie ein Gladiator. „Feiert jeden Zweikampf, als wäre es der letzte!”, schrie der Stadionsprecher in sein Mikrofon. Und die 10.500 Fans – zum ersten Mal seit anderthalb Jahren durften wieder Anhänger kommen – hielten Wort.

Viele staunten wohl selbst, dass ihr Team bereits früh im Spiel auch selbst Chancen hatten. Der koreanische Neuzugang Jae-Sung Lee köpfte im Flug an den Pfosten; der Nachschuss des wie aufgedrehten Youngsters Nebel ging am Tor vorbei (5.). RB war überrumpelt vom Feuer der Mainzer; nicht die Gäste, sondern der Underdog spielte so schnellen, geradlinigen, intensiven Umschaltfußball, wie es eigentlich Marsch mit seiner Mannschaft vorhat. Und auch bei Standards waren die Nullfünfer im Gegensatz zu RB gefährlich. Nordi Mukiele hätte den Ball nach einer Ecke nur noch wegzuschlagen brauchen. Doch der indisponierte Franzose fabrizierte eine kuriose „Kerze” an den zweiten Pfosten, sodass Moussa Niakhaté den Ball nur noch zur frühen Führung (19.) über die Linie drücken musste. Ein totaler Blackout.

Besser, aber nicht zwingend

Bei Leipzig fehlten Ideen, wie es gegen die Fünferkette der Mainzer gefährlich vors Tor von Robin Zentner kommen und Königstransfer André Silva in Szene setzen kann, komplett. Die im Training einstudierten Diagonalpässe und Verlagerungen setzte das Team nicht um. Das Spiel war ungenau, die Positionierung nicht gut, die Abwehr anfällig. Bei einer Trinkpause nach 25 Minuten holte Marsch verzweifelt die Taktiktafel heraus, um den Matchplan zu wiederholen. Christopher Nkunku hatte dann bei einem Konter mit mehrfacher Leipziger Überzahl auch den Ausgleich auf dem Fuß, doch der Franzose zögerte zu lange, sodass ihm Tauer mit einer krachenden Grätsche in die Parade fuhr (29.) – bezeichnend. Zwar wurde RB besser, aber kaum zwingend.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hatte Nebel sogar das 2:0 auf dem Fuß, doch Peter Gulacsi hielt den gespitzelten Ball (51.). RB spielte nun mit 70 Prozent Ballbesitz um den Strafraum der Gastgeber herum, wie ein Handballteam um den Kreis. Neuzugang Mohamed Simakan zog im Strafraum voll ab, doch Zentner hielt den Kracher (59.).

Mainz kämpfte weiter, unterstützt von den Fans, die sich mit standing ovations bedankten. Marsch reagierte mit einem Dreifachwechsel, brachte nach einer Stunde die frischen Offensivspieler Marcel Sabitzer, Dominik Szoboszlai und Hee-chan Hwang. Silva vergab seine beste Gelegenheit nach Hwang-Zuspiel aus halbrechter Position gegen den überragenden Zentner (73.). Auf der anderen Seite zählte der vermeintliche zweite Treffer der Mainzer nicht, weil der Ball zuvor im Aus war (74.). RB drückte, doch auch Kopfbälle von Kapitän Willi Orban und Silva verfehlten ihr Ziel. Der Rest war ohrenbetäubender Jubel der Mainzer. (RBlive/ukr)