„Bock, wieder weit zu kommen”

RB Leipzig beweist Geduld und Reife im Hexenkessel

Von Ullrich Kroemer 26.02.2022, 10:00
Kommt ein Nkunku geflogen: Die Elfmeterszene vor dem 1:0.
Kommt ein Nkunku geflogen: Die Elfmeterszene vor dem 1:0. (imago/kolbert-press)

Willi Orban sagte es, Yussuf Poulsen auch und Trainer Domenico Tedesco sowieso: Das Wörtchen „reif” fiel am Donnerstagabend nach dem Achtelfinaleinzug von RB Leipzig durch das 3:1 bei Real Sociedad gleich mehrfach in den Unterbauten des Estadio Anueta. Dieses Prädikat, das eine Mannschaft, die etwas gewinnen will, adelt, traf gleich in doppelter Hinsicht zu. Erstens ließ RB die kämpferischen Basken eine Stunde lang kein Stück zur Entfaltung kommen. „Wir haben uns nicht locken lassen, hatten die Geduld, kompakt zu bleiben, dem Gegner auch mal einen Pass im Spielaufbau zu ermöglichen und Ballbesitz abzugeben”, lobte Tedesco.

Im Hinspiel waren gerade die Genies Christopher Nkunku und Dani Olmo noch zu ungestüm auf den Ballführenden gestürmt, wodurch Räume im Mittelfeld entblößt wurden. Das Pressing geriet im Rückspiel deutlich cleverer – „reif” eben. So entstanden durch Kontersituationen tiefere Balleroberungen und gefährlichere Torchancen für die Leipziger

Und zweitens: Als dann doch das zwischenzeitliche 1:2 nach einem Standard gefallen war, hielten die Gäste mit frischem Personal kämpferisch dagegen und überstanden eine Viertelstunde des Kontrollverlustes. „Nach dem Anschlusstreffer in dem Hexenkessel zu bestehen, war nicht ganz so einfach”, sagte Verteidiger Lukas Klostermann erleichtert. „Aber ich hatte immer ein gutes Gefühl auf dem Platz.”

Poulsen: „Festere Strukturen” unter Tedesco

Das kommt auch durch eine neue mannschaftliche Geschlossenheit zustande, die das Team in den zweieinhalb, erfolgreichen Monaten unter Tedesco entwickelt hat: „Heute hatten wir eine super Mentalität, Leidenschaft, jeder arbeitet für den anderen. So soll es sein, wir wollen alle den Erfolg”, kommentierte Emil Forsberg.

Und Yussuf Poulsen betonte: „Wir sind stärker, reifer als Gruppe geworden. Wir performen auf einem besseren und konstanteren Niveau und alle sind fit.” Auch der Konkurrenzkampf mache die Mannschaft stärker. Und spielerisch profitiere das Team von „bisschen festeren Strukturen” unter Tedesco als unter seinem Vorgänger, so Poulsen.

Wiederentdeckte Auswärtsstärke von RB Leipzig

Nun wollen insbesondere die Routiniers Forsberg und Poulsen, aber auch ehrgeizige Jungstars wie Dani Olmo in dieser Saison Geschichte schreiben und in DFB-Pokal und/oder Euro League den ersten großen Titel der Klubgeschichte gewinnen. „Wir sind in dem Wettbewerb schonmal relativ weit gekommen und man hat der ganzen Mannschaft angemerkt, dass sie Bock hat, wieder weit zu kommen”, sagte Klostermann. „Die Mannschaft ist heiß auf jedes Spiel. Der Wettbewerb ist für uns lukrativ und attraktiv”, hob Tedesco hervor.

Nun gilt es, die durch die neue Stabilität und Geschlossenheit wiederentdeckte Auswärtsstärke auch am Sonntag beim VfL Bochum zu demonstrieren (15.30 Uhr). Zur Erinnerung: Von April bis Dezember gewann RBL in der Liga kein Spiel in der Fremde. Im Jahr 2022 gewann die Mannschaft bis auf das Match beim FC Bayern jedes Auswärtsspiel.

></div></div><div class=